Grüße von der Sonnenseite …

aus Kradblatt 12/25 von Holger Janke

Mit der Fähre gehts von Italien nach Griechenland
Mit der Fähre gehts von Italien nach Griechenland

Wie oft habe ich bei schönen Motorradtouren hinten auf einem Wohnmobil lesen dürfen: „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum.“ Jedes Mal wenn ich dieses Wohnzimmer auf Rädern überholte, ging mir die alte Weisheit durch den Kopf: carpe diem – nutze den Tag! Ich genoss daraufhin das Motorrad, die Möglichkeit zu fahren und die Regionen, die ich erobern durfte, irgendwie bewusster. Ein besonderes Sehnsuchtsland blieb Griechenland und ich schwor mir, wenn ich einmal länger Zeit geschenkt bekäme, würde ich mich zu diesem Zipfel Europas aufmachen. Jetzt ist es soweit.

Da es schon Oktober ist und ich gerne zwei Fahrzeuge mitnehmen möchte, entscheide ich mich für den Kleinbus, in dem ich auch mit Matratze und Schlafsack übernachten kann. So habe ich es schon bei unzähligen Enduro-Events gemacht. 

Die Anfahrt nach Griechenland führt mich durch Deutschland, die Schweiz und Italien, wo ich mein Motorradgen füttere, indem ich in Mandello del Lario das GUZZI-Museum und in Pontedera bei Pisa das Piaggio-Museum, also Vespa, Aprilia, Gilera und andere bekannte italienische Zweirad-Marken, besuche. 

In Ancona erlebe ich eine abenteuerliche Verladung und setze dann mit der Fähre über. 

Auch das Griechische Küsten-Hinterland lädt zu Motorradtouren ein
Auch das Griechische Küsten-Hinterland lädt zu Motorradtouren ein

Schon auf der Schiff gilt griechische Zeit und Atmosphäre. Gut zur Eingewöhnung. Nach 24 Stunden Passage laufen wir mittags in der Hafenstadt Patras ein und ich werde auf den Peloponnes ausgespuckt. Hier stehe ich nun und muss mich erst einmal auf die Schrift und den Verkehr einstellen, denn beides bin ich anders als gewohnt. Griechenland ist zwar Europa, aber eben auch schon – gefühlt – Balkan. 

Die Orientierung ist allerdings kein Problem, denn alle Verkehrsschilder auf den Hauptrouten sind auch in der Schrift des Abendlandes ausgewiesen und an allen touristischen Begegnungsstätten sprechen die Menschen Englisch oder sogar Deutsch. Außerdem gibt es ja noch diverse Navigationssysteme, die sich sehr gut in Griechenland auskennen. Das ist hilfreich. 

Vor Ort beziehe ich mein Quartier und laden meine Zweiräder aus: einen HONDA SH 125 für die Kurzstrecken und meine alte MZ Baghira für die Erkundungsabenteuer. Beides bewährt sich schnell, denn zum Einkaufen fahre ich griechisch nur mit Helm und bekomme den Einkauf locker verstaut. In Asien transportiert dieses Gefährt oft die ganze Familie. Zum Enduroritt schlüpfe ich in meine Textilkombi, um auch sicher über Stock und Stein zu kommen. 

Alle Hauptrouten in Griechenland sind asphaltiert und der Grip der Straßen meist gut. Ich werde vor Ort nur gewarnt, an Regentagen oder im Dunkeln nicht zu fahren. Beides lässt sich leicht ohne das Gefühl der Einschränkung berücksichtigen. Die Nebenstrecken sind oft nur geschottert und wecken meine Abenteuerlust. Wobei ich abwägen muss, wie sehr ich es treiben möchte, denn ich bin allein unterwegs, das nächste Krankenhaus ist weit weg und auch nicht wie zuhause ausgestattet. Die gewohnte Pannenhilfe käme spät oder gar nicht – hier ticken die Uhren anders. Aber das ist eben auch der Reiz! 

Alles ist anders und ich fühle mich wie in einer anderen Welt – nicht nur weil ständig die Sonne scheint, Kakteen und Palmen den Weg säumen, sondern wegen dieser entspannten, zugewandten Gastfreundschaft im Land. Hellas ist auf jeden Fall eine Reise wert; für Motorradfans gerade zu dieser Jahreszeit! Ich bleibe erst mal eine Weile hier … 

Lasst Euch nicht stressen - schon gar nicht, wenn Ihr in Rente geht …
Lasst Euch nicht stressen – schon gar nicht, wenn Ihr in Rente geht …