Ozeanriesen auf der Kieler Foerde

Förde-Tour in Schleswig-Holstein

aus Kradblatt 7/16
Text + Fotos: Walburga Göttsche
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Die Förde-Tour der Kradfreunde Gammellund

Von Schleswig an der Schlei, durchs Schleswig Holsteinische Binnenland und Halbinsel Dänischer Wohld, an die Kieler Förde, den NOK und zurück. (Rundtour, ca. 200 km)

Bismarckdenkmal auf dem Aschberg AscheffelFür die Förde-Tour der Kradfreunde Gammellund war ich diesmal mit Planung und Durchführung an der Reihe.
Wie immer treffen wir uns morgens um 9 Uhr auf dem Parkplatz von Harrys Gasthof in Gammellund. Trotz des dichten Nebels sind 23 Kradfreunde auf 19 Motorrädern gekommen. Nachdem die üblichen Ansagen über das Fahrverhalten in der Gruppe erfolgt, kann die Ausfahrt beginnen.

Ein kurzes Stück auf der B76 bei dichtem Nebel entlang der Schlei wurde als erstes zurückgelegt, bevor dann die kleinen Dörfer Busdorf, Selk und Brekendorf unter die Räder genommen werden. In anspruchsvollen Kurven führt uns der Weg durch die Hüttner Berge auf den Aschberg, mit seinen 98 Metern Höhe und dem Bismarckdenkmal, bis kurz hinter Ascheffel.

Bei Damendorf fahren wir in die östliche Hügellandschaft Schleswig Holsteins. Leider liegt noch immer der Nebel über uns und will sich nur langsam lichten. Aber davon lassen wir uns nicht abhalten; passen wir die Geschwindigkeit halt dem Wetter an und setzen die Fahrt in gemächlichem Tempo, Richtung Wittensee fort. Ab und zu erblicken wir in dieser idyllischen Landschaft über die weiten Felder und Hügel, Teilstücke des Wittensees. Im gleichnamigen Ort gibt es übrigens die bestens erhaltene, alte Windmühle „Augusta“ zu bewundern, wir aber zweigen ab nach Haby.

Huegelland bei AschbergDurch eine kleine, mit Bäumen gesäumte, kurvige Straße fahren wir entlang dem Wittensee durch die von Äckern und bunten Knicks geprägte Landschaft mit ihren sanften Hügeln und Kuppen. Noch ein paar Kurven durch ein kleines Wäldchen, dann führt uns der Weg über Marienthal nach Eckernförde. Eine kleine Anhöhe hinauf schlängeln wir uns durch weitere Kurven bis kurz hinter Lehmsiek. Der Nebel verflüchtigt sich immer mehr, so dass wir von hier, den Blick leicht nach rechts über die Felder gewandt, bereits das Wasser erblicken.

Dann erreichen wir auch schon die malerische Hafenstadt Eckernförde mit den verwinkelten kleinen Gassen, die sich fast ganz an der Eckernförder Bucht entlang zieht. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall. Die Bucht zu unserer linken Seite mit Blick auf das Wasser geht es weiter bis kurz hinter dem Ortsausgang Richtung Kiel, auf den großen Parkplatz. Hier gönnen wir den Rauchern eine kleine Zigarettenpause und dem einen oder anderen die Möglichkeit, sich die Beine zu vertreten bevor die Tour weiter fortgesetzt wird.

Auf der gut ausgebauten „Bäderstraße“ fahren wir flott an den Dörfern Schnellmark und Lindhöft vorbei bis nach Noer, auf der Halbinsel „Dänischer Wohld“. Hier verlassen wir die Bäderstraße kurz und machen einen kleinen Schlenker über die ländliche Gemeinde Osdorf mit den kleinen Dörfern Stubbendorf Heisch und Birkenmoor. Ein schmales Asphaltband schlängelt sich an sattem Grün, durch die weitläufigen Ländereien mit ihren ausgedehnten Buchenwäldern. Durch unzählige Kurven werden die Reifenflanken massiert. Ein paarmal bergauf, dann bergab am Wasserwerk vorbei verläuft unsere Fahrt in Richtung Krusendorf, und vor uns eröffnet sich wieder der Ausblick auf die Ostsee.

