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Brixton Crossfire 500 – Modell 2020

aus Kradblatt 11/20 von Thorsten Thimm, tt-motorbikeblog.com

Leicht & Cross …

Brixton Crossfire 500 auf der Landstraße
Mit der Brixton Crossfire 500 auf der Landstraße unterwegs …

Ein englischer klingender Name, dazu österreichische Wurzeln und die chinesische Fertigung, was kann da noch für mehr Zündstoff sorgen? Ganz genau: gar nichts. Hinzu kommt eine Modellbezeichnung, die praktisch das Feuer schon in sich trägt. Mit der Crossfire 500 und ihrer Schwester Crossfire 500 X stößt die KSR-Group aus dem niederösterreichischen Krems erstmalig in neue Sphären vor. Bisher hatte man seinen Fokus eher auf die 125 und 250 ccm Klasse gelegt. Mit der Crossfire ändert sich dies nun schlagartig, denn die Neue hat weitaus mehr zu bieten als nur das Doppelte an Hubraum, sie kommt mit guter Ausstattung und A2 tauglichen 35kW/
48 PS daher. Man will sich keinesfalls gegenüber der Konkurrenz lumpen lassen, was der erste Kontakt auch sofort bestätigt.  

Brixton Crossfire 500 - FrontNach der ersten Präsentation der Prototypen, 2018 auf der EICMA, nahm man sich im KSR eigenen Designcenter noch einmal ein wenig Zeit und entwickelte, anders als bei den kleinen Modellen der Marke, von Grund auf das komplette Motorrad inklusive Motor. Daher trägt dieses Bike seinen wassergekühlten Reihentwin mit 486 ccm, versetzten Hubzapfen und 43 Nm bei 6750 U/min stolz im stabilen Stahlrahmenkonstrukt. Und ganz ehrlich, das darf sie auch, denn die Maschine macht vom ersten Druck auf den Starterknopf an einen Heidenspaß. Außer dem quirligen Motor trägt unter anderem das knackig zu schaltende 6-Gang Getriebe und die 17 Zoll Bereifung zu diesem grandiosen Fahrgefühl bei. Dabei achteten die Ingenieure auf Handlichkeit, montierten vorne einen 120er Reifen auf die stylischen Speichenfelgen und hinten einen nicht zu breiten 160er. Gute Voraussetzungen also für die flinke Kurvenjagd.

Brixton Crossfire 500 - Sitzposition
Die Sitzposition taugt auch für kleinere Menschen

Und wo wir schon bei der Zahl 160 angekommen sind, das ist auch die Nummer, die die Höchstgeschwindigkeit der Halbliter-Brixton definiert. Recht flott möchte man meinen, daher wird das 180 Kilogramm leichte Motorrad (Leergewicht) im Fall der Fälle von zwei Bremsscheiben mit einem von Bosch produzierten 9.1 ABS-System wieder sicher eingefangen. Die vom spanischen Hersteller J.Juan verbaute Bremsanlage verfügt dabei über einen modernen, voll einstellbaren Bremshebel und Stahlflex­bremsleitungen an der Vorderrad- und der Hinterradbremse. Alles in allem also gut fürs Verzögern. Doch der Hebel braucht ein bisschen mehr Handkraft als anfangs gedacht, um mit der radial verschraubten Zwei-Kolben Bremszange die 320 mm Einzelscheibe vorne richtig in die Zange zu nehmen. Hat man sich aber erst mal dran gewöhnt, funktioniert das sehr gut. 

Scheinwerfer der Brixton Crossfire 500
Kleine Details erfreuen den Betrachter

Damit endet bei dieser Brixton allerdings auch schon alles an elektronischer Helferschaft. Ride Pure gilt und das ist wie schon gesagt mehr als erfrischend, denn überschaubare Lenkerarmaturen und Schalter lassen mehr Platz für die Konzentration auf das Wesentliche, nämlich das Fahren.  

Wie ich bereits einleitend schrieb, möchte sich Brixton keinesfalls lumpen lassen. Daher sind die vom japanischen Hersteller Kayaba/KYB entwickelten Fahrwerkselemente ebenfalls einstellbar – die Gabel in der Druckstufendämpfung, das Zentralfederbein in Vorspannung und Zugstufendämpfung. Die Upside-down-Gabel harmoniert sehr gut mit dem Monofederbein am Heck und gerade im engen Landstraßenbetrieb findet man damit eine sportlich, aber nicht zu straffe Abstimmung, die ein ums andere Mal die Funken der Fußrastennippel über den Asphalt prickeln lässt. Untermalt wird das alles von einem angenehmen „Brrrraaaapp-Sound“ des Halblitertwins. Gefertigt ist die Auspuffanlage aus Edelstahl. Eine gelungene Komposition, die aber leider einen winzigen Haken hat. Trotz aller sauberer und korrekter Entwicklung hat man nicht mit den merkwürdigen Gesetztesvorgaben im eigenen Land rechnen können. Reden wir nicht lange drum herum, die Crossfire hat ein eingetragenes Standgeräusch von 96 dB und damit ein Dezibel mehr als zurzeit auf einigen Strecken in Tirol erlaubt ist (Stand 10/20, das Fahrverbot galt zunächst zwischen dem 10. Juni und dem 31. Oktober 2020). 

