Stadler-Modul-Evo-Tour

Ausprobiert: Stadler Modul EVO Tour

aus Kradblatt 2/18
von Torsten Thimm

Der Zwei-in-Eins-Anzug: Stadler Modul EVO

Stadler kann auch Sondergrößen Seit mehr als 40 Jahren produziert das Familienunternehmen Stadler im bayrischen Aidenbach Motorradbekleidung auf höchstem Niveau.

1971 von Johann Stadler gegründet, begann man bereits Mitte der siebziger Jahre damit, Motorradbekleidung aus Leder zu schneidern. Diese Lederkollektionen wurden Anfang der Neunziger durch eine Textilbekleidungslinie ergänzt. Nachdem man 1991 die Lizenz zur Nutzung der GORE-TEX® Membran bekam, verwendete Stadler dieses Material zuerst für Bekleidung im Behördenbereich, bevor Hans Jürgen Stadler als zweite Generation, in den Familienbetrieb einstieg und es Mitte der neunziger Jahre für den zivilen Bereich salonfähig machte.

Nach der Umfirmierung im Jahr 2007 wurde aus der Stadler KG eine GmbH und Hans Jürgen Stadler übernahm die Führung des Unternehmens. Gleichzeitig eröffnet die Firma in Osteuropa eine weitere Produktionsstätte.

2013 investiert das Unternehmen noch einmal 2,8 Millionen Euro in die Modernisierung des Stammwerkes, um es für die Zukunft auf feste Fundamente zu stellen. Seither kümmern sich in Aidenbach und im Zweitwerk in Kroatien über 70 Mitarbeiter, um die Zufriedenheit der Kunden und um einen reibungslosen Ablauf im Hause.

Dass das viel Arbeit ist liegt auch daran, dass Stadler nicht nur Standardgrößen verkauft, sondern ebenso Sonderanfertigungen in jedwede Richtung anbietet. Eben genau ihrem Credo folgend: Das Produkt richtet sich nach dem Fahrer – nicht umgekehrt. Zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn, oder auch untersetzt, all das gibt es hier nicht. Viele Modelllinien lassen sich nach dem Gusto des Fahrers passend schneidern. Dazu kann sich der Kunde selbst, via Datenblatt von Stadler zu Hause vermessen, oder aber direkt beim kooperierenden Fachhändler professionell seine Maße bestimmen lassen.

Der neue Anzug

Stadler Evo - als wasserdichtes, atmungsaktives Komplettsystem.Motorradbekleidung an sich ist ja bekanntermaßen ein immer wiederkehrendes und sehr abendfüllendes Stammtischthema. Daher ist die richtige Passform einer Kombi, oder eines Zweiteilers ein wichtiger Aspekt. Ob Leder, Cordura, Jeans, oder was auch immer. Die Auswahl und Kombinationsmöglichkeiten der Materialien sind so umfassend, wie es verschiedene Typen und Motorräder auf der Straße gibt. Und auch wenn die besten Textilkombis noch immer nicht an die Abriebwerte von Leder herankommen, haben sie doch einige Vorteile gegenüber der Tierhaut.

Ein Höchstmaß an Flexibilität und Wasserdichtheit waren z. B. zwei Gründe, die für mich zu Beginn der Motorradsaison 2017, bei der Neuanschaffung im Vordergrund standen. Die alten Klamotten, waren mittlerweile abgetragen, nicht mehr wasserdicht und trugen die äußerlichen Wunden der letzten Jahre mit sich. So landete ich nach einiger Recherche im Internet, auf der Homepage von Stadler und auch auf ihrem Kaufberatungstool. Fix waren die einzelnen Abfragepunkte im Modul durchgeklickt und am Ende gab es zwei mögliche Modellvarianten die meine Bedürfnisse abdeckten.

Stadler Modul EVO alternativ als luftiger SommeranzugMeine Wahl fiel auf die Tour Variante, aus dem Modul EVO System des Herstellers. Einem System, das so ganz anders arbeitet, als die Systeme, die ich bis dato kannte. Während die meisten Hersteller eine Regenmembran und ein Innenfutter, zum Teil herausnehmbar, in der Jacke bzw. Hose verbauen, besteht das EVO System aus einem Sommeranzug, kombiniert aus CORDURA® 500, CORDURA® Air, dynatec® Reflex, dynatec® Air, mit einem Netzfutter darin. In ihm sind zudem die CE-geprüften Protektoren untergebracht, sowie eine Materialdoppelung an den neuralgischen Stellen, im Schulter- und Ellenbogenbereich. Auch bei der Hose, die natürlich gleichermaßen aufgebaut ist, hat man neben den Protektoren, in Hüfte und Knie, Verstärkungen eingebaut, die im Falle eines Falles den Schutz erhöhen. Damit fährt man bei sommerlichen Außentemperaturen mit einem absolut winddurchfluteten, aber sicheren Gefühl durch die Landschaft, mit Ausnahme des Brustbereiches. In diesem gefährdeten Körperbereich, könnte man nicht nur bei Stadler, sondern auch bei 90% der übrigen Hersteller noch einmal in sich gehen und schauen wie man den Schutz z. B. mit Protektoren verbessern könnte. Neben dem sonst tadellosen Tragekomfort, runden zwei wasserdicht konstruierte Außentaschen, zwei Brusttaschen, eine Armtasche und eine Innentasche das Ganze ab. Und auch in der Hose findet sich in den zwei Cargotaschen an den Beinen und den zwei normalen Taschen im Hüftbereich genügend Stauraum, um seine Utensilien unterzubringen.

