Eichelfalle_29-08-2020_cfcc0

Editorial 9/20 – Augen auf im Herbst!

Vorwort der Kradblatt-Ausgabe 9/20 von Marcus Lacroix

Mal wieder ein wirklich relevantes Thema …

Gefährlich - Eicheln sind wie Rollsplitt
Gefährlich – Eicheln sind wie Rollsplitt!

So, nachdem vielen von uns die Themen Demos, potentielle Streckenverbote, Corona und Motorradlärm mittlerweile ziemlich aus den Ohren quellen, widmen wir uns in diesem Editorial mal wieder den praktischen Dingen des Motorradfahrerlebens: der Sicherheit.

Der Großteil unserer Leser ist ja zum Glück unbeschadet durch den Sommer gekommen und auch bei uns gab es bislang keine Ausfälle (toi, toi, toi). Jetzt stehen der Spätsommer und bald der Herbst vor der Tür und damit die saisontypischen neuen (alten) Gefahren. Passend dazu kam die Tage per E-Mail ein Leserbrief rein:

Liebe Landwirte, ich verstehe Euch nicht! Der eine oder andere ist selber Motorradfahrer und weiß um die Gefahren, die von langsamen Fahrzeugen auf Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen ausgehen. 

Aber ich befürchte bei einer Kollision zwischen landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Motorrädern geht die Mehrheit davon aus, dass die angeblich überhöhte Geschwindigkeit des Zweiradfahrers Hauptursache ist. 

Doch wie ich leider wieder mal feststellen musste, gibt es unter den Ernährern der Bevölkerung durchaus Exemplare, die von einer Bundesstraße mit einem angebauten Heuwender ohne erkennbare Richtungsanzeige links abbiegen. Normalerweise hätte man den Trecker so aufgeschnupft, aber zum Glück kann man nicht misstrauisch genug sein.

Dann gibt es die Vorbildlichen, die mit Licht fahren – allerdings haben sie vorher nicht überprüft, ob an den angehängten Anhängern auch etwas von dem Strom ankommt. Und dann die hochmodernen Trecker mit Rundumlicht und Flugfeldbeleuchtung und was haben diese Hightech-Fans an. Tagfahrlicht! In den dunklen Waldstücken sind diese Fahrzeuge genauso sichtbar wie Pilze im Dunkeln.

Hier wäre doch schon mal leicht Abhilfe zu schaffen, macht doch bitte die Festbeleuchtung an, schaut auch mal hinten nach, ob es leuchtet oder blinkt! Und meckert nicht über die rasenden Mopedfahrer! Dass uns die Schwerste Zeit noch bevorsteht, wissen wir schon, wenn es losgeht mit der Maisernte, aber das ist ein eigenes Thema. Wenn riesige Mähwerke auf schlammigen Straßen auf den Zweiradfahrer treffen.

Gruß, Fred Witthohn

Fred verdeutlicht die Gefahr durch den Erntebetrieb und wohl jeder von uns, der schon etwas länger fährt, hat da einige Erlebnisse. Nun ist mir das Brot auf dem Tisch sicher wichtiger als mein pers. Motorradspaß und von daher habe ich für den stressigen Erntejob und eventuelle Nachlässigkeiten durchaus Verständnis.

Als Motorradfahrende müssen wir noch aufmerksamer sein als sonst – durch einen gut trainierten sechsten Sinn kann man aber viele Gefahren vorausahnen: • Korn am Wegesrand? Könnte auch in den nächsten Kurven/Abzweigungen liegen •Traktorgespann voraus? Vor dem Überholen aufmerksam nach Feld- und Hofeinfahrten scannen. Verlasse dich NIE blind auf ein Blinken (oder auf ein Nichtblinken!) • Traktor an Feld-/Hofausfahrt? Der sieht dich potentiell nicht und zieht raus (R.I.P. Uli, 5.5.07) • Eichen/Kastanien? Die werfen bei großer Hitze frühzeitig Früchte ab, die trocken wie Rollspit wirken, nass und von Reifen zermatscht wie Schmierseife • Verschmutzte Fahrbahnen muss man kaum erwähnen, nicht nur punktuell sondern auch in der Fläche • Stroh? Vorsicht, kann auch sehr rutschig sein • tiefstehende Sonne • uneinsehbare Kuppen • usw. Die sonstigen Gefahren im Verkehr sind natürlich weiter vorhanden. 

Der beste Schutz ist, neben Sicherheitstrainings und aufmerksamem Fahren, sich einfach selbst zurückzunehmen. Knieschleifen gehört auf die Renne, nicht auf die Landstraße oder ins Autobahnkreuz (jaja, ich weiß – habe ich immer noch was von …). Lasst andere ruhig schneller sein, es gibt auf der Landstraße nicht mal eine goldene Ananas zu gewinnen.

Nichtsdestotrotz ist Motorradfahren im Spätsommer einfach eine tolle Sache. Morgens/Abends ist es schon frischer, Manchmal wabert etwas Nebel der dann von der Sonne zerrissen wird. Es riecht erdig, im Wald auch mal pilzig. Nach der Sommerhitze kann man endlich mal wieder durchatmen und der Schweiß rinnt nicht in die Kimme. Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Reiz und erfordert ein angepasstes Fahren. Ich freue mich auf viele weitere schöne Touren in 2020 …


Kommentare

Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Keine Kommentare zu :
“Editorial 9/20 – Augen auf im Herbst!”