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Dragonrally in Wales

aus kradblatt 5/17
von Jens Weinerdt (Igel)

Besuch der Dragonrally in Wales

Besuch der Dragonrally Wales, 2017Es ist Dienstag, der 7. Februar, und ich bin mit meinem „Wintergespann“, einer BMW R 100 GS mit RT-Verkleidung und 700er Velorex-Beiwagen, auf dem Weg zum Autohof an der Abfahrt Rade an der A1. Dort treffe ich mich mit Frank aus der Kieler Ecke und mit Curd aus Hamburg. Zusammen geht die Fahrt dann weiter Richtung Osnabrück, wo wir uns auf dem ersten Rasthof noch mit Uwe und Schorpi treffen. Gemeinsames Ziel an diesem Tag ist der Europort in Rotterdam, wo Calli aus Much und Alex aus dem Schwabenland schon vor der Englandfähre auf uns wartet. Es geht nach Wales zur Dragon Rally.

Über das Dreiradlerforum im Internet haben wir uns verabredet. Initiiert wurde das Ganze von Jules, einem Forumsmitglied aus Wales. Er mietet für eine Woche ein Cottage im Snowdonia Nationalpark (in der Nähe von Bala) an, in dem wir mit insgesamt 12 Personen wohnen. Von dort aus erkunden wir die wunderschöne Landschaft in Wales und besuchen, neben der berühmten Dragon Rally auch noch die Bruce Polland Rally, zu der wir eine Einladung erhalten hatten. Siehe auch: http://www.realclassic.co.uk/opinionfiles/bruce_pollard.html

Unser CottageAls langjähriges BVDM-Mitglied bin ich seit 1996 jedes Jahr als Helfer der Organisation beim Elefantentreffen (ET) im Bayerischen Wald. Mit der Zeit reifte in mir der Wunsch, auch mal ein anderes Wintertreffen zu besuchen. Zur Dragon Rally, die übrigens das ET als Vorbild hat, muss man sich vorher anmelden und einen bestimmten Pfundbetrag auf ein Konto in GB überweisen. Sodann bekommt man eine Eintrittskarte zugeschickt und einen Treffpunkt, an dem man erfährt, wo das Treffen in diesem Jahr stattfindet. Die Orte wechseln ständig und man kann das Treffengelände nur mit dem Motorrad und einem am Treffpunkt erhaltenen Aufkleber auf der Lampe befahren. Das schafft für die Organisatoren Planungssicherheit und schützt vor ungebetenen Gästen und Autofahrern.

Doch zurück zur Tour. Nach einer ruhigen Überfahrt mit reichhaltigem Abend- und Frühstücksbuffet erreichen wir am Mittwochmorgen Hull. Nach dem morgendlichen Stau in Hull fahren wir über die riesige Humber Bridge, die zwar Maut kostet, aber nur für Autos und nicht für Motorräder und Gespanne. Da wir den ganzen Tag Zeit haben das Cottage zu erreichen, beschließen wir nicht den direkten Weg zu fahren, sondern durch den Peak District National Park. Hier fängt es schon an schön zu werden, obwohl wir noch nicht mal in Wales sind.

Am späten Nachmittag erreichen wir das Cottage und werden von Jules, Priya, Kara und Max erwartet. Wir beziehen unsere Zimmer und verbringen den ersten gemütlichen Abend zusammen.

Hmmm - Tütensuppe :-)Am Donnerstagmorgen fahre ich zusammen mit Calli nach Bala zum Einkaufen und besorge dabei gleich eine Landkarte um die Touren zu planen. Anschließend fahren Calli, Schorpi, Frank und ich die erste Tour durch den Snowdonia Nationalpark. Die weißen Straßen auf der Karte sind, wie so oft in Großbritannien, Singletracks und verwöhnen uns mit einer traumhaften Landschaft und Abgeschiedenheit. Unsere Rundtour führt uns über mehrere Pässe vorbei an Stauseen und schneebedeckten Bergen. Zwischenzeitlich müssen wir Hecktore öffnen und nach der Durchfahrt wieder schließen. Ich denke Motorradwandern beschreibt diese Art der Fortbewegung am besten. Wir halten immer wieder zum Schauen und Fotografieren an.

Am Freitag fahren wir dann mit 9 Gespannen und 2 Solomaschinen (die restlichen Mitbewohner sind mittlerweile eingetroffen), wiederum über traumhafte Strecken zur Bruce Polland Rally und bauen dort unsere Zelte auf.

Wir verbringen mit den etwa 150 anderen Winterfahrern einen schönen Abend mit Lagerfeuer und netten Gesprächen. Über Nacht hat es leicht geschneit, so dass wir die richtige Einstimmung auf die Dragon Rally bekommen. Nach Zeltabbau und Frühstück geht es weiter in Richtung Dragon-Treffpunkt.

