Erst GTT-Podium, jetzt Euro Moto
Mein Rennsport-Abenteuer geht weiter

aus Kradblatt 2/26 von Marc Scheer

Der 22-jährige Magdeburger Marc Scheer fährt seit 2022 Motorrad und ist voll dem Rennsport-Virus verfallen. Als Privatfahrer auf einer selbst aufgebauten Yamaha MT07 tritt er in dieser Saison im TwinCup gegen internationale Konkurrenz an. Hier seine Story … 

Angefixt durch Knieschleifen am Kyffhäuser
Angefixt durch Knieschleifen am Kyffhäuser

Die Rennsaison 2025 ist vorüber, doch von Stillstand kann bei mir keine Rede sein. Während andere die Füße hochlegen, bereite ich mich intensiv auf das Sportjahr 2026 vor. Nach einem harten Weg durch die Einsteigerklasse und ersten Podiums-Erfolgen wage ich nun den großen Schritt in den prestigeträchtigen Twin Cup im Rahmen der Euro Moto. Für mich als Privatfahrer bedeutet das vor allem eines: Harte Arbeit an der Basis, lange Abende in der Werkstatt und die Hoffnung auf Unterstützung aus der Region.

Erste Saison in gelb
Erste Saison in gelb

Der Kontrast in meinem Leben könnte kaum größer sein. Im Alltag trage ich die Verantwortung als stellvertretender Filialleiter einer Lidl-Filiale in Magdeburg – Zahlen, Ordnung und Personalplanung bestimmen meinen Tag. Doch sobald der Feierabend eingeläutet ist, tausche ich das Hemd gegen die Lederkombi. Dabei war mein Weg auf die Rennstrecke alles andere als vorgezeichnet. 

Angefangen hat alles vor ein paar Jahren am Kyffhäuser. Ich war damals 20, mitten in meiner Ausbildung zum Handelsfachwirt und hatte gerade seit anderthalb Jahren den Führerschein. Ich war oft mit Freunden dort, wurde immer schneller, bis ich das erste Mal mit dem Knie auf der Straße geschliffen habe. Irgendwann kamen meine Freunde nicht mehr hinterher, doch dann kam der Warnschuss: Ein heftiger Rutscher auf öffentlicher Straße, den ich gerade noch abfangen konnte.

Und erste Erfolge
Und erste Erfolge

Parallel dazu lernte ich zwei Leute aus der IDM kennen und fing an, MotoGP und WSBK (die Superbike-Weltmeisterschaft) zu verfolgen. 

Der entscheidende Funke sprang über, als ich in meiner eigenen Instagram-Story im Hintergrund einen Livestream des Twin Cups laufen sah. In dem Moment machte es „Klick“. Ich sagte mir: „Das willst du machen. Keine Straße mehr, ich will weder mich noch andere gefährden.“ Ich nahm die Herausforderung an! 

Ein Freund, der Meister in der GTT-Stock-Klasse (GTT = German Twin Trophy, Infos siehe: www.germantwintrophy.de) war, bestärkte mich in langen Gesprächen, mir diesen Sport „anzutun“. Also meldete ich mich ohne einen Meter Rennerfahrung als Jahresstarter in der German Twin Trophy  an. Meine Vorbereitung bestand aus einem ersten Training auf dem Harzring zwei Monate vor Saisonstart und dem „Timesroundcup“ auf dem Spreewaldring. Dort spürte ich zum ersten Mal diesen Tunnelblick, diese absolute Sucht nach der perfekten Linie.

Mein erstes richtiges Rennen am Nürburgring 2024 war dann ein Sprung ins kalte Wasser. Ich fiel durch die technische Abnahme, wusste nicht weiter – doch das Fahrerlager nahm mich an die Hand. Ich wurde nicht Letzter und steigerte mich stetig.  

Dann kam mein Heimrennen in Oschersleben: Meine Familie und Freunde feuerten mich an, ich fuhr auf Platz 7. Wer sehen will, wie hart dort gekämpft wurde, findet die Manöver auf meinem YouTube-Kanal. 

