aus Kradblatt 3/26 von Andreas Wilke
Wiedereinstieg mit der Duc
Nach 20-jähriger Motorrad Pause (damals Yamaha SR 500, MZ TS 250 Gespann und zuletzt viele Jahre Moto Morini 3½ Touring) reifte in mir der Entschluss wieder aufzusteigen.
Inzwischen Ü-60, fiel Ende 2022 meine Wahl auf die DUCATI Scrambler 803 Classic. Eine Ducati wollte ich einfach immer schon mal fahren. Die Scrambler ist ja von der Sitzposition ähnlich der guten, alten SR – also genau mein Ding. Außerdem gefiel sie mir optisch und sie hat einen luft-/ölgekühlten Desmo-Motor.

Im Netz fand sich was Passendes in Bielefeld. Also an einem kalten Novembertag in Hannover einen Anhänger gemietet, hingefahren, begutachtet und mitgenommen. Ein 2018er Modell mit 7.500 km auf der Uhr. Eine nette, Motorrad fahrende Nachbarin half mir daheim beim Abladen.
Nach Beschaffung von weiterer Montur und vorsichtigem „Eingrooven“ startete ich im Frühjahr 2023 mit einem (wirklich tollem) Wiedereinsteiger-Kurs beim ADAC, dem ich etwas später ein Kurventraining nachschaltete.
Erste Individualisierungen waren der etwas tiefere und konifizierte Lenker der Ducati „Full Throttle“ Scrambler, einstellbare Kupplungs- und Bremshebel von Spiegler, ein Hepco & Becker Gepäckträger, die Mini-Scheibe von Ducati und runde Ducati Rückspiegel; die originalen fand ich zu klobig. Gute Dienste leistet auch die Seitenständer-Auflageplatte von H&B.

Das sehr gute, aber recht straffe Fahrwerk ließ sich mit dem Einbau von Wilbers Gabel-Federn und deren Federbein noch verbessern. Immer noch straff, aber feiner ansprechend. Schlechte Fahrbahnoberflächen spüre ich, aber es gibt keinerlei Unruhe; einfach drüberbrettern.
Die Scrambler ist übrigens absolut tourentauglich; Tagesetappen von gut 400 km auf Land- und Kreisstraßen sind kein Problem. Mehr denn je mit der neu aufgebauten Sitzbank (auf Basis der Komfort-Bank von Ducati) von Leder-Bike-Design aus Henstedt-Ulzburg (mit Geleinlage) = noch besserer Sitzkomfort. Davor hatte ich aus einer Laune heraus die braune Original-Sitzbank mit Schaffell überzogen, was allerdings eine aufwendige Näharbeit war. Wie das geht, lest ihr <hier>.

Leider kann man zum Gepäckträger nicht gleichzeitig einen Kofferträger montieren, der Fender ist da im Weg und müsste wohl mit der Flex bearbeitet werden. Die Satteltaschen von SW-Motech reichten mir erst mal. Inzwischen habe ich die weitergereicht und nutze nun die Pro Blaze H von SW-Motech.
An Reifen habe ich neben den originalen Pirelli MT 60 RS auch die Pirelli Angel GT ausprobiert. Mit den MT 60 lassen sich Feldwege besser befahren. Jetzt sind die Dunlop Mutant drauf, die jemand im Scrambler-Forum sehr gelobt hatte. Sie sollen auch verschleißfester sein als die Pirellis. Jedenfalls machen die ihren Job sehr gut; ob trocken, nass oder (trockener) Feldweg.
Der Motor will ein paar Kilometer warm gefahren werden, bis er richtig schön rundläuft. Eine Ganganzeige gab es erst ab Modelljahr 2019, also habe ich eine mit HEALTECH GIPro nachgerüstet. Der Motor läuft ab 4.000 U/min mit ordentlich Schub, bis bei 8.500 U/min abgeriegelt wird. Die Kupplung ist nicht zu straff, trainiert aber den linken Unterarm. Sechs Gänge stehen zur Verfügung; in Ortschaften fahre ich im Dritten. In kurvigem Geläuf schalte ich zwischendurch meist nicht hoch, sondern lasse den Zweizylinder drehen und nutze die gut zu dosierende Motorbremswirkung.
Die Bremsen selbst verzögern ebenfalls gut dosierbar; für eine Notbremsung muss aber zugepackt werden.
Der Verbrauch liegt bei ± 4,5 l/100 km. Tankinhalt sind 13,5 Liter; bei ca. 200 km geht die Anzeige für Reserve an, da schafft man also noch locker 50 km mit E5 oder E10.

