aus Kradblatt 9/26 von Torsten Thimm

Das Multi-Tool – einer für alles?

Touratech Aventuro Travel Carbon, ein Klapphelm für Abenteurer
Touratech Aventuro Travel Carbon, ein Klapphelm für Abenteurer

Auf den ersten Blick macht der Aventuro Travel Carbon klar, woher der Wind weht. Adventure-Optik, markanter Schild, Carbon-Schale und eine Erscheinung, die förmlich nach Fernweh, Schotterpisten und großen Reisen schreit. Doch hinter der robusten Fassade steckt deutlich mehr als ein weiterer Endurohelm. Touratech hat sich gemeinsam mit dem portugiesischen Helmhersteller Nexxpro (Eigenmarke Nexx Helmets)  der Aufgabe angenommen, die Vorteile eines Adventure-Helms mit dem Komfort eines modernen Klapphelms zu vereinen.

Der Schieber für die Sonnenblende ist sehr gut erreichbar
Der Schieber für die Sonnenblende ist sehr gut erreichbar

Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Der Aventuro Travel Carbon kombiniert das große Sichtfeld, die hervorragende Belüftung und den Sonnenschutz eines Adventure-Helms mit den praktischen Eigenschaften eines Klapphelms. Gerade für Brillenträger wie mich oder Reisende, die unterwegs häufiger fotografieren, navigieren oder mit Einheimischen kommunizieren, ist das ein echter Gewinn. Denn seien wir ehrlich, wer schon einmal in voller Montur an einer Tankstelle versucht hat, mit geschlossenem Helm nach dem Weg zu fragen, weiß, dass selbst einfache Ortsnamen plötzlich wie Altgriechisch klingen können. Und zum Helm abnehmen bin zumindest ich hin und wieder einfach zu faul. 

Herzstück des Helms ist die X-PRO-Carbonfaserschale. Die Konstruktion basiert auf Technologien aus der Luft- und Raumfahrt und nutzt hochwertiges 3K-Carbon für maximale Stabilität bei geringem Gewicht.

Mit rund 1.725 Gramm bewegt sich der Aventuro Travel Carbon trotz Klappmechanismus und umfangreicher Ausstattung auf einem relativ leichtem Niveau. Noch wichtiger ist jedoch das Sicherheitsgefühl. Die aktuelle ECE 22.06-Zertifizierung sowie die zusätzliche DOT-Zulassung unterstreichen den hohen Sicherheitsanspruch des Herstellers.

Wer viele Kilometer fährt, so wie ich, der weiß: Nicht die Geschwindigkeit macht müde, sondern der Lärm. Genau hier spielt der Aventuro Travel Carbon seine Stärken aus. Die doppelte Visierdichtung des „Silent Travel Seal Systems“, spezielle „Anti-Noise-Wangenpolster“ und die ausgeklügelte Aerodynamik sorgen für ein angenehm ruhiges Fahrerlebnis. Selbst bei erschwerten Voraussetzungen, wie bei meiner BMW R 1200 R mit Classic Trophy Verkleidung, macht der Helm eine gute Figur. Allerdings erst, nachdem ich das Sonnenschild demontiert hatte. Dieses sehr flexible Teil verursacht auf langen Autobahnetappen zu viel Unruhe und meine Konfiguration bedeutet weniger Stress, weniger Ermüdung und deutlich mehr Fahrspaß. Oder anders formuliert. Ich höre den schönen Klang des Motors oder den Sound aus den JBL-Lautsprechern des Cardo anstatt permanenter Windkonzerte in Dolby Surround.

Die Belüftung überzeugt hingegen voll. Wir kennen ja das Problem: Morgens fährt man bei zehn Grad los, mittags steht man bei 35 oder 40 Grad in den Lavendelfeldern von Valensole. Dazwischen 15 kleine Orte mit Markt, Stau und Motorhitze. Das ausgeklügelte Belüftungssystem führt Frischluft gezielt durch den Helm und transportiert warme Luft effektiv nach außen. Selbst erfahren und getestet funktioniert hier nicht nur der Text wie ein Werbespruch des Herstellers, sondern das System tatsächlich superb. Besonders interessant ist dabei die patentierte zentrale Luftstromkammer, die Luft zwischen den EPS-Schichten zirkulieren lässt. Zusammen mit den schnell trocknenden „X-MART DRY-Polstern“ entsteht so ein Klimakomfort, der selbst bei hohen Temperaturen überzeugt. Ein Pinlock 70 hält das Visier beschlagfrei.

Über den roten Schalter lässt sich das Kinnteil verriegeln und der Helm legal offen fahren (P/J)
Über den roten Schalter lässt sich das Kinnteil verriegeln und der Helm legal offen fahren (P/J)

Was den Aventuro Travel Carbon für mich persönlich zu einem meiner absoluten Lieblingshelme macht, ist neben der Passform und dem fluffigen Innenfutter seine enorme Vielseitigkeit. Kaum ein anderer Helm bietet aktuell eine vergleichbare Flexibilität bei Anbauteilen und Konfigurationen. Und ja ich weiß, manch einer will einfach nur Motorrad fahren. Allerdings werden hier einfach zu montierende Kamerahalterungen mitgeliefert und Intercom-Systeme lassen sich sauber nachrüsten. Die Peak-Verlängerung kann angepasst oder entfernt werden und selbst die Nutzung als Jethelm ist dank P/J-Homologation offiziell möglich. Damit ist es dann auch egal ob es der Alpenpass, die Schottertour, Autobahnetappe oder der Stadtverkehr ist, der Helm passt sich meinem Einsatzzweck an und nicht umgekehrt.

Fazit: Für mich ist der Touratech Aventuro Travel Carbon weit mehr als nur ein weiterer Adventure-Helm. Aus meiner Sicht verbindet er moderne Sicherheit, hohen Komfort, exzellente Belüftung und bemerkenswerte Alltagstauglichkeit in einem durchdachten Gesamtpaket. Beeindruckend ist dabei die Vielseitigkeit. Adventure-Helm, Tourenhelm, Klapphelm und bei Bedarf sogar Jethelm.

Leider hat Touratech nur sechs Verkaufsstandorte in Deutschland, davon aktuell keinen in Norddeutschland. Infos gibt’s also online unter www.touratech.de. Dort findet man den Touratech Aventuro Travel Carbon in den Größe S bis 3XL zum Preis von 749 €. Das von mir gefahrene Dekor ist offenbar ein Auslaufmodell und aktuell (noch) im Touratech Ebay-Store für 499 € erhältlich. Mit weiteren Dekoren findet man den Helm übrigens auch als NEXX X.LIFECOUNTRY im Handel.