Doch der Motorsport kann brutal sein. In Assen, meinem dritten Rennwochenende, folgte der Tiefschlag. Im Regenchaos der Q2 verlor ich den „Reifenpoker“ und stieg per Highsider ab. Die Diagnose: vierfacher Handgelenksbruch. Saisonende nach nur drei Events. Neun Wochen Pause, keine Arbeit, kein Schrauben.

Der Zwei- oder Mehrkampf macht richtig viel Spaß!
Der Zwei- oder Mehrkampf macht richtig viel Spaß!

Das Jahr 2025 begann ähnlich dramatisch mit einem Highsider im ersten Rennen und einem Getriebeschaden. Doch Aufgeben war keine Option. Ich tauschte alles aus, kämpfte mich zurück und fuhr regelmäßig in die Top 5 der GTT. Die Erlösung kam beim Finale in Schleiz mit einem Doppelpodium. Das war der Beweis, dass ich bereit für den nächsten Schritt bin. 

Als im Herbst die letzte Zielflagge fällt, ist das für mich eine Mischung aus Erleichterung und Ernüchterung. Während Werkspiloten die kalten Monate oft in spanischen Trainingscamps verbringen, holt mich schnell die Realität ein: Ohne großes Budget ist das für mich nicht finanzierbar. Meine Grundlagen für die Saison 2026 im Twin Cup der Euro Moto lege ich daher hier in Magdeburg.

Gas ist rechts …
Gas ist rechts …

Meine Yamaha MT07 ist keine gekaufte Rennmaschine – es ist mein ehemaliges Straßenmotorrad, das ich Stück für Stück selbst umgebaut habe. Jeden Sonntag und an jedem freien Tag bin ich in meiner Werkstatt zu finden. Dabei setze ich konsequent auf Eigenleistung: Ich gehe zum nächsten Louis hier in Magdeburg, um mich mit Öl und Verschleißteilen auszustatten. Es ist diese Bodenständigkeit, die für mich den Charme des privaten Motorsports ausmacht. 

Sportlich ist die Saison 2026 eine Reise zurück zu den Wurzeln. In einer Zeit, in der Superbikes von Elektronik dominiert werden, bleibt der Twin Cup puristisch. Keine Assistenzsysteme – es zählen nur Gashahn, Motor, Bremse und der Fahrer. Es ist der direkte Kampf Fahrer gegen Fahrer/in auf historischen Strecken wie Brünn, Most, Oschersleben und natürlich den legendären Naturrennstrecken in Schleiz und Frohburg.

Meistens bin ich als „One-Man-Show“ unterwegs, auch wenn mich mein bester Freund oft unterstützt hat. Besonders freue ich mich, dass ich mittlerweile auch meine Freundin mit dem Rennfieber anstecken konnte; sie plant, mich 2026 zu begleiten, sofern wir das Budget stemmen können. Mein Ziel für 2026 ist klar definiert: Ich möchte mich als Rookie im Twin Cup behaupten und am Jahresende unter den Top 12 der Gesamtwertung stehen. Da ich als Privatperson ohne große Geldgeber starte, bin ich auf der Suche nach Partnern, die diesen Weg gemeinsam mit mir gehen wollen. Über <diesen Link> gelangen intererssierte Firmen und Motorradfahrer/innen direkt zu meiner digitalen Sponsorenmappe mit allen Details zu meiner Saisonplanung sowie zu meiner GoFundMe-Kampagne.

Jede Unterstützung und jeder Cent hilft mir dabei, im Frühjahr konkurrenzfähig an der Startlinie zu stehen. Wer meine Rennen und Onboard-Aufnahmen sehen möchte, findet diese auf YouTube unter „MarcScheer22“. Weitere Einblicke gibt es zudem auf Instagram unter „@MarcScheer22“. 

Meldet euch gerne über Social Media bei mir, wenn ihr Fragen habt oder mich unterstützen möchtet.                       

Die neue Saison kann kommen …
Die neue Saison kann kommen …