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F.B Mondial HPS 300i ABS, Modell 2020

aus Kradblatt 4/21 von Jens Riedel

Schickes Schnäppchen …

Die F.B Mondial HPS 300i ABS passt super für kleinere Menschen
Die F.B Mondial HPS 300i ABS passt super für kleinere Menschen

Mit der HPS 125 hat F.B Mondial vor ein paar Jahren ein Leichtkraftrad mit guter Motorleistung und individueller Optik auf den Markt gebracht, das die Erwartungen an die damals schon angekündigte 300er hochgeschraubt hat. Von vornherein war klar, dass die H(i)PS(ter) dabei lediglich einen größeren Motor bekommen würde, ansonsten aber alles wie gehabt bleiben würde. Und klar war auch: Es werden nicht allzu viele PS sein.

F.B Mondial HPS 300i ABS 27 PS waren einst eine magische Grenze für Einsteiger – und haben sie dennoch um die halbe Welt getragen. Dass auch heutzutage 24 oder 25 Pferdestärken kein Manko sein müssen, haben beispielsweise die Honda CRF 250 L oder die Royal Enfield Himalayan bewiesen, die ihre Freunde gefunden haben und immer noch finden. Nun gut, eine Enduro und ein hipper Café Racer sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Und die Mondial lässt zu 24 PS sogar noch ein Pferdchen mehr im Stall stehen. 

23 PS für eine 300er? Skepsis ist angesagt, löst sich dann aber ein wenig in Wohlgefallen auf, denn die Mondial ist ein kleiner Hubraumblender. Statt der suggerierten 0,3 Liter sind es tatsächlich nur 250 Kubikzentimeter. Doch da die Viertel-Liter-Klasse sich ja inzwischen weitestgehend zum 300er-Segment weiterentwickelt hat, wollen sich die Macher hinter der italienisch-chinesischen Marke hier wohl ein Stückchen vom Kuchen abschneiden. Dass man es mit der Typenbezeichnung auch anderswo nicht immer so ganz genau nimmt, mag zwar eine Entschuldigung sein. Mehr Ehrlichkeit beim Zahlenspiel wäre dennoch wünschenswert gewesen, denn so weckt die F.B Mondial Erwartungen an eine 300er, erfüllt aber letztendlich nur die Leistungsansprüche an eine 250er. Bei größeren und PS-stärkeren Maschinen fallen die Klassenunterschiede eben nicht ganz so stark ins Gewicht.

Für große Menschen wird es auf der F.B Mondial HPS 300i ABS etwas eng
Für große Menschen wird es auf der F.B Mondial HPS 300i ABS etwas eng

Die HPS 300i gleicht ihrer kleinen Schwester bis aufs Haar (Fahrbericht HPS 125i siehe im Archiv unter www.kradblatt.de). Das ist kein Manko, denn das schicke Design aus Italien ist einfach top. Der Mondial-Erstling ist eine schön anzuschauende Mischung aus Café Racer und Scrambler. Ins Auge stechen vor allem die beiden kurz geschnittenen, verchromten und hochgelegten Doppelendrohre, die noch von zwei ebenso klassisch gestylten Hitzeblechen umschmeichelt werden. Der sich leicht nach hinten biegende breite Bananenlenker stellt ebenfalls einen Stilmix aus Kaffeerenner und Kletterkünstlerin dar. Dazu gesellen sich ein Motorspoiler und eine (vermeintliche) Höckersitzbank sowie verchromte Lenkerendenspiegel und ein kupiertes Heck mit modisch an der Schwinge montiertem Kennzeichenträger. 

F.B Mondial HPS 300i ABSAller tollen Optik zum Trotz bleibt die F.B Mondial HPS 300i aber ein bodenständiges Bike, das es weder auf die 1/4-Meile noch in die Kiesgrube zieht. Und dort will sie auch gar nicht hin. Sie ist ein leicht zu handelndes Brot-und-Butter-Motorrad, das als Pendlerfahrzeug ebenso geeignet ist wie als „Beiboot“ für den Wohnmobilisten. 

