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Genussfahrt im Périgord / Frankreich

aus Kradblatt 06/22 von Lucia Vallerius

Unterwegs im Departement Dordogne

Das Périgord ist eine Region im Südwesten Frankreichs, etwas besser bekannt unter dem Namen des Departements, der Dordogne. 

Blick auf den Fluss Dordogne
Blick auf den Fluss Dordogne

Der Blick von der Terrasse unserer Unterkunft schweift über grüne Weiden, unendliche Reihen von Reben und kleine Inseln mit Mischwald. Die „Routes Departementales“, also die kleinen Nebensträßchen abseits der großen Nationalstraßen sind schmal und meist kurvenreich, also ideal für Genussfahrer. 

Eine unserer Lieblingsstrecken mit den „Sternchen“ (Kawasaki 250 Estrella) führt uns von Bergerac, das am Fluss Dordogne liegt und dem Departement seinen Namen gab, in östliche Richtung zum Nebenfluss Vézère. Der untere Abschnitt dieses stark mäandernden Flusses ist aufgrund zahlreicher prähistorischer Fundstellen eine UNESCO-Weltkulturerbestätte und wird auch gern „das Tal der Menschheit“ genannt. Das Karstgebiet weist unzählige Höhlen und Halbhöhlen auf, in denen spektakuläre Knochenfunde gemacht wurden. Außerdem entdeckte man hier im 20. Jh. die ersten, von Menschen geschaffenen Gemälde in Tropfsteinhöhlen –  die bekannteste davon ist die Grotte de Lascaux. Doch davon später mehr.

Statue von Cyrano de Bergerac
Statue von Cyrano de Bergerac

Wir nehmen von Bergerac aus die gemütliche D32 über Liorac, Sainte-Foy- de-Longas nach Sainte-Alvère. Die Rebflächen werden zusehends kleiner, hier findet man mehr und mehr Getreideanbau, saftig grüne Weiden und lichten Mischwald. Entlang des kleinen Bachlaufs der Louyre lässt es sich entspannt rollen. Doch Vorsicht ist geboten: die Einheimischen nehmen die gesamte Breite der meist einspurigen Nebensträßchen gerne für sich ein! 

Wir machen in Sainte-Alvère beim „Bar-Tabac“ Laden an der Hauptstraße Halt. Vor dem Gebäude laden ein paar Tische unter Sonnenschirmen zum Verweilen ein. Wir holen unseren zweiten Morgenkaffee drinnen an der Theke und plauschen ein wenig mit dem netten Barbesitzer. 

Bevor wir wieder in den Sattel steigen, schauen wir uns noch im Ort um. Reste eines alten Turms überragen die mittelalterlichen Häuserzeilen. Die Ruine ist alles, was von einer ehemaligen Burg aus dem 13. Jh. übrig geblieben ist. An der Rue de la République fällt die kleine Markthalle vor der Kirche ins Auge: hier werden in den Wintermonaten die berühmten Périgord-Trüffel gehandelt. Der Kaffee drückt auf die Blase. Ich bin froh, dass auch in Sainte-Alvère, wie fast überall in den französischen Dörfern, ein „WC-Public“ die Bedürfnisse der Durchreisenden berücksichtigt. Dieses hier weist eine kuriose Besonderheit auf: die Herrenkabine wurde direkt über einen alten Brunnenschacht gesetzt, eine Plexiglasscheibe gewährt im wahrsten Sinne des Wortes tiefe Einblicke.

Wir rollen weiter auf der D32. Nach wenigen Kilometern macht uns ein Hinweisschild auf das „Musée Napoleon“ neugierig. Auf einem Hügel, umgeben von Bäumen thront eine hübsche zweigeschossige Villa, die einst von einer Urur…Enkelin des großen Napoleon aus dem Bonaparte Clan bewohnt wurde. Die Erben machten aus dem Haus ein Museum und so kann man heute die üppig ausgestatteten Räumlichkeiten mit zahlreichen Artefakten aus dem Familienfundus bewundern.

Bergerac am Fluss Dordogne
Bergerac am Fluss Dordogne

Nach Überquerung der D710 kurven wir nach Miremont hinüber und nehmen dann die D47 nach Les-Eyzies-de-Tayac-Sireuil. Der Ort liegt malerisch vor und teilweise sogar unter überhängenden Felsen, sogenannten Abris. Dicht an dicht ducken sich die ockerfarbenen Häuserzeilen unter das Felsdach. Auf einer natürlichen Steinterrasse steht die überlebensgroße Skulptur eines Neandertalers. Dort wollen wir hinauf. An einem direkt in die Felswand gebauten Haus endet die Fahrt, ab hier kommt man nur noch zu Fuß weiter. Wir stellen die Maschinen ab und genießen erst einmal den herrlichen Rundblick: unter uns das Dorf mit seinen pittoresken Natursteinhäusern. Dahinter zieht die träge fließende Vézère ihre Schleifen und ein Nahverkehrszug überquert pfeifend die Eisenbahnbrücke.