Eckernfoerde SportboothafenNun wieder auf die Bäderstraße und gleich an der nächsten Abfahrt wieder runter, besser gesagt „rauf auf die Überführung“, Richtung Surendorf aufs „Schwedeneck“, immer dem Straßenverlauf folgend.
Der Ausblick zu unserer Linken auf die Ostsee, wird nun viel freier. Am „Schwedeneck“ stoßen Kieler Förde und Eckernförder Bucht zusammen. Immer öfter schimmert das Blau des Wassers durch Bäume und Sträucher. Masten und Schornsteine vorbeifahrender Schiffe sind jetzt vermehrt zu sehen.

Der Nebel hat sich bereits ganz aufgelöst und die Sonne dringt weiter durch. Die gut zu fahrende Strecke über das Schwedeneck geleitet uns durch die baumbewaldete schöne Landschaft über geschwungene Wege auf eine Anhöhe, immer der Küstenlinie folgend, durch Dänisch Nienhof und Stohl bis hin nach Strande.

Inzwischen erfreuen wir uns an der freien Sicht auf die Kieler Förde zu unserer Linken, mit den hohen, zum Himmel ragenden Masten der vielen Boote. Im Kreisel nehmen wir die dritte Ausfahrt und fahren gemütlich durch die 30er-Zone bis ans Wasser. Den kleinen Imbiss mit dem angrenzenden Parkplatz beachten wir nicht und fahren im Schritttempo weiter, die Ostsee nun direkt zur Rechten, bis hin zum Alten Bülker Leuchtturm.

Inzwischen ist es später Vormittag. Hier am Leuchtturm-Pavillon ist erst mal Pause angesagt. Es besteht die Möglichkeit, den Alten Leuchtturm zu besteigen. 96 Stufen wendeln sich bis nach oben … dafür wird man mit einer tollen Rundum-Aussicht belohnt, die weit über die Kieler Förde bis zur anderen Seite hinüber reicht. Ozeanriesen die den Nord-Ostsee-Kanal passieren, wie auch die vielen kleinen und großen Segelboote, die sich auf der Kieler Förde tummeln, sind von oben zu bestaunen. Bei guter Sicht sieht man sogar bis zu den Dänischen Inseln. Wer möchte geht zu Fuß ein Stück an der Steilküste, die gleich hinter dem Leuchtturm verläuft, oder relaxt ein wenig in den Sonnenstrahlen bei einem gemütlichen Becher Kaffee, direkt am Wasser.

Leuchtturm Buelk Kaffeepause VormittagNach einer ausgiebigen Pause und mit Kaffee gestärkt fahren wir vom Leuchtturm zurück über Dänischenhagen. Am Golfclub Gut Uhlenhorst vorbei geht es weiter bis nach Felm. Mitten im Ort zweigen wir links ab auf die kurvenreiche Strecke nach Felmerholz und die Bikes rollen weiter durch die grüne und weitläufige Landschaft bis zum Brückenkopf der Alten Levensauer Hochbrücke. Über diese queren wir den Nord-Ostsee-Kanal, der mit der Kieler Förde, der Eckernförder Bucht und der Levensau die Grenzen der Halbinsel Dänischen Wohld bildet. Ganz in der Nähe (Altenholz) befinden sich auch die restaurierten Schleusenanlagen der Rathmannsdorfer Schleuse am alten Eiderkanal, der früher, vor dem Bau des Nord-Ostsee-Kanals, die Nordsee bei Tönning mit der Ostsee bei Holtenau, verband. Diese sind auf jeden Fall einen Besuch wert.