Die Taillienweite lässt sich körpernah justieren, die Protektoren sitzen im Innenanzug. Nun fahren die meisten Motorradfahrer einschließlich mir ja nicht nur bei Sonne und warmen Temperaturen durch die Gegend! Wird es gegen Herbst hin kühler draußen, oder beginnt es gar zu regnen, wird die Sommerkombi durch ein dreilagiges GORE-TEX® Laminat in Form einer Außenjacke und Hose ergänzt. Sie stellen die Dichtheit in Sachen Wasser und Wind des EVO Systems her. Man zieht sie einfach über den Sommeranzug und damit eben andersrum, als bei den meisten sonst bekannten Systemen und verbindet die beiden Schichten via Druckknopf miteinander. Der daraus resultierende Komplettanzug wirkt anfangs steif, doch daran gewöhnt man sich recht schnell, da es den Gesamtkomfort nicht sonderlich einschränkt. Ganz im Gegenteil sogar, denn durch die Steifigkeit hat der Anzug den Vorteil, dass er auch bei höherem Tempo nicht herumflattert und Unruhe ins Fahrwerk bringt. Durch das Dreilagenlaminat der Außenhaut, kann sich außerdem die Regenmembran nicht so schnell durchscheuern, was das Ganze auf Dauer natürlich haltbarer macht. Was bleibt ist das Gesamtgewicht von rund sieben Kilogramm, wobei die Hauptlast mit fünf Kilo auf der Innenkombi liegt. Sieht man es jedoch aus dem Sicherheitsaspekt heraus ist es klar, Knautschzone in Form der Protektoren wiegt halt etwas, da geht trotz Meshgewebe kein Weg dran vorbei.

Stadler Modul Evo - Außen- und Innenhose sind schnell kombiniert Und die Außenkombi? Zwei Kilo Gewicht sind kein Problem, doch während die Außenjacke im Brust-, Rücken- und unteren Achselbereich reichlich Belüftungsschlitze aufweist, kommt die Hose vollkommen ohne Belüftung daher. Das hat zur Folge, dass es bei sommerlichen Temperaturen in längeren Tourpausen zu reichlich Wärmeentwicklung unter den Laminatschichten kommen kann. GORE-TEX hat bekanntlich seine Grenzen. Allerdings birgt eine solche Belüftung auch immer die Gefahr, ein vorher dichtes System undicht zu bekommen. Die Außenhose verfügt über keinerlei zusätzliche Taschen. Die Jacke hingegen punktet mit zwei weiteren, wasserdicht konstruierten Außentaschen, einer Armtasche, einer wasserdichten Blendentasche, einer ebenfalls wasserdichten Innentasche, sowie einer Tasche, die innenliegend im Futter integriert und mit einem Tragegurt ausgestattet wurde, um die Laminat-Außenjacke zu verstauen.

Stadler Modul Evo - Die Außenjacke lässt sich in sich selbst verstauen. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Man legt die Außenjacke lediglich links herum zusammen, stülpt das Innenfutter darüber und hat ruckzuck ein handliches Bündel zum Umschnallen. Ja richtig gelesen, ein Bündel zum Umschnallen um die Hüfte. Da die Hose aber nicht mit in diese Tasche passt, sieht es in der Praxis so aus, dass die Außenhaut zumindest bei mir im Topcase, oder der Hecktasche des Mopeds verstaut ist. So ausgerüstet lässt es sich zu jeder Jahreszeit einwandfrei Touren, ohne Angst zu haben von Wetterkapriolen überrascht zu werden.

Mein Fazit nach bisher 5000 km mit dem Anzug lautet: Die Tour EVO Kombi ist mir in jeder Hinsicht ihren Preis von rund 2150 Euro wert. Nicht nur, dass sie wasserdicht und atmungsaktiv ist, auch ihre Variabilität und ihr Stauraum mit den vielen durchdachten Taschen zeichnen sie aus. Mit der Zeit gewöhnt man sich an den etwas steifen Tragekomfort und das Gewicht des Komplettsystems und spürt stattdessen die Sicherheit, die man sich als Motorradfahrer im täglichen Gebrauch einer solchen Kombi wünscht. Denn sie ist und bleibt nun einmal die einzige Knautschzone die wir aktiv auf dem Zweirad besitzen.

Weitere Infos, eine Online-Kaufberatung und den Händlernachweis gibts unter www.stadler-bekleidung.de oder unter der Telefonnummer 08543-96200 im bayrischen Aidenbach. Wie bei allen hochwertigen Produkten empfiehlt sich auch hier der Gang zum Fachhändler mit persönlicher Beratung.



Kommentare

Kommentar hinzufügen

* Pflichtfelder

Keine Kommentare zu :
“Ausprobiert: Stadler Modul EVO Tour”