Wir wissen, Spaß am Motorrad fahren ist keine Frage von Leistung, sondern ein emotionales Gesamterlebnis. Und wir alle wissen auch, dass die offiziell erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen – dem bevorzugten Zweiradrevier – 100 km/h beträgt (nicht jeder hingegen, dass für Lkw dort Tempo 60 als Limit gilt). So kommt dann auch auf dieser 250er eine gehörige Portion Fahrfreude auf, wenn man die Mondial erst mal zu nehmen weiß und den sechsten Gang weitestgehend links liegen lässt. 

Spartanisches Cockpit der F.B Mondial HPS 300i ABS
Spartanisches Cockpit der F.B Mondial HPS 300i ABS

Für den flotten Landstraßenritt sind die beiden Gänge darunter die bessere Wahl. Wer den vierten Gang beim Überholen auch schon einmal bis 120 km/h ausdreht, der erlebt auch mit 23 PS echtes Motorradfeeling. Ab 4.000 Touren liegt ausreichend Drehmoment an, dessen Maximum bei klassenüblichen 22,5 Newtonmetern liegt. Munter wird das kleine, von Piaggio stammende Triebwerk aber erst ab etwa 6.500 Umdrehungen. Ruhigen Gewissens darf es dann bis knapp in den fünfstelligen Bereich gehen, ohne dass sich der Eintopf gequält anfühlt. 

Das spielerische Handling der kleinen und fahrfertig 149 Kilogramm leichten Maschine verleitet zu ordentlichen Schräglagen, denen auch die grobstolligen Reifen aus chinesischer Produktion durchaus nicht abgeneigt sind. Dazu mischt sich ein für diese Hubraumklasse recht vollmundiger Klang, der sich deutlich erwachsener anhört als beispielsweise bei einer BMW G 310 R. Und wenn dann im Schiebebetrieb noch die eine oder andere Fehlzündung aus dem Doppelauspuff knallt, stellt sich hoher Zweiradgenuss auch mit wenig Leistung und Hubraum ein. 

Classic Racer Variante der F.B Mondial HPS 300i ABS
Classic Racer Variante der F.B Mondial HPS 300i ABS

Überraschend für mich: Normalerweise sitze ich lieber „in“ als „auf“ einer Maschine, bei der HPS stört mich Letzeres erstaunlicherweise gar nicht. 

Apropos sitzen: Den Soziusfußrasten zum Trotz, die kleine Italienerin ist ausschließlich ein Fall für Solofahrer. Die schmucke Sitzbank mit dem integrierten Sporthöcker kann man einem Sozius oder einer Sozia absolut nicht zumuten. Nicht nur mangels „Brötchen“-Charakteristik, sondern wegen echter Abrutschgefahr.

Noch einmal: 23 PS und 250 Kubikzentimeter Hubraum locken normalerweise kaum einen angehenden Motorradfahrer aus der Garage. Doch neben der schicken Schale hat die HPS 300i noch einen ganz besonderen Kern. Und das ist ihr Preis. Lediglich 4.390 Euro (plus Nebenkosten) werden für die Neumaschine fällig. Da kann der eine oder andere dann vielleicht doch schwach werden, um sich sein erstes eigenes Motorrad neu zu kaufen – oder eine Zweit- oder Drittmaschine zuzulegen. Der Importeur erleichtert die Entscheidung mit einem gleich auf der Webseite hinterlegtem Kreditrechner.

Als Alternative steht Interessenten da nun seit Kurzem auch die Sport Classic zur Verfügung, die für 300 Euro Aufpreis aus dem Café-Racer-Scrambler-Verschnitt eine vollverkleidete „Rennmaschine“ macht. Sie ist eine Reminiszenz an Nello Pagani, der 1949 mit Mondial erster 125er-Motorrad-Weltmeister wurde. 

Alle Infos zu den Motorrädern von Mondial gibt es bei den F.B Mondial Vertragshändlern. Die 125er Version darf übrigens auch von Autofahrern mit der Erweiterung B196 gefahren werden. Ein klasse Einstieg, der bei so manchen dann den Wunsch nach einem „großen“ Schein weckt.


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