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Der Flut trotzen – Motorradurlaub in der Eifel

aus Kradblatt 4/22, von Frank Sachau

Die Eifel • Nürburgring & mehr

Die Manderscheider Burgen zwischen den Flussschleifen der Lieser
Die Manderscheider Burgen zwischen den Flussschleifen der Lieser

Das idyllische Ahrtal wurde im vergangenen Jahr von der Flutkatastrophe stark getroffen, noch immer kann die ein oder andere Straße gesperrt sein und Umfahrungen nötig machen. Die vom Unwetter heimgesuchte  Region braucht nun Gäste und Umsätze, aber keine Gaffer oder Weltuntergangstouristen.

Ring frei zur nächsten Runde: Mit dem Motorrad die Höhen und Tiefen der Eifel ausloten und dabei das perfekte Tourenglück erfahren – flott unterwegs zwischen Mosel und Maaren, Weinbergen und Vulkanen. 

Dass der Motorrennsport und die Eifel untrennbar miteinander verbunden sind, erlebe ich am Ortseingang von Adenau. Im Zentrum eines Kreisverkehrs winkt mir eine stilecht mit Lederkappe und Schutzbrille bekleidete Puppe aus einem offenen Rennwagen freundlich zu. Dabei handelt es sich unverkennbar um den Nachbau eines der berühmten Silberpfeile, um die sich eine Legende rankt: Am Tag vor dem Eifelrennen im Juni 1934 überschreiten die Mercedes-Benz-Renner das zulässige Höchstgewicht um ein entscheidendes Kilogramm. Über Nacht, so erzählt man sich, wurde der weiße Lack in einer Garage am Nürburgring bis auf die Aluminiumhaut abgeschliffen und die Silberpfeile waren geboren. Die Werksfahrer Manfred von Brauchitsch und Luigi Fagioli konnten starten, von Brauchitsch wurde Sieger.

Ein breites Grinsen im Gesicht, biege ich am östlichen Ortsrand zur Hohen Acht (746 m) ab. Mit spielerischer Leichtigkeit winkle ich den bewaldeten Vulkankegel empor. 

Kloster Maria Laach am Laacher See
Kloster Maria Laach am Laacher See

Die nahe B 412 verschmähend, treibe ich meine Maschine durch mehrere Täler über Kesseling nach Heckenbach, um von dort aus windungsreich nach Ramersbach aufzusteigen. Dabei fast die 500-Höhenmeter-Marke geknackt, strebe ich nun südwärts, um auf einem parallel zur Bundesstraße verlaufenden Asphaltstreifen das Kloster Maria Laach anzusteuern. Das im 12. Jahrhundert gegründete Gotteshaus am Laacher See wurde überwiegend aus heimischen Baustoffen errichtet und zählt zu den bedeutenden romanischen Sehenswürdigkeiten Deutschlands. 

Niederzissen fliegt vorbei, Ramersbach ebenso. Tadelloser Teer lässt mich durch einen ausgedehnten Forst hinunter ins Ahrtal schwingen. 

Rückblende: Geteiltes Deutschland, Kalter Krieg, Ost-West-Konflikt, Schreckensvision Atomkrieg! Zwei unvollendete Eisenbahntunnel, nur 30 Kilometer von der damaligen Bundeshauptstadt Bonn entfernt, werden ab 1960 unter strengster Geheimhaltung zum Ausweichquartier der Bundesregierung umgebaut. Der 1971 fertiggestellte Bunker sollte 3000 Regierungsmitarbeitern Schutz vor Nuklearangriffen bieten. Mit der Wiedervereinigung überflüssig geworden und zurückgebaut, blieb ein kleiner Teil als Dokumentationsstätte erhalten. 

Was unter den steilen Weinbergen los war, weiß ich nun, schauen wir uns jetzt mal über Tage um. 

Motorradtour Eifel - Radioteleskop Effelsberg
Radioteleskop Effelsberg

Vermutlich brachten die Römer den Weinbau in diesen malerischen Teil der Eifel. Neben Rebhängen säumen Kirchen und Burgen meinen Weg entlang des mäandernden Flusses, dem ich in Kreuzberg vorerst adieu sage und gegen den Lauf des Sahrbachs das Radioteleskop Effelsberg anvisiere. Vom dortigen Parkplatz führt ein 700 Meter langer Fußweg in einen Talkessel, der seit 1972 den größten Parabolspiegel Europas vor irdischer Strahlung schützt. 

