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Editorial 07/18 – Der Sündenbock …

Vorwort der Kradblatt-Ausgabe 7/18
von Pastor Holger Janke, www.BikersHelpline.de

Abenteuer Großstadt oder „Der Sündenbock“ …

Pastor Holger Janke mit seiner MZ ETZ 250Streckensperrungen für Motorräder sind in Mode, Fahrverbote für PKW sind angesagt. Alles zum Wohle des Volkes! 

Mich erinnert das an die uralte Geschichte des Sündenbocks. Im 3. Buch Mose (Levitikus) der Bibel wird diese uralte Geschichte erzählt, dass die Probleme verschwinden, wenn man einen Schuldigen benennt „und ihn in die Wüste schickt“ (Kap. 16, Verse 21f.). Man muss also nur einen Dummen – egal ob Tiere oder Menschen – finden, den man als Schuldigen diffamieren kann und schon lässt es sich in Ruhe weiter leben und regieren. Das Leben kann so einfach sein.

Als Bürger in Hamburg wundert man sich allerdings, dass gerade Dieselfahrzeuge das Problem sein sollen, obwohl doch jeder weiß, dass allein die Schiffe beim Hafengeburtstag mehr Umweltgifte in die Luft blasen, als der gesamte Straßenverkehr Hamburgs in einem Jahr. Letztendlich sind die dicken Pötte schwimmende Müllverbrennungsanlagen. Das ändert sich auch nicht, wenn man Kabinen, Schwimmbäder, Restaurants sowie Casinos drumherum baut und da­rauf Kreuzfahrten anbietet. Dass die Hansestadt auch zwei Stadtflughäfen hat, die täglich hunderte Starts und Landungen verbuchen, wird in der Ökobilanz verschwiegen. Na ja, für Kerosin muss man ja auch keine Steuern zahlen! Dafür müssen die Motorrad- und Dieselfahrzeugbesitzer aufkommen, die jetzt nicht mehr fahren dürfen. Ist doch eine geniale Idee: Steuern für Verbote. Da ist Deutschland ganz klar in der Pole-Position.

Als 19.000 Motorradfreunde nach dem Motorradgottesdienst in Hamburg durch die Stadt knattern, ist die Resonanz in der Presse meist negativ – nicht wegen der Unfälle, sondern wegen der Straßensperrungen und der Verkehrsbehinderungen. Die Bewohner der „Metropole an der Elbe“ haben einfach keine Lust mehr auf verstopfte Straßen, da sie sich täglich durch das Chaos quälen müssen. 

Dass Hamburg touristisch als eine grüne Eventstadt und wirtschaftlich als das „Tor zur Welt“ gehandelt wird, mag von den Verantwortlichen gewollt sein und bringt die erhoffte Dividende. Die Bürger allerdings wollen das nicht. Die ganzen Pendlermassen, die sich morgens und abends aus dem Umland zum Arbeitsplatz schleichen, sehnen sich auch nach anderen Lösungen. Und umweltfreundlich ist es nun ganz und gar nicht. Aber alles ist gut, wenn man einen Schuldigen benennt und ihn aussondert. 

Irgendwie habe ich das Gefühl, die Menschen ändern sich nicht, denn die Geschichte vom Sündenbock ist schon 3.000 Jahre alt. Natürlich halte ich mich als guter Bürger an die Gesetze, lasse jetzt meinen Diesel stehen und nehme dafür das Motorrad. Meine alte MZ freut sich über die sommerlichen Ausfahrten und ist umweltfreundlicher als jeder Schiffsdiesel oder als der angeblich saubere Euro-6-SUV, mit dem der Fahrer kraftvoll versucht, das Abenteuer Stadt zu überleben oder die Kinder morgens in den Kindergarten um die Ecke zu fahren. Vielleicht sollte man lieber all die Geländefahrzeuge, die in der Stadt cruisen, in die Wüste schicken. Das wäre doch artgerechte Haltung! Allerdings zahlt man in der fernen Wüste keine Steuern mehr – höchstens „Bakschisch“, aber dieser frei kalkulierte Wegezoll nervt auch. Man könnte die Verantwortlichen in die Wüste schicken, aber die überlaufene Wüste regelt neuerdings die Zuwanderung. Deshalb schickten die schlauen Hamburger ihren alten Bürgermeister nach Berlin. Seitdem stockt dort der Verkehr.


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