lOsteria-mit-bmm-MehrSi-Kradblatt_28-10-2020_28391

Editorial 11/20 – Das Beste draus machen …

Vorwort der Kradblatt-Ausgabe 11/20 von Marcus Lacroix

… hilft ja nichts.

lOsteria Köln Messe mit bmm, MehrSi, Kradblatt

Unglaublich, aber ihr haltet schon wieder die November-Ausgabe in den Händen. Die Fahr-Saison 2020 ist für manche bereits gelaufen und Ende des Monats schlägt auch bei meiner elektrischen Energica das Saisonkennzeichen wieder zu. Aber egal, im Winter darf die Honda dann wieder mehr ran und wird mir auf diversen Touren Freude bereiten.

Freude hätte uns eigentlich auch das Neuheiten-Feuerwerk auf den großen Motorradmessen INTERMOT, Anfang Oktober in Köln und EICMA, Anfang November in Mailand machen sollen. Naja, was soll man sagen – auch diese beiden Events hat Corona, das alles beherrschende Thema 2020, wie viele andere Veranstaltungen gekillt. 

Sinnigerweise hatte nicht nur ich das Hotelzimmer in Köln Anfang des Jahres, als Covid noch eine etwas heftigere Grippe war, ohne Rücktrittsoption gebucht. War ja günstiger und der Oktober weit weg. Tja, verzockt! Da man aber ja aus jeder Situation am besten das Beste macht, trafen Kollege Guido vom Motorradmagazin für Baden-Würrtemberg und ich uns wie geplant und stromerten anstatt am Dienstag, dem Pressetag, über die Messe mit elektrischen Motorrädern durch das Sauerland. Guido hatte bei Harley in Köln eine LiveWire gemietet. Wir hatten viel Freude und Abends trafen wir uns mit Monika, dem Energiebündel von MehrSi (www.mehrsi.org), und verdrückten die wohl größten Pizzen unseres Lebens (ok, wir haben es versucht). Am Mittwochabend hatte ich 1036 km mehr auf der Uhr – soviel zur angeblichen Tourenuntauglichkeit von Elektromotorrädern. Für jeden und alles passen die Maschinen aber natürlich aktuell trotzdem (noch) nicht. Unsere Facebook- und Instagram-Follower haben die Tour quasi live mitbekommen und selbstverständlich ihre Späßchen gemacht.

Freude sollte auch bei der „alternativen Vorstellung“ der 2021er Neuheiten aufkommen. Der eine oder andere Hersteller inszenierte dazu Live-Videokonferenzen, zu denen man sich vorab anmelden musste, wo man online Fragen stellen konnte und man sich bemühte, eine gute Show zu bieten. Ganz ehrlich: es ist lieb gemeint, hat mich persönlich aber in keinster Weise berührt. Ein Bildschirm ersetzt das richtige Leben nicht, auch wenn manch einer dort offenbar in einer Parallelwelt lebt. Die Spannung und Freude, die bei einer Live-Vorstellung auf einer Messe herrscht, fehlt völlig. Motorrad ist ein Thema, das online nicht funktioniert – zumindest für mich nicht. Natürlich können die Hersteller nichts dafür und versuchen selbst, das Beste aus der aktuellen Lage zu machen. Verschickt doch einfach Presseinfos per E-Mail – wir hoffen dann auf die Frühjahrsmessen, für die die Veranstalter fleißig an Konzepten schrauben. Dass die IMOT in München schon so frühzeitig abgesagt wurde, finde ich bedauerlich. Ich hoffe sehr, dass wir die Lage in den Griff bekommen, alle Menschen sich verantwortungsvoll verhalten und auch mal selbst etwas zurücknehmen. 

Bei den Herstellern wird sich der eine oder andere Rotstiftanspitzer auch fragen, ob Messen überhaupt sein müssen oder ob nicht der Handel oder gar das Internet die Präsentationen voll übernehmen können. Ich weiß ja nicht, wie man in den Controller-Etagen so tickt, bin aber der Ansicht, dass man die Chance für ordentliche Live-Auftritte nicht verpassen sollte. Klar, wenn man beim Händler-Event die Kunden direkt im Verkaufsraum hat, bringt das einen gewissen Vorteil im Verkauf. Alle potenziellen Käufer, die man nicht dorthin lockt weil sie die Marke gar nicht auf dem Schirm haben, erreicht man so aber nicht. Und das Internet? Sorry, die (a)sozialen Medien drehen sich so schnell, da bleibt bei den Wenigsten wirklich was hängen. Die Facebook- und Instagram-Blasen sind, bei aller Reichweite, doch erstaunlich klein. Wisch und weg – der Slogan passt nicht nur für Dreck im Haus sondern auch auf das online Gesehene. TikTok, Twitch, Youtube, alles schön und gut – der Informationsgehalt ist oft gering, dafür wird viel zu viel kostbare Zeit gefressen. So empfinde ich es zumindest, wobei ich berufsbedingt aber auch recht viel Online unterwegs bin. Meine Laune verbessert es meistens nicht, da wäre ich besser bedient, ich würde in der Garage meditativ Speichen putzen. Oder vielleicht doch mal wieder ein Motorrad restaurieren. Oder umbauen. Oder einfach eine Runde fahren. Motorrad ist etwas, das den persönlichen Akku auftankt. Egal wie alt oder neu, egal wie leistungsstark oder was für ein Antrieb. Wind um die Nase, echtes Leben. Abstand halten ist kein Problem, an Masken und Tücher sind wir auch gewöhnt. Bleibt gesund und fröhlich, liebe Leser, macht das Beste draus!


Kommentare

Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

2 Kommentare zu :
“Editorial 11/20 – Das Beste draus machen …”


  • Lieber Marcus,

    du sprichst mir aus der Seele!
    Du beschreibst sehr eindrucksvoll, wie oberflächlich doch der größte Teil des Meinungs- und Informationsaustausches im Internet ist und wie emotional und glücklichmachend doch das Erleben unseres Motorrad-Hobby’s – mit all seinen Facetten – ist!!
    Und dabei ist doch der persönliche Kontakt und das Teilen der gemeinsamen Freude das tragende Element … 🙂

    Gruß aus Ostfriesland,
    Jens