Doch sind wir ja nicht in Tirol und daher vergisst man als Fahrer recht schnell dieses kleine Problem. Denn zum Glück gibt es ja genügend Strecken, für die keine Einschränkung besteht und auf denen man sie spielerisch über ihren breiten Lenker von Kurve zu Kurve zirkeln kann. Bei mir zuhause im Odenwald macht es jedenfalls eine Menge Freude und die werksseitig montierten (italienischen) Pirelli Angel GT tragen ihren Anteil zum guten Fahrgefühl bei. 

Nicht spiegelfrei, der Tacho der Brixton Crossfire 500
Nicht spiegelfrei, der Tacho der Brixton
Zweizylinder der Brixton Crossfire 500
Der Zweizylinder bietet genug Leistung für den Alltag

Kleine Leute wie ich können sich zudem wirklich auf die Brixton freuen, denn bei einer Sitzhöhe von 795 mm sitzt es sich bei festem Stand und auf der straff gepolsterten Sitzbank der Crossfire 500 angenehm tief und entspannt. Die Knie finden dabei einen sauberen Schluss zum 13,5 Liter fassenden „X-Tank“, einem der Markenzeichen der Marke. Auch der Kniewinkel fällt für mich mit 172 cm nicht zu eng aus. Langgewachsene Menschen sollten sich hier etwas mehr Zeit nehmen und nicht nur fünf Minuten Probe sitzen, sondern einmal ausgiebig mit der Maschine fahren. Dabei werden ihnen auch die vielen anderen Feinheiten der Crossfire ins Auge fallen. Denn nicht nur der Bremshebel ist einstellbar, beim Kupplungshebel geht das auf die gleiche Weise.  

In Sachen passiver Sicherheit setzt man auf moderne LED-Technik rundum, Tagfahrlicht inklusive, zudem wunderschön verpackt und mit einem stylischen Touch, der Farbe in das sonst klassisch wirkende Bike bringt. 

Weniger klassisch ist dabei allerdings leider das LCD-Instrument. Einfach aufgebaut hat es alle nötigen Funktionen wie Kraftstoff-, Fernlicht- und Blinkeranzeigen, Leerlauf, Kilometerzähler, Uhr, Öldruck, Batterieladekontrolle, ABS-System, Kühlmitteltemperaturalarm und Ganganzeige parat. Es steht aber designbedingt einfach viel zu flach und ist in der direkten Sonne nicht gut ablesbar. Ein Punkt, an dem man wohl noch arbeitet, wie ich erfahren durfte.  

Arbeitsplatz des Fahrers - Brixton Crossfire 500
Aufgeräumter Arbeitsplatz ohne viel Spielkram

Noch immer soll es ja engstirnige Menschen geben, die Motorräder aus chinesischer Produktion nicht leiden können oder mit Vorurteilen belastet sind. Und auch wenn die Crossfire in Österreich entwickelt wurde, wird sie nun einmal in China produziert – Deutsche, Spanier, Japaner und Italiener tragen zudem ihren Teil dazu bei. Nachteile in der Funktion, der Verarbeitung und der Qualität konnte ich nicht feststellen. Alle Bauteile sind ordentlich verschraubt und zur Sicherheit mit einem Farbklecks markiert, die Schalter und Bedieneinheiten am Lenker sind solide und runden das Gesamtbild der Crossfire nach oben hin ab. Ein echtes Gimmick ist der Schlüssel, der sich zusammenklappen lässt und wirkt wie ein klassisches Taschenmesser aus der Jugend. 

Brixton Crossfire 500 X-Shape Tank als Markenzeichen
X-Shape Tank als Markenzeichen

Fazit: Mit der Brixton Crossfire 500 und der Crossfire 500 X gibt man in Krems richtig Gas, denn wirkliche Schwächen weist die Maschine nicht auf und punktet außerdem durch ihre spritzige Art. Der Verbrauch auf der Probefahrt lag bei sparsamen 3,1 und 3,5 Litern, Brixton gibt 4 Liter/100 km an. Ob als Erst- oder Zweitmotorrad, als Maschine für Anfänger oder für jung gebliebene Biker, ihr Spektrum umfasst sie alle. Die Crossfire wartet bei den Brixton-Vertragshändlern auf Menschen, die die Einfachheit einfach lieben und gerne mit einem Lächeln durch die Lande fahren. Lieferbar sind beide Varianten in den Farben „Bullet silver“ und „Back­stage black“.

Zur Einführung liegen die Preise in Deutschland bei 5.999 Euro für die Crossfire 500 bzw. 6.299 Euro für die Crossfire 500 X. Die Garantiezeit beträgt zwei Jahre mit der Option, sie auf fünf Jahre zu erweitern. Das dürfte auch bei Skeptikern Vertrauen schaffen.


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