Endlich der Motorrad-Führerschein, mit 56 Jahren (w)

Endlich der Motorrad-Führerschein, mit 56 Jahren (w)

aus Kradblatt 12/18, von Irene H.

Ein langer Weg zum eigenen Motorrad!

Irenes Honda CB 250 N

Da steht sie, meine Honda CB 250 N. Laut Internet ein unspektakuläres Motorrad, für mich, mein erstes Motorrad. Ich habe da noch nicht mal einen Führerschein.

Ich war jahrelang nur Sozia, weil meine ersten, recht halbherzigen Versuche in den 80ern ziemlich erfolglos waren. Mit einer CB 250 N, die meinem ersten Freund gehörte. 

Also habe ich in den 80ern, 90ern und auch im neuen Jahrtausend jede Gelegenheit ergriffen, einfach nur mitzufahren. Hat immer Spaß gemacht und auch gereicht.

Seit drei Jahren allerdings habe ich einen festen Freund mit einem Motorrad, eine 1800er Suzuki Intruder. Sieht schön aus, wird aber nach spätestens einer Stunde hinten drauf echt unbequem.

In den 1980er Jahren - Honda CB 250 N Bei den letzten zwei Motorrad-Messen in Hamburg (HMT) habe ich immer mehr nach einem Motorrad für mich geguckt. Auch ohne Führerschein. Aber irgendwie ist nix dabei, was ich leiden mag. 

Bei verschiedenen Motorrad-Treffen und Mogos, wo man ja sehr viele verschiedene Motorräder zu sehen bekommt, stelle ich immer wieder fest: mein Geschmack ist, was Motorräder anbelangt, in den 80ern hängengeblieben.

Also durchforste ich das Internet nach Honda CB. Und werde fündig! Anfang Juli 2017 telefoniere ich gerade mit meinem Freund und gucke so nebenbei mal bei Mobile.de und siehe da: eine CB. Für sage und schreibe 499 Euro. TÜV für zwei Jahre, Flüssigkeiten und so, alles neu. Und Glück gehabt, sie war noch zu haben! 

In der Woche hatte ich Frühschicht, mit dem Verkäufer gesprochen und vereinbart, dass wir nach der Arbeit zu ihm fahren. Bad Zwischenahn ist nicht um die Ecke, aber auch nicht elend weit weg. Mein Freund Michael ist gleich nach der Arbeit zu mir gefahren, hatte Helm und Motorradjacke für eine Probefahrt eingepackt und dann sind wir los. Beim Verkäufer angekommen hat er eine Runde mit ihr gedreht und ich habe mich mit dem Verkäufer unterhalten.

Langer Rede, kurzer Sinn, ich habe sie gekauft. Da ich die Preise für eine gut erhaltende gebrauchte CB ja kannte, waren die 499 Euro nicht zu viel. 

Michael hatte sich lieberweise bereit erklärt, das Motorrad zu mir zu fahren. Das waren mal eben knapp 200 km … 

Geschafft - Irene hat den Motorrad-Führerschein Ohne richtige Kleidung auf einem alten Motorrad, welches mal gerade 100 km/h schafft, nachts im Juli, der nicht so schön war, wie der in diesem Jahr … 

Auf jeden Fall habe ich nach ungefähr der Hälfte der Strecke Halt gemacht, weil ich auch mal aus dem Auto musste. Als Michael abstieg, sah ich schon, dass er erbärmlich fror. Gott sei Dank hatte ich eine Fleecejacke im Auto, die mir zu groß ist, so dass Michael für den Rest der Fahrt zumindest etwas Warmes drunter hatte. Er sagte hinterher, dass ihm der Elbtunnel noch nie so warm vorgekommen ist und dass der bis zu mir nach Hause hätte gehen können. Aber vom Elbtunnel aus zu mir waren es noch knapp 30 km. Nachts um halb zwei waren wir dann endlich bei mir zu Hause angekommen. Um kurz vor fünf klingelte der Wecker, Michael musste nach Lübeck zurück und ich musste ja auch wieder zur Arbeit. Was für ein Ritt!

So, nun hatte ich ein Motorrad, war aber noch weit vom Fahren entfernt, ich hatte noch keinen Führerschein.

Im August habe ich mich dann bei der Fahrschule Basner in Quickborn angemeldet, die Honda war in der Zwischenzeit auch angemeldet und zu Michael nach Lübeck überführt worden, damit sie dort in seiner Garage stehen und von ihm gefahren werden konnte.

Ich habe meine ersten Fahrübungen auf dem dortigen Übungsplatz gemacht. Das ging deutlich besser, als erwartet, vielleicht, weil ich ja den Autoführerschein schon eine ganze Weile habe.

Dann kam langsam der Winter und meine Besuche beim theoretischen Unterricht wurden seltener, da ich irgendwie im Dunkeln keine Lust hatte … 

Aber auch der längste Winter geht vorbei und die Tage wurden wieder länger und damit kam die Lust, nun endlich selber richtig Motorrad zu fahren und nicht nur auf dem Übungsplatz. 