Deutlich kleiner und älter, dafür aber direkt mit dem Motorrad anfahrbar, ist der sogenannte Astropeiler Stockert, der zwischen 1955 und 1993 seinen Dienst bei Eschweiler, nördlich von Bad Münstereifel versah. Um zu ihm zu gelangen, muss ich anfangs einen Golfplatz überqueren und danach kariösem Teer bis zum Gipfelplateau folgen. 

Wieder in Bad Münstereifel angekommen, entschließe ich mich, das Naturschutzgebiet Münstereifeler Wald zu umrunden und erreiche auf lohnenden Umwegen erneut Effelsberg. 

Für den Rückweg zur Ahr habe ich mir ein Sahnestückchen auf der Generalkarte markiert – die Kehrenanlage oberhalb von Obliers. Sechs knackige Serpentinen lassen mich schnell an Höhe verlieren. Weil aber der Straßenbelag mehr als schlecht ist, muss meine Reiseenduro Nehmerqualitäten beweisen und ordentlich einstecken. 

Anschließend lässt mich die schmale, dreibogige Brücke von Liers trockenen Fußes die Ahr überqueren, doch statt rechts nach Adenau abzubiegen, schlage ich den Weg links zum Motorradtreff Café-Bistro-Ahrwind in Ahrbrück ein. Dort lasse ich mir einen stilechten Pausen-Cappuccino schmecken, dessen Milchschaumhaube mit einem Motorrad aus Kakaopulver verziert ist. Einfach klasse! Das Café hatte es bei der Flut auch getroffen, der Außenbetrieb wurde am 11.9.2021 aber bereits wieder aufgenommen.

ring werk - Das Motorsport-Erlebnismuseum am Nürburgring
ring werk – Das Motorsport-Erlebnismuseum am Nürburgring

Nachdem die weitere Route abgesteckt ist, begleite ich die Ahr noch ein kleines Stückchen bis Dümpelfeld und starte dann nach Adenau durch. Der Ort geizt weder mit historischem Fachwerk, noch mit Werbung für den nahen Nürburgring, als echter Hingucker entpuppt sich ein an einer Hauswand klebender roter Formel-Eins-Renner. Auf geht’s! 

Schon von Weitem erblicke ich die Nürburg, kein Wunder, thront sie doch auf dem zweithöchsten Berg der Eifel. Die Ursprünge der stolzen Festung reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, im Dreißigjährigen Krieg durch schwedische und später durch französische Truppen erobert und verwüstet, wurde sie bald aufgegeben. Bis heute prägt die mächtige Ruine die markante Silhouette des Motorsportortes, der seit Fertigstellung der ehemals 28 Kilometer langen „Gebirgs-, Renn- und Prüfungsstrecke“ im Jahre 1927 Rennsportbegeisterte aus aller Welt anlockt. 

Mich lockt das im nahen Barweiler gelegene Hotel Hüllen, dessen Wirt, Ralf Friedrichs, ein Faible für rassige Italienerinnen hat und daraus auch keinen Hehl macht. Er lässt sich nicht lange bitten und gewährt mir einen Blick in seine private Garage, wo die charismatischen Schönen in Reih und Glied stehen. Zum Glück ist der bekennende Ducati-Fan tolerant und beherbergt auch Fahrer anderer Motorradmarken.

Nach meinem gestrigen Ausflug in die Ahreifel steht heute eine Tour durch die Vulkaneifel an. Schon früh von der Morgensonne aus den Federn gelockt, schlage ich meinen Weg Richtung Gerolstein ein.   

Eine ehrliche Landstraße mogelt sich an sanften Kuppen vorbei und lässt mich abseits des Weilers Dohm über die Kyll hüpfen. Sie hat ihre Quelle im Grenzgebiet zu Belgien und begleitet mich in das für seine Mineralquellen bekannte Gerolstein. Schon die Kelten und Römer wussten die Qualität des kühlen Nass  zu schätzen, kein Wunder, dass seit 1724 das Mineralwasser abgefüllt und für gutes Geld verkauft wird. 