Felsenüberhänge - sog. Abris
Felsenüberhänge – sog. Abris

Die Fahrt hat uns hungrig gemacht, also lassen wir uns gegenüber vom Nationalmuseum auf der Terrasse des Restaurants „Au coup de Silex“ übersetzt also zum „Flintsteinbrocken“ nieder. Die Karte ist recht übersichtlich, was in dieser Gegend aber kein schlechtes Zeichen ist, denn es kommt in die Pfanne und auf den Teller, was Region und Jahreszeit gerade hergeben. Ein hiesiger Rotwein zu den Köstlichkeiten wäre fein, aber wir wollen ja wieder auf die Motorräder steigen und wissen, dass die Strafen für Verkehrssünder in Frankreich drakonisch sind. Man sollte keinesfalls glauben, dass die Uniformierten dieses großen Weinlandes bei Alkoholkontrollen „mal ein Auge zudrücken“! Die Promillegrenze liegt bei 0,5 und darf keinesfalls überschritten werden, sonst droht ein saftiges Bußgeld.

Wieder im Sattel, lassen wir Les-Eyzies hinter uns und nehmen beim zweiten Kreisverkehr in nördliche Richtung die Ausfahrt zur D706. Die Straße steigt hinter den Felsen an und windet sich in zahlreichen Kurven durch schattigen Wald bis zum Dörfchen Tursac. Vorbei am buddhistischen Zentrum und einer Gänsefarm folgen wir dem Sträßchen hinunter zum Fluss und folgen nun der D66 auf der rechten Uferseite immer am Waldrand entlang. Kurz nach der Stelle, wo die Straße wieder vom Wasserlauf wegführt befindet sich linker Hand ein großer, schattiger Parkplatz. Fast wären wir an der Sehenswürdigkeit „Maison forte de Reignac“ vorbei gerauscht, die in der monumentalen Felswand direkt gegenüber regelrecht klebt. Höhlenwohnungen sind im Vézère-Tal, ja in der ganzen Region Périgord, weit verbreitet. Dieses „befestigte Haus von Reignac“ ist ein tolles Beispiel einer solchen Wohnstätte, die bereits in prähistorischer Zeit besiedelt war. Die vorspringenden Felsen und die Grotten boten Schutz vor Witterung. Die meist erhöhte Lage über dem Flussniveau erlaubte es den Bewohnern außerdem, die Umgebung gut im Blick zu behalten, um sich rechtzeitig vor eventuellen Angriffen rüsten zu können. Im Haus von Reignac werden anhand zahlreicher Ausstellungsstücke alle Epochen der Besiedelung ausführlich erklärt. Besonders beeindruckend finde ich die komplett mit Möbeln und Einrichtung ausgestatteten Räume. Ein Feuer brennt im gigantischen Küchenkamin, Würste hängen im Rauch. Überall stehen und liegen nicht nur Küchengerätschaften herum, auch echtes Gemüse, Kräuter, Hülsenfrüchte etc. stehen bereit, als ob die Köchin gerade mal eben rausgegangen ist, um etwas zu holen. In den Wohnräumen ist der Tisch gedeckt, auf einem Schreibtisch liegen Papiere, Tintenfass und Feder neben dem Kerzenleuchter. Waffen, Wandteppiche und Gemälde schmücken die unverputzten Wände, die bergseits direkt aus dem Felsen geschlagen wurden. Im Schlafzimmer hängen prachtvolle Gewänder an einer Kleiderstange, das Nachthemd liegt auf dem Bett. Über steile Stufen gelangen wir auf die Felsterrassen der kleinen Festungsanlage und können den Blick über die liebliche Landschaft streifen lassen. 

Skulptur eines Neandertalers
Skulptur eines Neandertalers

Richtig gruselig wird es aber dann noch am Schluss der Besichtigungstour: ein Foltermuseum wartet mit einer beeindruckenden Sammlung von mittelalterlichen Quälinstrumenten auf. Die Verwendung der Geräte wird bis ins kleinste Detail beschrieben – das ist nichts für schwache Nerven! Ich bin froh, als wir wieder ans Tageslicht gelangen und uns im Sonnenlicht der Gänsehaut entledigen und wieder auf die Estrellas steigen können. 