Inzwischen gab es weitere Individualisierungen, denn Bestand hat nur die Veränderung: Die Mini-Scheibe kam ab, Motorschutzbügel und Kühlergitter (wegen der Optik) von Hepco & Becker dran. Die Ducati Heizgriffe waren eine lohnende Investition – geschaltet werden sie in drei Stufen durch drücken des Startknopfes (!?!) – wer denkt sich denn so was aus? Immerhin geht das nur bei laufendem Motor. Dann kamen auch gleich RIZOMA Alu-Lenkerenden dran. Die Hupe wanderte von rechts unten (was soll die da?) nach vorn unter die Gabelbrücke.
Der hintere, hässliche Bremsflüssigkeitsausgleichbehälter (der übliche „Pipi-Becher“) wurde durch einen schwarzen von GSG ersetzt. Ein Alu Kettenschutz von DUCABIKE musste sein und jetzt ovale Rückspiegel RIZOMA „Radial“, die lassen sich bestens einstellen. Die Fußrasten wurden schwarz lackiert und noch quer eingekerbt.
Vor kurzem hat die Batterie aufgegeben (nach sieben Jahren legitim) und wurde in einer Kurz-vor-Feierabend-Aktion durch eine Gel-Batterie ersetzt; am nächsten Tag sollte es ja auf Tour gehen. Es geht eng zu unter der Sitzbank, aber irgendwo muss der ganze Kram ja hin. Und wer hat bloß die USB-Buchse dort platziert?

Den Auspufftopf habe ich vor kurzem durch einen ZARD Zuma (Euro4 Kat) ersetzt. Leichter, schöner und klingt etwas voller, ohne dabei lauter zu sein. Das habe ich mit einem richtigem Schallpegel-Messgerät überprüft.
Zum Saisonende 2025 hatte ich 34.400 km auf dem Tacho. Die Ducati lief immer zuverlässig, auch dank der hervorragenden Wartung bei BeFaster in Laatzen.
Die langweilige Autobahn meide ich möglichst. Die Kiste soll ja 192 km/h laufen, aber mehr als 160 Sachen habe ich noch nicht getestet. Das natürliche Habitat der Scrambler sind ja Bundes-, Land- und Kreisstraßen sowie Neben- und Feldwege (ich finde immer was legales). Leine-, Weserbergland und der (Raser-)Harz liegen vor meiner Haustür. Extertal, Aller-Leine Tal, Heide und Wendland sind aber auch schöne Tourenreviere.
Letztes Jahr war ich auf Deutschlandreise; dabei nutzte ich wie immer mein Garmin XT und Kurviger.de. Das Garmin ist mit der Kugelkopfhalterung von HERMANN Mechatronik befestigt und mit der ZUMLOCK XT Platte gesichert. Das ZUMON XT hat leider einmal rumgesponnen, konnte aber per Master-Reset wieder beruhigt werden (die Service Mail dazu kam immerhin umgehend).
Nachdem die Kette bei 30.000 km fällig war, bin ich gespannt wie sich die REGINA HPE macht: Die soll durch ihre „Super-Beschichtung“ sehr wartungsarm sein.

Fazit: ich bin sehr zufrieden mit meiner Scrambler. Das Bike ist relativ leicht; ursprünglich 190 kg fahrfertig, flott und sehr wendig = vieeel Fahrspaß. Fahrmodi vermisse ich nicht. Klar wäre ein Kurven-ABS schön, aber das „normale“ arbeitet auch bestens. Die Wartungskosten sind zwar „nicht ohne“ aber das ist bei Ducati ja bekannt.
Beim Individualisieren konnte ich mich austoben. Die 73 PS/54 kW reichen mir völlig. Und … das Ding passt quer hinterm Auto in die Garage.
Ein Faltstuhl ist fast immer auf dem Gepäckträger dabei; so kann ich in Pausen entspannt in die Landschaft schauen. Aufgrund der vielen „Blindgänger“ im Straßenverkehr fahre ich nur noch mit neongelber Weste. Ja, die notwendigen Bescheinigungen für Anbauteile habe ich auch immer dabei.
Wartungsintervalle sind: alle 12.000 km bzw. 1x pro Jahr Ölwechsel; Ventilspiel. Alle 24.000 km Luftfilter und Zahnriemen wechseln (oder diese nach 5 Jahren).
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