Der Treffpunkt ist ein Autohof im Norden von Wales. Hier ist natürlich richtig was los. Der Treffenplatz selbst ist eine Wiese mit Festzelt und einem kleinen Imbisswagen in ca. 5 km Entfernung. Leider stürmt und regnet es, so dass der Aufenthalt im Freien nicht sehr angenehm ist. An Lagerfeuer ist auch nicht zu denken. Calli (ebenfalls langjähriger Helfer beim ET) und ich begeben uns nach dem Zeltaufbau ins Festzelt, wo wir als Repräsentanten des BVDM ein Präsent vom Elefantentreffen an die Offiziellen der Dragon Rally übergeben.

Anschließend decken wir uns mit Dragon-Klamotten ein (Pullover, Mütze etc.) und holen uns unsere Tütensuppe ab. Es ist Tradition und im Eintrittspreis inbegriffen, dass jeder Teilnehmer der Dragon eine Tütensuppe erhält.

Bei der anschließenden Platzbegehung finden wir viele interessante Fahrzeuge und natürlich auch einige andere ET-Helfer (Heinz und Karin aus Wuppertal sowie Manni).

Nachdem mich die senile Bettflucht auch am Sonntag mal wieder heimsucht, habe ich aber den Vorteil, dass vor den Dixi-Klos noch keine Schlangen sind (es waren ca. 10 Stück für 3000 Besucher) und ich an der kleinen Imbissbude in Ruhe ein Frühstück genießen kann (löslicher Kaffee und Toastbrot mit Spiegel­ei). Nach dem Zeltabbau ziehe ich das Gespann von Heinz und Karin vom Platz und an (Anlasser defekt), da die beiden direkt nach Hull zur Fähre fahren. Dann geht es für uns zurück zum Cottage, wo wir gegen Mittag eintreffen.

Am Nachmittag sitze ich dann schon wieder auf meinem Gespann und mache bei einsetzendem Schneefall eine Tour durch den Snowdonia National Park. Diese führt mich auf einen Pass, dessen Abfahrt mir mit 17 % Gefälle und schneebedeckter Straße dann doch etwas zu gefährlich ist. Ich fahre zwar rundum auf Winterreifen (Smartbereifung) aber Schneeketten sich hier wohl eher angebracht. Ich drehe um.

Ausfahrt bei der Dragonrally 2017Am Montag reisen die ersten schon wieder ab. Wir machen mit den verbleibenden 7 Gespannen eine Tour an die Küste. Dabei wird dann auch der (mittlerweile wieder abgetaute) Pass von gestern bezwungen.

Nachdem wir die alte, mautpflichtige Penmaenpool Toll Bridge (eine Holzklappbrücke) befahren, können wir dann auch noch ein wenig im Sand spielen. Das machen wir natürlich mit den Gespannen und nicht mit Förmchen.

Dragon Rally 2017Am Dienstag fahren wir dann zum Abschluss nochmal mit 4 Gespannen zum höchsten Berg von Wales, dem Mount Snowdon. Im Ort Llanberis, wo die Talstation der berühmten Snowdon Mountain Railway ist, machen wir dabei eine Kaffeepause. Über Porthmadog geht es dann zurück zum Cottage.

Am Mittwoch ist erst einmal Packen und Großreinemachen angesagt. Anschließend fahre ich zusammen mit Calli Richtung Hull. Hierbei biegen wir in Llangollen in Richtung Horseshoe Pass ab. Kurz vor dem Pass biegen wir rechts ab, um zu „World’s End“ zu gelangen. Durch 2 Furten geht es auf kleinsten Straßen bergauf. Wir wissen zwar nicht, was wir erwartet haben, gesehen haben wir jedenfalls nichts. Die Wolken waren einfach zu tief. Wiederum durch den Peak District National Park, wo uns am Anfang auch die tief hängenden Wolken ärgern, fahren wir in den Fährhafen nach Hull, wo die anderen schon eingecheckt haben.

Nach einer ruhigen Rückfahrt (wiederum mit Abend- und Frühstücksbuffet) starten wir Donnerstag den Heimweg ab Rotterdam.

Ich halte in Hengelo noch mal an, um für die Kinder Streusel – Hagelslag und Floggen zu besorgen und der Fa. Motoport einen Besuch abzustatten. Die waren mir als Gespannhändler in Erinnerung, handeln aber mittlerweile nur noch mit Solomaschinen. Am späten Nachmittag bin dann auch ich wieder heil Zuhause angekommen.

Es war eine schöne und ereignisreiche Tour nach Wales. Mein besonderer Dank geht an Jules und Priya, die das Cottage angemietet haben und uns in der Woche wundervoll verpflegt und bewirtet haben. Bei Curd bedanke ich mich für die Fähr- und Tourenplanung. Und bei allen für die Geduld, die ihr mit dem unruhigen Igel hattet. Aber wenn ich in einer so schönen Gegend bin muss ich einfach auf dem Gespann sitzen und Motorradwandern.

Treffen-Infos:
www.conwymotorcycleclub.org.uk/Dragon-Rally
www.bvdm.de/et.html


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