Maison forte de Reignac
Maison forte de Reignac

Die Straße folgt der Höhenlinie am linken Hügelrand und nach einer Linkskurve landen wir wieder unten am Wasser. Wir überqueren nicht die schöne alte Steinbrücke hinüber nach Le Moustier sondern nehmen den Abzweig rechts entlang einer nackten Kalksteinwand. Dort oben auf den ausgedehnten Felsterrassen befand sich bis ins 18. Jhd. ebenfalls eine Höhlensiedlung, von der heute allerdings kaum noch etwas vorhanden ist. Aber man kann die Anlage des „Roque-Saint-Christophe“ besichtigen und bekommt sogar Erklärungen in deutscher Sprache ausgehändigt. Möblierte Räume gibt es hier zwar nicht, aber eine recht anschauliche Sammlung nachgebauter mittelalterlicher Werkzeuge und Baugeräte, unter anderem ein Kran, der mit einer Laufrolle betrieben wurde.

Am schattigen Parkplatz des Roque Saint-Christophe stärken wir uns am Imbiss „Les Delices de la Roque“. Die Holzhütte mit großer offener Theke liegt in einer engen Kurve der D66, d.h. man ist an drei Seiten umgeben vom Geschehen auf dem Asphalt. Schon bald hören wir das charakteristische Blubbern von Harleys, die sich nähern. Es ist eine große Gruppe von mehr als zehn Maschinen mit meist französischen Kennzeichen. Schön, dass sie es auch so gemütlich rollen lassen wie wir. Raser sind natürlich auch unterwegs, die rufen mit ihren brüllenden Maschinen meist nur Kopfschütteln bei den anderen Verkehrsteilnehmern hervor. Unsere bescheidenen Einzylinder sind leise Spaziergänger und erregen nicht nur aufgrund unserer deutschen Kennzeichen immer wieder Aufmerksamkeit. Die beiden Retro-Motorräder sind ein Nachbau der legendären NSU-Max, aber halt mit zeitgemäßer Technik wie Elektrostarter und Scheibenbremsen. Oft kommen wir dadurch ins Gespräch mit Einheimischen, die wissen wollen, wie alt die Motorräder wirklich sind.

Liebevoll eingerichtete Höhlenwohnung
Liebevoll eingerichtete Höhlenwohnung

Ein paar Kilometer weiter passieren wir eine schmale Brücke und sind im Bilderbuchdorf Saint-Léon-sur-Vézère. Dass dieses Dorf zu den schönsten Frankreichs gehört, wie einem Schild am Ortseingang zu entnehmen ist, fällt sofort ins Auge: die Häuser aus ockerfarbenem Bruchstein sind alt aber gepflegt und sorgfältig mit Blumen geschmückt. Der Dorfplatz an der Kirche ist müllfrei und sauber geharkt. Kein modernes Werbeschild verunziert die Idylle. Es gibt nur wenige hundert Einwohner, aber zwei Schlösser, von denen eines besichtigt werden kann. Die schönsten Einkehrmöglichkeiten liegen in der Nähe vom Wasser. Während man ein erfrischendes Getränk genießt, kann man die Kanufahrer beobachten, die den Fluss bevölkern. Es gibt im Ort leider nur wenige Möglichkeiten, sein Haupt zu betten: entweder ganz edel und teuer im Château de Clerans (Zimmer ab 150 € aufwärts!) oder privat bei Sylvie, die in ihrem Haus an der Hauptstraße ein kleines „Chambre d’hôtes“, also ein Gästezimmer mit Frühstück anbietet. Man tut gut daran, dieses Zimmer vorab zu reservieren, denn Saint-Léon-sur-Vézère ist ein beliebter Touristenort.

Kanutour auf der Vezere
Kanutour auf der Vezere

Das Frühstück in Frankreich ist für uns … naja, nennen wir es mal bescheiden wenn auch ausreichend. Natürlich geben sich insbesondere private Gastgeber Mühe, niemanden hungrig vom Tisch aufstehen zu lassen. Da steht der Bol mit einem Viertelliter Milchkaffee und ein Körbchen mit Baguettescheiben, dazu ein Kleckschen Butter und etwas Marmelade, oft hausgemacht und wirklich lecker! Aber zum einen werde ich mich nie an die großen Kaffeeschalen gewöhnen, in denen das Getränk auch noch viel zu schnell abkühlt und zum anderen verlangt mein Bauch tatsächlich morgens schon nach etwas Kräftigem, anhaltend Sättigendem. Dafür isst man in Frankreich gleich zwei Mal am Tag warm, nämlich mittags UND abends. Es ist deshalb meistens kein Problem, über Mittag irgendwo einzukehren, um preiswert üppig zu speisen. Überall wird „Menu“ oder „Plat du Jour“ als „formule“, also etwas günstiger als abends angeboten. Die Mittagskarte besteht entweder aus einem einheitlichen 2–3-Gang Menü oder einem Tellergericht. In den Gerichten werden meist marktfrische, regionale Produkte verarbeitet und es wird zügig serviert.