Schloss Bürresheim nordwestlich von Mayen
Schloss Bürresheim nordwestlich von Mayen

Aus dem von Bergflanken eingerahmten Verkehrsknotenpunkt schraube ich mich kurvenreich in nicht unbeträchtliche Höhen. Die ein Dutzend Kilometer messende Etappe durch den Forst Salm zum gleichnamigen Ort bereitet viel gute Laune, die bis zum „Brubbel“ in Wallenborn anhält. Dort ziehe ich nicht nur den Zündschlüssel, sondern auch das Porte­mon­naie, denn der Besuch des Kaltwasser-Geysirs ist kostenpflichtig. Die nette Dame an der Kasse mahnt zur Eile, der nächste Ausbruch stünde bevor! Neugierig und in respektvollem Abstand beobachte ich die von Steinquadern eingefasste Wasserfläche: Alle 35 Minuten steigen erst kleine Gasblasen auf, dann schäumt es, dann brodelt es und urplötzlich schießt eine bis zu vier Meter hohe Fontäne in die Luft. Und damit bin ich schon mitten im Naturpark Vulkaneifel angelangt. 

Die sehr gut ausgeschilderte Vulkan­straße nimmt mich mit zum Meerfelder Maar, das durch gewaltige Eruptionen vor zigtausend Jahren entstand, und dessen kreisrunder Kessel heute zu den größten der Eifel zählt. 

Malerisches Adenau
Malerisches Adenau

Zu den vielen Eifel-Highlights gehören auch die benachbarten Manderscheider Burgen. Zwischen den Flussschleifen der Lieser erheben sich die Ober- und die Niederburg. Die mittelalterlichen Festungen grenzen dicht aneinander, gehörten aber unterschiedlichen Herrschern, Grund für häufige Gewaltausbrüche. 

Ein gänzlich anderer Ausbruch formte die gigantische Lavabombe im nicht weit entfernten Strohn. Die Kugel aus erkalteter Lava misst fünf Meter im Durchmesser und wiegt rund 120 Tonnen. Der schwarze Brocken wurde vor 50 Jahren in einem nahen Steinbruch entdeckt. 

Motophil: Ralf Friedrichs, Inhaber des Hotel-Restaurant Hüllen
Motophil: Ralf Friedrichs, Inhaber des Hotel-Restaurant Hüllen

Es bleibt spektakulär! Auf meinem weiteren Weg rausche ich bei Gillenfeld am Pulvermaar vorbei. Was ihm an Fläche fehlt, macht es an Tiefe wett, zählt es doch zu den tiefsten Seen der Republik. 

Südlich der Kreisstadt Daun kurve ich wenig später um ein Trichtertrio, das Schalkenmehrener, das Weinfelder und das Gemündener Maar. Alles Vulkankrater, die im Laufe der Jahrtausende voll Wasser liefen und kreisrunde Seen bildeten. 

Der sich anschließende Abschnitt nach Ulmen kann unterschiedlicher nicht sein: Bis zur A 1 weit und freudlos, nimmt der Teer dann an Breite ab und streut Radien sämtlicher Güteklassen vors Vorderrad. 

Am Rande des Ulmener Maars sind die traurigen Reste der Burg zu erkennen, die nach dem verheerenden Stadtbrand von 1831 als Steinlieferant für den Wiederaufbau des Ortes herhalten musste. 

Im äußersten Osten des Naturparks angekommen, reizt mich ein Abstecher nach Cochem. Nach nicht ganz zwanzig Kilometern lassen mich mehrere Schleifen ins romantische Moseltal hinabstürzen. Hoch über dem Ort die mit Türmchen, Erkern und Zinnen überfrachtete Reichsburg. 

Dem quirligen Touristen-Hotspot Cochem entronnen, gehe ich in den Steigflug über und kehre ganz geschmeidig über Kaisersesch zurück in die Eifelhöhen. Das verträumte Städtchen Monreal ist einen Halt wert und wird von mir zu Fuß erkundet. 

Im Zeichen der Burg - die Nürburg. Benannt nach dem nahen Ring ;-)
Im Zeichen der Burg – die Nürburg. Benannt nach dem nahen Ring 😉

Wie in vielen anderen Tälern, müssen sich auch hier Schiene, Straße und Wasserlauf den Talgrund teilen. Während sich verwinkelte Fachwerkgassen dicht an den Elzbach schmiegen, haben die Ruinen der Philippsburg und der größeren Löwenburg die sonnigen Hänge für sich reserviert. 