Nun also fleißig mit der App die Theorie gepaukt, im Mai hatte ich dann meine erste Fahrstunde. Dann im Juni, nachdem ich alle erforderlichen Theoriestunden beisammen hatte, war der Termin für die Theoretische Prüfung. Hier ein großes Lob an meine Fahrschule, die sehr darauf geachtet hat, dass ich erst zur Theorie bin, nachdem ich in der Fahrschule bewiesen hatte, dass ich den Stoff auch beherrsche. Klar hätte noch so einiges schiefgehen können, da ich Prüfungsangst habe, aber: alles im Grünen Bereich gewesen, gleich auf Anhieb die Theorie mit 0 Fehlern bestanden, große Freude!

Endlich mit dem eigenen Motorrad Fahren - Honda CB 250 NJetzt fehlte mir nur noch die Praxis. Probleme hatte ich bei den Grundfahraufgaben. Slalom mit 30 km/h, ausweichen mit und ohne abbremsen mit 50 km/h … Horror! Fahren, das ging. Auch da hatte ich so meine Probleme, ich fahre eine ganze Weile Auto und  musste mich daran gewöhnen wieder Sachen zu machen, die man als Autofahrer ja ein wenig schleifen lässt.

Aber langsam kam ich voran und der Tag der Prüfung rückte näher. Meine Aufregung wuchs, aber mein Fahrlehrer Bernd hat mich immer wieder unterstützt und mir alles geduldig und immer und immer wieder erklärt. Liebevoll wurde ich von ihm „Schlaftablette“ genannt, weil ich alles etwas langsam anging.

Vor der Prüfung hatte ich drei Wochen Urlaub und habe in der Zeit nur hinten auf der Trude gesessen, bin nicht mehr auf dem Übungsplatz gewesen. In der Woche vor der Prüfung hatte ich dann noch zwei mal Fahrstunden, die mich so richtig weitergebracht haben. 

Dann war es soweit, die Prüfung stand an. Um sieben Uhr morgens vor der Fahrschule getroffen, und dann ging es fast los. Vorher zum Aufwärmen nochmal die Grundfahrübungen und dann zum TÜV, den Prüfer abholen. Meine Aufregung wuchs, aber ich musste da nun durch. Auf dem Parkplatz beim TÜV eine kurze Technik-Prüfung, dann fertig machen und losfahren. Tja, und da wäre die Prüfung auch schon fast beendet gewesen … Wenn der Fahrlehrer sagt, ich soll links abbiegen und ich ordne mich zum Rechtsabbiegen ein – das hätte ins Auge gehen können. Ist es aber nicht. 

Dann ging es zu den Grundfahrübungen: Stop-and-go … läuft,  Gefahrbremsung vorm Prüfer: läuft. Jetzt aber: Grundfahraufgabe Slalom: Den hatte ich mit meinem Motorrad auf dem Übungsplatz geübt und nach dem hilfreichen Tipp vom Fahrlehrer: „Fahr den doch im dritten Gang“ klappte das hervorragend. Aber nun: Ausweichen mit und ohne Abbremsen bei 50 km/h. Hah, geschafft, der Prüfer bricht nicht ab. Nun noch den langsamen Slalom, ja, auch der haut hin! 

Nun kam der Rest, knapp ’ne ¾ Stunde fahren, mit Kreisverkehr, Stoppstraßen und was sonst noch alles dazugehört. Dann waren wir wieder beim TÜV und ich konnte/sollte das Motorrad parkgerecht abstellen. Ja, klappt, hatten wir auch geübt.

Ich war sehr unsicher, hat es geklappt? Ja, mein Fahrlehrer nickt und lächelt, scheint ja alles gut gelaufen zu sein. Da, der Prüfer stellt tatsächlich alles aus und gibt mir die Karte. Aber er rät mir auch, aufgrund meiner mangelnden Fähigkeiten bezüglich des Ausweichens mit und ohne Abbremsen doch nächstes Jahr an einem Kurventraining teilzunehmen. Das hatte ich sowieso vor und das können Michael und ich auch sehr gut als Paar machen. 

Nun nutzte ich die letzten schönen Tage und fuhr meine kleine Honda, nachdem sie wieder bei mir im Dorf ist. Die „Überführung“ von Lübeck nach Ellerau war sozusagen meine erste „Feuerprobe“ und hat mir Gelegenheit gegeben, mich daran zu gewöhnen, dass ich keinen „Mann im Ohr“ (Fahrlehrer) habe, der mir sagt, wo ich hinfahren soll und der mich „beschützt“. Auch zur Arbeit bin ich schon gefahren, und das sogar teilweise im Dunkeln. Was soll ich sagen:  Es macht einen Heidenspaß!

Ich freue mich auf weitere Jahre, ob mit der Honda oder einem anderen Motorrad, das weiß ich noch nicht, aber sie macht mir Spaß. Ich fahre mehr über Land und nicht auf der Autobahn, so dass es nicht so schlimm ist, dass sie nur 18 PS hat und die Beschleunigung natürlich nicht mit dem Fahrschul-Motorrad bzw. neueren zu vergleichen ist.

Ich bereue es nicht, dass ich in meinem Alter noch den Führerschein gemacht habe, so dass ich dieses schöne Hobby nicht nur mehr als Sozia sondern auch als Selbstfahrerin betreiben kann. PS: ich bin Jahrgang 1962. 


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