Spektakulärer Nachbau der Grotte de Lascaux bei Montignac
Spektakulärer Nachbau der Grotte de Lascaux bei Montignac

Ausgeruht und einigermaßen gestärkt rollen wir das Vézère Tal weiter flussaufwärts vorbei an malerischen Schlössern, die größtenteils in Privatbesitz sind. In manchen kann man übernachten, wenn der Geldbeutel groß genug ist (Château de Belcayre), andere wie das Château de Losse öffnen ihre Pforten während der Saison für Tagesbesucher und vermitteln einen Eindruck davon, wie man vom Mittelalter bis ins Barock in diesen Gemäuern gelebt hat. 

Weltberühmte Höhlenmalerei von Lascaux
Weltberühmte Höhlenmalerei von Lascaux

Unser Ziel ist aber ein ganz anderes Highlight im „Tal der Menschheit“: der spektakuläre Nachbau der weltberühmten Grotte de Lascaux bei Montignac. Das langgestreckte, futuristische Gebäude wurde in unmittelbarer Nähe des Original-Höhleneingangs am Lascaux Hügel erbaut. Den entdeckten vier Jungen aus Montignac eher zufällig im September 1940. Sie staunten nicht schlecht, als sie mit einfachen Lampen die Wände rundum beleuchteten und unzählige farbige Tierdarstellungen sahen. Auch die Decke wies zahlreiche, im Flackern des Lichts unglaublich lebendig wirkende Tierbilder auf. Den Jungs war recht schnell klar, dass das hier etwas „Großes“ sein musste und sie informierten ihren Lehrer. Der wiederum machte alles richtig, indem er Fachleute hinzuzog, die letztlich feststellten, dass es sich hier um prähistorische Malereien handelte, die mehr als 20.000 Jahre alt sind. Die Scharen von Besuchern, die sich diese „Sixtinische Kapelle der Vorzeit“ anschauen wollten, schädigten mit ihrer Atemluft das Höhlenklima in der Folge aber so empfindlich, dass man die Höhle 20 Jahre später wieder schließen musste. Der Nachbau einer einzelnen Höhlengalerie in den 1980er Jahren (=Lascaux II), eine Wanderausstellung mit perfekten Kopien der Originalgemälde (=Lascaux III) und schließlich der komplette Nachbau der gesamten Höhle (=Lascaux IV) zieht inzwischen wieder jährlich zig-Tausende von Besuchern nach Montignac. Klar, dass man in der Hochsaison bzw. in Pandemiezeiten nicht einfach so hingehen, sich ein Ticket kaufen und hineinspazieren kann. Nur mit rechtzeitiger Anmeldung im Netz hat man die Chance auf eine Führung durch die sehr authentisch wirkende Fake-Höhle. Wir sind uns nach dem Besuch einig: trotz erheblicher Ticketkosten (22€/Person) hat sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt und ist eindeutig der Höhepunkt unserer Tour.

Markttag in Sarlat la Caneda
Markttag in Sarlat la Caneda

Wir schwingen uns wieder auf die Ledersättel und verlassen das Vézère Tal über die D704 in Richtung Süden. Die Straße ist sehr gut ausgebaut, streckenweise fast wie eine Nationalstraße. Da kann man es mal laufen lassen und trotzdem die Landschaft genießen. Die kleinen Dörfer liegen eher von der Straße zurückversetzt. So sind wir schnell in Sarlat-la-Canéda, das in einem Talkessel liegt und dessen Attraktivität sich uns aufgrund der vielen Industrieanlagen und Zersiedelung nicht auf den ersten Blick erschließt. Brav folgen wir der Beschilderung in Richtung Altstadt und finden nach einigem Herumgekurve tatsächlich noch ein Plätzchen am Rande der Fußgängerzone für unsere Estrellas. Das ist Glück, denn an Markttagen wie heute (Mittwochvormittag und Samstag ganztags) ist die 10.000 Einwohner zählende Kleinstadt regelrecht verstopft. Die Leute schieben sich durch die Rue de la République und über die verschiedenen kleinen Plätze, wo überall Marktbuden aufgebaut sind. Nicht nur Lebensmittel wie frisches Obst und Gemüse, Käse- und Wurstwaren, Geflügel und Fleisch kann man hier kaufen, sondern auch Dinge des Alltags wie Küchengeräte, Pfannen, Töpfe, Kurzwaren, Stoffe, Kleidung und Schuhe. Außerdem noch jede Menge Kunsthandwerkliches, an dem Touristen ihre Freude haben (sollen). Wir lassen uns treiben, genießen die lebendige Marktatmos­phäre und verweilen gerne an dem ein oder anderen Stand, einfach nur um die bunten Waren anzuschauen. 

