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Erfahrungsbericht: Gespann-Training beim ADAC in Hannover

aus Kradblatt 06/22 von Robert Waldow

Übung macht den Meister

Trockenübungen vor der Praxis
Trockenübungen vor der Praxis

Gleich bei mehreren Fahrsicherheitszentren des ADAC im Norden gab es in diesem Frühjahr, dank entsprechender Nachfrage, ein Fahrsicherheitstraining für Gespannfahrer – eine gute Vorbereitung auf geplante Touren und allemal eine gute Investition in die eigene Sicherheit. 

Der geschützte Bereich einer Übungs- und Trainingsstrecke bietet sowohl Neu- oder Wiedereinsteigern als auch den „Alten Hasen“ beste Gelegenheit, das eigene Fahrverhalten zu überprüfen sowie besondere Gefahrensituationen zu trainieren. Als Instruktoren stehen erfahrene Gespannfahrer zu Verfügung, die sowohl die theoretischen Grundlagen als auch die praktischen Aspekte, didaktisch aufbereitet, an die Kursteilnehmer vermitteln.

Das Wetter an den Trainingswochenenden war traumhaft. Angenehme Temperaturen und Sonne pur. Anberaumt war der Trainingstag von 8:45 bis 17 Uhr. Je nach Anfahrt bedeutet das also, früh aufstehen oder eine Übernachtung in der Nähe einplanen. Die morgendliche Anreise ist begleitet von vielen Gedanken, was einen wohl alles erwarten wird und welche Anforderungen zu bewältigen sind.

Fachsimpelei auf dem Parkplatz
Fachsimpelei auf dem Parkplatz

Spätestens bei der Ankunft auf dem Parkplatz des Trainingsgeländes und dem Eintreffen von weiteren Gespannfahrern macht sich spontan das Gefühl eines kleinen Treffens mit Gleichgesinnten breit. Schnell ist man im Gespräch und nach dem ersten Austausch von persönlichen Belangen, stehen natürlich auch schnell die Gespanne im Mittelpunkt.

So unterschiedlich wie die Charaktere der Teilnehmer, sind auch die Ausführungen der Gespanne. Eine bunte Mischung von einem kleinen 250er Honda/Velorex bis zu einer Kawasaki VN 1600/Walter Maxi. Dazwischen Moto Guzzis und ein Honda CX 500/EML-Squire Gespann.

Auf dem Parkplatz war man so in Gespräche und Technik vertieft, dass der Trainer die Gruppe zum pünktlichen Beginn auffordern musste. Nach administrativen Notwendigkeiten, Erläuterung des Tagesablaufes, einer kurzen Vorstellungsrunde und Grundlagen zum Gespannfahren im allgemeinen, ging es zum technischen Sicherheitscheck zu den Gespannen. Gemeinsam wurden gespanntypische Eigenheiten besprochen, bis es das schon ersehnte Kommando zum Aufsitzen gab. Wie eine Entenfamilie mit dem Instruktor vorweg, ging es zum Warmfahren auf die Trainingsstrecke und die ersten Runden wurden gemeinsam absolviert.

Slalomfahrern mit unterschiedlichen Abständen der Pylone gehörte ebenso dazu wie Ausweichmanöver. Zwischendrin immer wieder Besprechung und Korrekturen durch den Trainer.

Unser Trainer legte besonderen Wert auf das Bremsverhalten der einzelnen Gespanne. Ausgiebig wurde der Bremsvorgang nur mit Fußbremse, nur mit Handbremse und natürlich auch mit beiden, bis zum Erreichen der maximal möglichen Verzögerung geübt. Die Ausgangsgeschwindigkeiten steigerten sich von Vollbremsungen aus 30 bis 70 km/h.

Gemütlich: Honda 250 Rebel mit Velorex-Beiwagen
Gemütlich: Honda 250 Rebel mit Velorex-Beiwagen

Die anschließende Mittagspause mit gemeinsamem Buffet brachte eine willkommene Entspannungsphase und wieder eine nette Gelegenheit sich auszutauschen.

In den Bremssituation war besonders der Gespannumbau von Walter-Motorrad Gespanntechnik mit kurzen Bremswegen und Spurtreue positiv aufgefallen. Nicht nur, dass dieses Gespann gute und sichere Fahreigenschaften aufweist, ebenso schilderte der Besitzer seine absolute Zufriedenheit mit der Fa. Walter Motorrad Gespanntechnik. Neben einer soliden Handwerksarbeit wurde besonders die Termintreue betont. Seine Solomaschine wurde abgeholt und wie besprochen und vereinbart nach 8 Wochen das fertige Gespann vor die Tür gestellt. Wer die ein oder andere Geschichte zu Gespannumbauten aus der Szene kennt, weiß diesen Punkt mit Respekt zu werten.