Blick vom Leuchtturm Buelk Kieler FoerdeAuf der anderen Seite biegen wir gleich unten ab und fahren durch den Kreisel wieder zurück über die alte Bogen-Brücke die gleich in doppelter Hinsicht etwas Besonderes ist. Sie ist nicht nur das letzte noch erhaltene Brückenbauwerk von 1893/94 der ersten Kanalbauphase, sondern beherbergt in den Wintermonaten auch noch die größte Winterschlafgemeinschaft an Fledermäusen in ganz Mitteleuropa.

Oben kommt uns ein vorbeifahrender Zug entgegen, und wir genießen noch einmal die tollen Ausblicke auf den Nord-Ostsee-Kanal unter uns, und bewegen uns (langsam macht sich nun auch der Hunger bemerkbar), über Blickstedt und einen Tankstopp in Gettorf auf kleinen Nebenstraßen wieder Richtung Eckernförde. In Altenhof kehren wir in den Historischen Gasthof „Grüner Jäger“ ein, wo wir zu Mittag essen. Über ausreichende Parkmöglichkeiten können wir uns nicht beklagen. Auch das Essen ist vortrefflich und die Versorgung geht zügig voran. Von deftiger Hausmannskost bis hin zu den ländlich regionalen Gerichten findet hier jeder etwas zum Speisen.

Ozeanriesen auf der Kieler FoerdeInzwischen ist es 14 Uhr. Gut gestärkt und voll motiviert, machen wir uns auf. Für unseren Rückweg wählen wir zuerst schmale und kurvige Straßen inmitten der herrlichen Natur. Dort, wo die B76 die Eckernförder Bucht berührt, am Orts­eingang von Eckernförde bei Altenhof, biegen wir links in das Gebiet der ehemals adeligen Gutshöfe in die hügelige Acker- und Weidelandschaft mit seinem alten Baumbestand ein. Am Hochseilgarten vorbei schlängelt sich die Straße bis zum Golfplatz Gut Altenhof. Kurve auf Kurve folgt bis Hohenlieth/Harfe, dann schwingt die verträumte Straße in der reizvollen Landschaft bis nach Holtsee, wo heute noch der berühmte „Holtseer Käse“ hergestellt wird. Ein Besuch der Meierei/Käserei ist lohnenswert.

Ein Stück Landstraße folgt parallel zum Nord-Ostsee-Kanal. In weit geschwungenen Kurven cruisen wir Richtung Rendsburg. Links von uns fährt ein Schiff auf der nah gelegenen Wasserstraße, so als gleite es durch die Wiesen und Felder. Am Gut Schirnau vorbei, den Wittensee danach zu unserer Rechten, und schon gelangen wir über Holzbunge zum Bistensee. Von hier aus ist es nicht mehr weit und es darf nochmal munter am Gasgriff gedreht werden.

Ende der TourEntlang der von Hecken und Wällen durchzogenen Felder fahren wir flott bis nach Owschlag. Dann fädeln wir uns auf die B77 ein und rollen über Kropp und Jagel nach Schleswig, welches am Nachmittag in vollem Sonnenlicht erstrahlt. Rechts neben uns ragt der achteckige Wickingturm stolz aus dem Wasser der Schlei, Boote liegen im kleinen Hafen daneben. Durch ihre Masten werfen wir noch schnell einen Blick auf den Dom, der ein kurzes Stück weiter hinten zu sehen ist. Dann haben wir auch schon das mächtige Schloss Gottorf neben uns, mit seinem Schlossteich inmitten des kleinen Wäldchens davor. Ein paar Kilometer weiter biegen wir ab nach Gammellund, wo die Tour am frühen Morgen bei dichtem Nebel begann.

Hier erwartet uns auch schon die reich gedeckte Kaffeetafel bei herrlichem Sonnenschein, an der wir unsere Tour bei Kaffee und Kuchen mit ausgiebigen Benzingesprächen und einem kühlen Bier langsam ausklingen lassen.


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