aus Kradblatt 12/13
von Fred Zagrodnik
Solche Sätze wie „Jeder ist für seinen Hintermann verantwortlich, insbesondere nach dem Abbiegen“ oder „Der erste gibt Zeichen, wenn die anderen auch überholen können“ gehören eigentlich immer zu den Vorbereitungen einer Gruppenausfahrt mit Motorrädern. Geschuldet sind sie der Situation, dass es unterwegs immer wieder den Wunsch nach Abstimmung untereinander gibt, der sich während der Fahrt nicht so ohne weiteres mit Sprache befriedigen lässt.Neben einigen anderen Herstellern hat auch das US-amerikanische Unternehmen Cardo schon seit einiger Zeit diesen Bedarf erkannt und versucht, ihn mit Hilfe von kabellosen Kommunikationssystemen wie beispielsweise dem G9 zu befriedigen. Dabei schafft das PowerSet gleich für zwei Biker Abhilfe. Hier werden im handlichen Karton zwei bereits vorab miteinander gekoppelte Systeme ausgeliefert, die zum fast sofortigen Einsatz bereitliegen.
Natürlich stellt sich dabei dann auch schnell die Frage nach der Reichweite: Die vom Hersteller großzügig angegebenen bis zu 1,6 Kilometer konnten wir auf unseren Testfahrten, jedenfalls so gut sich dabei Entfernungen ermitteln lassen, nicht bestätigen. Aber auf der Autobahn und auf zwischen Wiesen dahin schwingenden Landstraßen ohne große Hindernisse haben wir Reichweiten von mehr als einem Kilometer festgestellt. Natürlich verkürzt sich diese Entfernung bei kurvenreichen Strecken zwischen Bergen oder Wäldern hindurch. Aber dennoch konnten wir selbst auf einer ausgiebigen Testfahrt mit immerhin 8 Motorrädern durch den Harz zu jeder Zeit und ohne Unterbrechung eine Sprachverbindung zwischen dem ersten und dem letzten Motorrad der Gruppe nutzen.Dabei hat uns insbesondere die Qualität der Übertragung überrascht und überzeugt: Wir hatten die Systeme sowohl in einem geschlossenen Integralhelm als auch in einem Klapphelm mit doppelter Homologation eingesetzt, so dass wir mit diesem zu Testzwecken auch schon mal kurze Strecken mit offener Klappe gefahren sind. Die dabei zu erwartenden Windgeräusche wurden vom System hervorragend herausgefiltert und haben die Verständlichkeit der Sprache nicht im Geringsten beeinflusst.
Das gilt sogar für hohe Geschwindigkeiten: Sowohl bei der An- als auch bei der Abreise in den Harz nutzen wir mit den beiden Testmodellen einen Autobahnabschnitt, um auch bei Geschwindigkeiten von mehr als 160 km/h die Sprachqualität zu testen. Dabei wurden die Windgeräusche, und zwar stark abhängig von der Geräuschkulisse des jeweiligen Helmes, zwar lauter, aber dennoch war es noch immer problemlos möglich, dass wir uns miteinander unterhielten.Bis zu 9 Teilnehmer soll man mit diesem System koppeln können, um sich im Vollduplex miteinander auszutauschen. Anders, als man es von Funkgeräten kennt, soll somit die zwischen zwei Teilnehmern funktionierende Übertragung beim gleichzeitigen Sprechen beider Teilnehmer auch mit allen neun möglichen Teilnehmern erfolgen. Das konnten wir nun nicht ausprobieren, haben diese Möglichkeit aber bereits mit zwei Teilnehmern genutzt und für angenehm befunden.
Nun sind die G9-Systeme nicht nur zur Kommunikation zwischen zwei Motorradfahrern gedacht, sondern ermöglichen darüber hinaus auch akustische Verbindungen zu Navigationsgeräten sowie Smartphones. Damit lassen sich zusätzlich zu den Display-Anzeigen bei geführter Navigation auch akustische Fahr- und Richtungshinweise kabellos übertragen, sofern das genutzte Navigationsgerät über einen Bluetooth-Ausgang verfügt.
Es sind sogar Telefongespräche während der Fahrt möglich, wobei uns dies höchstens für eingehende Anrufe praktikabel erscheint: Bei abgehenden Anrufen erfolgt der Wählvorgang mittels umschaltbarer Sprachsteuerung über die im Handy hinterlegten Kontakte, allerdings haben hier verschiedene Handys mit ihren unterschiedlichen Menüs und Empfindlichkeiten für Sprachbefehle einen großen Einfluss auf die Handhabbarkeit. Und ganz ehrlich: Wer unterwegs mal telefonieren muss oder will, sollte vielleicht eh besser anhalten, um nicht sich und andere durch die damit einhergehende Ablenkung zu gefährden.
Verfügt das Navigationsgerät darüber hinaus auch über den A2DP-Standard, kann man sich während der Fahrt über das G9 auch mit überraschend guter Klangqualität mit abgespeicherter Musik verwöhnen lassen. Das gleiche gilt natürlich auch für Musik, die auf ebenfalls koppelbaren Smartphones abgelegt ist. Allerdings sollten Klangfetischisten berücksichtigen, dass der verwendete Helm (Luftdurchlässigkeit, Geräuschdämmung etc.) und auch die Soundqualität der verwendeten Musikquelle jeweils großen Einfluss haben, wie wir an unseren beiden Helmen und den unterschiedlichen im Einsatz genutzten Smartphones feststellten.Wer seine Fahrt nicht nur mit musikalischer Untermalung abrunden sondern sich auch mit aktuellen Verkehrsinformationen versorgen möchte, ist mit dem G9 ebenfalls gut aufgestellt, verfügt es doch über ein integriertes UKW-Radio. Hier sollte man hinsichtlich der Empfangsqualitäten allerdings nicht vergessen, dass diese immer von der Antennenleistung, die bei einem Bluetooth-Headset schon wegen der geringen Größe eingeschränkt wird, abhängig ist: Speziell in engen Tälern kann der Radio-Empfang also verständlicherweise schon mal in die Knie gehen.
Der Test wurde durchgeführt von Fred Zagrodnik
Besucht Freds Website unter www.motorrad-tourer.com. Dort gibt es viele interessante Artikel und Informationen rund ums Motorrad. Die Website von Cardo findet ihr <hier>.
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