So kurzweilig wie der Vormittag mit dem intensiven Training, verlief auch die Mittagspause mit intensiven Gesprächen und schon hieß es wieder aufsitzen und ab auf die Piste.

Das Augenmerk lag nun auf sauberer und vor allem sicherer Kurvenfahrt und dem „Erspüren“ der Fahrdynamik mit seinen Fliehkräften in Kreisbahnen und mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Während die Gespanne mit einem Passagier im Boot gelassen die Strecke passierten, hieß es bei den Solofahrer/in die Leichtigkeit des Beiwagens im Auge zu behalten.

Sehr gut und relativ schnell entwickelten alle das Gefühl dafür, was mit dem Gespann in Kurven fahrtechnisch möglich ist. 

Nachdem der Trainer die gewonnene Sicherheit der Teilnehmer akzeptierte kam die nächste Herausforderung im Steigungsmodul. Mit der einer langen 180 Grad Kurve im flachen Bereich besitzt der Parcours im oberen Bereich eine doch ziemlich enge Spitzkehre, die eine rechtzeitige Geschwindigkeitsanpassung erforderlich macht. Die besondere Herausforderung stellte der Trainer mit der Aufgabe von Bremsmanövern im Kurvenbereich. Es erfordert anfänglich schon etwas Überwindung auf ein simuliertes Hindernis im Kurvenbereich zu reagieren und einen Bremsvorgang einzuleiten, aber es bewahrheitet sich die alte Weisheit: „Übung macht den Meister“.

Bremsübungen auf dem "Gleitmodul"
Bremsübungen auf dem „Gleitmodul“

Wer nun dachte, es könnte nichts Anspruchsvolleres mehr kommen, wurde eines besseren belehrt. Einen ganz gemeinen Pfeil hatte der In­struk­tor noch im Köcher. Es ging zum s. g. Gleitmodul, einer Übungsfläche, die unter Zugabe von Wasser Eigenschaften wie Glatteis aufweist.

Nach einer Einweisung mit Hinweisen auf mögliche Gefahren ging es an ein vorsichtiges Herantasten. Interessant gestalteten sich die Bremsversuche nur mit Vorderrad oder nur mit Hinterradbremse. Eine tolle Erfahrung, wie sich das Gespann bei Aquaplaning, Glatteis oder einfach nur beim Befahren von Nassen Fahrbahnmarkierungen verhält.

Zum Ende des Tagesprogramms gab es dann noch einige lockere Ausfahrrunden in einem Kurvenparcours und man konnte es bei sich selber, aber auch bei den anderen Teilnehmer/innen bemerken, wie sich die Souveränität und Fahrsicherheit im Vergleich zum Tagesanfang deutlich verbessert hatten. Der Instruktor kann sicherlich mit seinem Beitrag zur gesteigerten Fahrsicherheit dieser gespannfahrenden Gruppe zufrieden sein.

Als Fazit kann man sagen, ein toller Tag mit jeder Menge Gespann-Fahrspaß, Aha-Momenten, wertvollen Erfahrungen, guter Laune und netten Gesprächen. Wenngleich die physische und mentale Anspannung des Trainings am Trainingsende deutlich zu spüren war. Als kleine Entspannung gab es noch bei der Verabschiedung untereinander auf dem Parkplatz den ein oder anderen Kaffee. Adressen und letzte Information wurden ausgetauscht sowie Verabredungen getroffen.

Die Gespannszene ist ja doch überschaubar, aber das ein oder andere kleine Treffen gibt es immer, wo man dann die üblichen Verdächtigen wiedertrifft und über Gott, die Welt und das Gespannfahren philosophieren kann. So freut sich z. B. Claudia, die CX500/Squire Fahrerin, schon auf ein Wiedersehen beim „Güllepumpen-Treffen“ in Vechta. Bis dahin wird allen Teilnehmern eine gute und sichere Dreirad-Saison gewünscht.

Spezielle Trainings für Gespannfahrende bieten neben dem ADAC u.a. auch Pro Side-Car, der BVDM e.V. und der BVHK e.V. an. Infos gibt es auf den entsprechenden Webseiten.


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