Deutlich besser erhalten präsentiert sich mir ein paar Schaltvorgänge später die imposante Genovevaburg in Mayen. Das Wahrzeichen des Ortes thront, von einer wehrhaften Stadtmauer geschützt, über der Altstadt. 

Mehr als einen Schutzengel mussten die Bewohner von Schloss Bürresheim gehabt haben. Das historische Gemäuer im angrenzenden Nettetal überstand sämtliche Kriege und Revolutionen unbeschadet. Belagert wird es hin und wieder von der Filmindustrie, die das edle Gemäuer inmitten eines gepflegten Parks als lohnenswerte Kulisse für sich entdeckt hat. 

Nach so viel Kultur möchte ich mal wieder herzhaft am Kabel ziehen und elegant durch Kurven gleiten, da kommt die Landstraße nach Kirchwald gerade recht. Auf der Generalkarte mit grünem Beistrich versehen, erfüllt sie meine Erwartungen vollends. 

Noch vor Erreichen der B 412 komme ich an der Abzweigung zum Besucherbergwerk Bendisberg vorbei, eine riesige Seilscheibe und zwei Förderwagen machen unübersehbar auf die tief im Forst versteckte Grube aufmerksam. 

Ganz in der Nähe der Hohen Acht entlässt mich die windungsreiche Waldstrecke auf die Zufahrt zum Nürburgring. Bis 1927 fanden die Eifelrennen auf öffentlichen Straßen statt. Aus Sicherheitsgründen und zur wirtschaftlichen Belebung der armen Region wurde der ursprüngliche Parcours geschaffen. Außerdem sollte er den Fremdenverkehr ankurbeln. Und das tut er bis heute. 

Reise-infos:

Region: Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz

Allgemeines: Die Eifel ist Teil des Rheinischen Schiefergebirges und liegt im äußersten Westen Deutschlands zwischen Aachen, Trier und Koblenz. Das über 5.300 km² große Mittelgebirge wird von den Wasserläufen Rhein, Mosel, Rur und Sauer umschlossen und ragt bis zu 746 Meter auf (Hohe Acht), der nördliche Teil zählt zu Nordrhein-Westfalen, der südliche zu Rheinland-Pfalz. Die vielen kreisrunden Seen, die sogenannten Maare, belegen den vulkanischen Ursprung der Eifel. Von vielen Wasserläufen und Wäldern geprägt, überzieht ein dichtes Netz anspruchsvoller und kurvenreicher Landstraßen jene Region, die durch die 1927 erbaute Rennstrecke Nürburgring weltbekannt wurde. Die beschriebene Tour verläuft überwiegend auf Nebenstrecken, Fahrerfahrung und Kondition sind von Vorteil!

Streckenlänge: 425 Kilometer, Reisedauer: Drei Tage,
gpx-Daten stehen <hier> zum Download bereit

Anreise: Von Norden und Süden führt die A 1 heran, im Osten tangieren A 48 und A 61 das Tourengebiet

Informationen: Eifel Tourismus (ET) GmbH, Kalvarienbergstraße 1, 54595 Prüm
www.eifel.info, www.eifelbiker.dewww.eifel-motorrad-blog.de

Sehenswertes: • Dokumentationsstätte Regierungsbunker, Am Silberberg 0, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler, www.regbu.de
• Eifel-Vulkanmuseum Daun, Leopoldstraße 9, 54550 Daun, www.vulkaneifel.de

• ring°werk Motorsport-Erlebnismuseum, Nürburgring Boulevard 1, 53520 Nürburg, www.nuerburgring.de

Motorradtreff: Café-Bistro-Ahrwind, Hauptstraße 45, 53506 Ahrbrück, www.cafe-bistro-ahrwind.com

Hotel Hüllen in Barweiler
Hotel Hüllen in Barweiler

Unterkunft: Hotel Hüllen – Speed-Freaks finden ihr Mekka unweit des Nürburgrings: Denn Karla und Ralf Friedrichs schmücken ihr gastliches Haus stilsicher mit zahlreichen Devotionalien des Rennsports. Der positive Eindruck wird durch die komfortablen Zimmer, die ausgezeichnete Küche und den  aufmerksamen Service untermauert. Selbstverständlich sind Garage, Schrauberecke und Tourentipps. Hotel Hüllen, Hauptstraße 22, 53534 Barweiler, Fon 02691-7520, www.hotelhuellen.de


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