Titelbild-Enduro-Guru-Fuerteventura_26-07-2017_03d5c

Geführte Enduro-Touren auf Fuerteventura

aus Kradblatt 8/17
von Uli Schulz
Fotos: www.enduro-guru.com

Geführte Enduro-Touren auf Fuerteventura auf Yamaha WR 250 R

Wieder so eine richtig steile steinige Auffahrt, bei der man das Gefühl hat am Ende direkt ins Meer springen zu können. Die Piste knickt aber kurz vorm Ozean rechts ab und wir befahren stehend auf den Yamahas vom Typ WR 250 R den Singletrail nahe der Abbruchkante am Meer. Jetzt daran denken „Blickrichtung ist Fahrtrichtung“, also nicht aufs offene Meer sehen, sondern Augen auf die Streckenführung! Der Weg ist wechselnd steinig, sandig oder nackter Fels und führt jetzt weg vom Wasser in die ansteigenden Berge. Die WR zieht mich dicken Brocken erstaunlich mühelos die Steigungen rauf. Immerhin wiege ich mit voller Schutzausstattung gut 130 kg, genau wie die fahrfertige WR.

Wo es steil bergauf geht, muss man irgendwann auch wieder runter. Unser ortskundiger Guide Frank fährt die WRs jetzt schon seit 8 Jahren offroad und gibt uns im Umgang mit der Maschine einige Tipps.

Sein Empfehlung: vertraue der WR! Im 1. Gang ohne Einsatz der Bremse die lange steile Abfahrt herunter. Die Motorbremse kümmert sich um alles. Nicht nur bei mir, sondern auch bei meinen Mitfahrern klappt das auf Anhieb. Gegenüber unseren heimischen Enduros entwickelt man mit der WR sofort Vertrauen in den anspruchsvollen Passagen der Insel.

Die Insel ist Fuerteventura und meine Begleiter sind Olaf, Hannes und Marius. Wir sind beim „ENDURO-GURU“ auf Fuerteventura und haben uns eine Woche Auszeit mit vier ganzen Fahrtagen gegönnt. Dabei fahren wir auf seinen Leihmaschinen. Frank ist ein Hamburger-Junge und lebt seit 18 Jahren auf Fuerteventura.

Eine Woche vorher sind wir noch mit unseren XTs beim Adventscrossen durch den Tiefschlamm vom Uhlenköperring gerutscht. Jetzt können wir mit der WR beherzt Gas geben und mit leicht driftendem Hinterrad um die Ecken fahren. Herrlich!

Im Gegensatz zu den anderen kanarischen Inseln ist die Bevölkerungsdichte auf Fuerteventura relativ gering. So ist es hier beim Offroadfahren entspannt.

Die von uns gefahrenen WRs sind aus dem Jahrgang 2016. Leichte Modifikationen machen sie zur perfekten Inselenduro. So sind Lenkererhöhungen, Handschützer, ein massiver Motorschutz und Crossreifen der Marke MAXXIS verbaut. Alles andere ist original und hält. Selbst das gewöhnungsbedürftige Heck und die Blinker verkraften Umfaller und Steinkontakt.

Frank hat seine älteren Modelle (5 Stück aus 2008) ohne Probleme bis zu 50.000 km bewegen lassen und das bei ständig anderen Fahrern im Gelände. Der Motor macht das klaglos mit. Keine Ausfälle.

Der Motor leistet 31 PS, was für den größten Teil der Offroadfahrer absolut ausreichend sein dürfte. Für mich als Yamaha XT 500 und Honda CRF 250 L Fahrer sowieso. Die WR ist leichter und handlicher und passt mir vom ersten Augenblick an. Gute Yamaha-Verarbeitungsqualität und vor allem die langen Wartungsintervalle (10.000 km) gegenüber den Sportenduros. Die Bremsen packen sehr gut zu. Einzig der hohe Anschaffungspreis hat mich vor Jahren abgeschreckt. Jetzt muss ich zugeben, dass sie ihr Geld wert ist!