Die gigantischen Flügeltüren der ehemaligen Kirche Sainte-Marie sind weit geöffnet, im Innenraum bieten sich den Gourmets wahre Schätze: sämtliche Spezialitäten, für die das Périgord berühmt ist, können hier gekauft und teilweise auch probiert werden. Allem voran natürlich die Produkte von Gans und Ente. Man kann sich gleich vor Ort kleine Häppchen zusammenstellen lassen und diese mit einem Glas Wein im kühlen Kirchengewölbe genießen. Nur ein paar Schritte entfernt, die Gasse hinauf, gelangen wir dann auf den „Place du Marchée aux Oies“, also auf den Geflügelmarktplatz und bewundern die lebensgroße Skulptur dreier Gänse in Bronze. Drumherum wunderschöne Hausfassaden: sämtliche Gebäude der Altstadt stammen aus dem Mittelalter oder der Renaissancezeit und sind sehr gepflegt, denn hier werden oft Historienfilme gedreht. Auch ein Filmfestival findet hier jährlich im November statt.

Das Périgord ist mehr als eine Reise wert!
Das Périgord ist mehr als eine Reise wert!

Bald haben wir genug von dem Trubel, zumal es uns nicht gelungen ist, in einem der zahlreichen Restaurants und Cafés einen freien Tisch zu ergattern. Also lassen wir die Sternchen wieder brummen und rollen weiter nach Südwesten, hinunter an den großen Fluss Dordogne. Die beeindruckende Burg von Beynac ist unser nächstes Ziel. Sie klebt majestätisch wie ein Adlerhorst hoch oben auf einem mächtigen Felsen 150 Meter über dem Fluss. Unterhalb davon ducken sich die mittelalterlichen Häuser der Gemeinde Beynac-et-Cazenac dicht aneinandergedrängt. Bevor wir durch die belebte Gasse zur Burg emporsteigen, müssen wir erst einmal unseren Durst löschen. Links vom großen Parkplatz, gegenüber des Camping Le Capeyrou, lassen wir uns an einem Tisch auf der Terrasse der „Brasserie Panorama“ nieder und genießen ein kühles Bier.

In der weitläufigen Burganlage dürfen wir, ausgerüstet mit einem Audio-Guide, alles auf eigene Faust erkunden. Gigantisch ist der Ausblick Richtung Süden: man schaut auf den Fluss und die Landschaft ringsum. In der Ferne sind die gewaltigen Mauern der Burg Castelnaud zu sehen. Beide Burgen, also Beynac und Castel­naud, standen sich im 100-jährigen Krieg feindlich gegenüber. Die Dordogne war der Grenzfluss zwischen dem französischen Teil im Norden mit der Burg Beynac und dem englischen Teil mit Castel­naud südlich davon. Heute sind beide Burgen in Privatbesitz und für Besucher anschaulich restauriert und eingerichtet. Es macht richtig Spaß, diese Zeitreise ins Mittelalter anzutreten. Über den Audio-Guide erfährt man in seiner Muttersprache allerhand über das Leben in den verschiedenen Epochen seit Erbauung der Burg im 12. Jahrhundert. Auch profane Dinge wie Lebensmittelversorgung und Küche werden ausführlich erklärt. 

Nach der Burgbesichtigung spazieren wir noch ein wenig auf dem Felsenpfad, ehe wir uns wieder die Helme aufstülpen und unsere Fahrt auf der D703 in Richtung Westen fortsetzen. Die Sonne steht schon tief, und der Betrieb auf dieser viel befahrenen Verkehrsachse entlang der Dordogne nimmt merklich zu. Es gibt zum Glück an Steigungen immer mal wieder eine dritte Spur, so dass man nicht ewig hinter stinkenden LKW ausharren muss.

Schnell sind wir daher wieder in Bergerac und können uns in unserer Stammkneipe, dem „Café Pourpre“ einen Apéro in Form eines Biers gönnen, ehe wir Minuten später wieder an unserem Zuhause auf Zeit eintreffen.


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