Olaf, sonst auf einer KTM 625 SXC, im Gelände unterwegs, empfindet das Fahren auf der WR 250 R als wesentlich entspannter. Bei der KTM wird viel Power in ein durchdrehendes Hinterrad verwandelt. Das überrascht dann manchmal, nicht nur an Steigungen und powert einen schneller aus. Außerdem wird man im Alter etwas vernünftiger und kann unter Sicherheitsaspekten mit der WR deutlich ruhiger unterwegs sein. Wir fahren schließlich keine Rennen sondern wollen nur genussvoll abseits der Straßen unterwegs sein.

Der wassergekühlte Einzylinder möchte und muss auch „gedreht“ werden. Erst dann macht er Spaß und man riskiert u.a. bei Bergauffahrten im niedrigen Drehzahlbereich keinen plötzlichen Stillstand.

Auch wieder so ein Punkt, der bei der WR besonders Hannes gefällt: Gegenüber dem Kickstarter seiner alten XT 600 erledigt der E-Starter mit der Einspritzung den Start ruckzuck. Das hilft in so manch brenzliger Situation. Und man macht auch gerne mal eine Pause, weil man weiß, dass die WR immer zuverlässig anspringt.

Das Fahrwerk schluckt wirklich fast alles. Lange Sprünge habe ich nicht getestet, aber die kurzen Hüpfer klappten bei entsprechend eingestellter Druckstufe sehr gut. Das Fahrwerk ist einstellbar. Die Wunscheinstellung kann man sich vor Ort auch anpassen lassen.

Der Vorteil beim ENDURO-GURU ist das Gesamtpaket, denn im Tages- oder Halbtagespreis sind enthalten: komplette Schutzausstattung (Helm, Crossstiefel, Protektoren, Hemd, Hose und Handschuhe), Motorrad mit Benzin und Versicherung (mit SB), Snacks + Getränke sowie der Shuttle Service vom/zum Hotel.

Frank bietet seine Touren in drei Stufen an. Im Laufe der Fahrtage wagten wir uns immer weiter an die fahrerischen Herausforderungen. Enge, steinige, ausgetrocknete Flussbetten im Gebirge, Stufen hoch und runter, tiefsandige Pisten … und das alles ohne Wettbewerbscharakter mit viel Spaß und viel „Kompott fürs Auge“.

Die WR hat alles klaglos mitgemacht und hat uns alle begeistert. Und das auch auf den Asphaltstraßen die wir hin und wieder benutzten um in einen anderen Teil der Insel zu kommen. Enge Serpentinen werden selbst mit den Crossreifen zum Genuss. Die Geometrie stimmt.

Bei einer der vielen Pausen, diesmal im Schatten vor einer kleinen Bar, äußert sich auch Marius. Vor zwei Jahren hat er sich eine neue Kawasaki KLX 250 gekauft und war seitdem mit dieser auch offroad unterwegs. Mit der WR ist er total zufrieden. Auf Anhieb super Handling, etwas mehr spürbare Leistung als die KLX und er hätte nicht gedacht, dass das Überfahren von Steinen mit der WR so einfach geht. Marius ist etwas kürzer als wir und hat deshalb eine WR genommen, bei der die Gabelholme etwas durchgeschoben und die Vorspannung hinten zurückgenommen war. So war seine Sitzhöhe etwas geringer und er kam gut mit den Füßen an den Boden. Die WR ist variabel anpassbar.

Jeden Tag haben wir uns vorgenommen Fotos zu machen. Was wir dann aber, erst mal in Fahrt, wieder vergessen haben. Gut, dass Frank immer eine Kamera mit hat und sich unterwegs unerwartet postiert.

Geeignet sind seine Touren nicht nur für Gruppen, sondern auch für Einzelfahrer die sich einer Gruppe anschließen möchten. Alles kann, nichts muss. Infos zum Tourguide findet man online unter: www.enduro-guru.com

Übrigens, es wird schwer eine gute gebrauchte Yamaha WR 250 R zu finden. Die sind sehr gesucht. Eine haben wir schon gekauft. Neu gibt es sie in 2017 wegen der Euro 4 Norm nicht mehr. Schade! Yamaha, denkt mal drüber nach …


Kommentare

Kommentar hinzufügen

* Pflichtfelder

Keine Kommentare zu :
“Geführte Enduro-Touren auf Fuerteventura”