Kombi mit „over & under Prinzip“

aus Kradblatt 12/25 von Marcus Lacroix

Held Hakuna Matata 3
Held Hakuna Matata 3

Den Ausspruch „Hakuna Matata“ kennen wir spätestens seit Disneys „König der Löwen“. Frei aus Swahili übersetzt bedeutet es „Alles in bester Ordnung“. Held legte Ende 2024 die Latte für seine Textilkombi Hakuna Matata also direkt hoch und das schon in der 3. Generation.

Die Hakuna Matata 2 hat seit 2017 diverses Lob eingeheimst, persönlich konnte ich sie aber noch nie ausprobieren. So freute ich mich sehr, dass die Firma Held uns die Hakuna Matata 3 zum intensiven Ausprobieren zur Verfügung gestellt hat – ab Sommer 2025 war sie dann auch endlich in schwarz lieferbar. 

Auch wenn die Farbe aus Sichtbarkeitsgründen (und zum Fotografieren) nicht empfehlenswert ist, mag ich sie einfach am liebsten. Wahlweise sind noch die Varianten grau-schwarz, grau-blau und sand-braun lieferbar. Jacke und Hose sind neben den Standardgrößen S bis 5XL auch in Lang- und Kurzgrößen sowie als Damen-Schnitt verfügbar. Preislich spielt die Textilkombi im mittleren Segment: Jacke 499,95 €  und Hose 419,95 €, jeweils UVP.  

Jacke und Hose bestehen aus Cordura RipStop 500D, sind also sehr belastbar und langlebig. Stretch verbessert an verschiedenen Stellen Sitz und Komfort. Vielfach bewährte, angenehm zu tragende D3O Protektoren sind an Ellenbogen, Schultern, Knien und Hüfte verbaut. Am Steißbein und am Rücken sind Protektoren nachrüstbar – ein Punkt, den ich begrüße, da ich meistens mit separater „Schildkröte“ (Rückenprotektor) oder AirBag-Weste unterwegs bin.

Umfangreiche und funktionelle Belüftung
Umfangreiche und funktionelle Belüftung

Was die Hakuna Matata 3 direkt von anderen Textilkombis unterscheidet, ist das „over & under Prinzip“, wie Held es im Erklärvideo auf YouTube nennt. Die Sympatex-Membran, die über Reißverschlüsse in der Kleidung fixiert ist, kann sowohl drunter als auch drüber getragen werden. Die Membran der Jacke eignet sich zudem als leichter Blouson, bei einem Spaziergang Abends am Urlaubsort. 

Die Membran der Jacke passt komfortabel in die Rückentasche, die der Hose muss man allerdings separat unterbringen. Tourenfahrer – und vorwiegend diese werden wohl Textilkombis fahren – haben aber ja meisten Koffer oder einen Tankrucksack dabei. Interessant ist das over & under Prinzip, wenn man im Sommer vorwiegend ohne Membran unterwegs ist, um die Belüftung bestmöglich zu nutzen. Kommt man in einen Regenschauer, zieht man die Membran einfach wie eine Regenkombi drüber. Zusätzlicher Vorteil: das Obermaterial kann sich nicht vollsaugen. An kühleren Tagen lässt man die Membran eingezippt, die dann auch als Windblocker arbeitet. 

Eine weitere Besonderheit ist die Held Clip-in Technology. Kleine blaue Laschen verstecken sich an verschiedenen Stellen in der Kombi. Über diese lässt sich die Kombi entsprechend der persönlichen Bedürfnisse aufrüsten. Held bietet hier z.B. AirBag-Westen oder ein Thermofutter an. Auch um einen Sturmkragen mit Kapuze lässt sich die Jacke erweitern. Sinnvoll ist angesichts der Ausstattungsmöglichkeiten der Kauf und die Beratung im Fachhandel. Dort erfuhr ich z.B., dass die roten Druckknöpfe – deren Sinn sich mir erst nicht erschloss – die AirVent-Öffnung der Reißverschlussabdeckleiste offen halten. Auch eine Anprobe im Fachhandel ist empfehlenswert, denn die Hose musste ich, anders als erwartet, in Größe S nehmen. Bei der Jacke passt mir (69 kg / 174 cm) Größe M.

Die Abdeckungen vor dem Mesh werden einfach versenkt
Die Abdeckungen vor dem Mesh werden einfach versenkt

Bei der „Hakuna Matata 3 Base Tourenhose“  – so der volle Name – gefallen vor allem der (bei mir) sehr gute Sitz, die Beintaschen und die Weitenverstellung am Stretch-Bund. Wem die Verstellung nicht reicht: „Snap Brace“ Hosenträger für die vorhandenen flachen Knöpfe sind für 39,95 € lieferbar. Anti-Rutsch-Besatz am Po und großflächig an den Innenseiten der Knie gefallen beim Tourenfahren ebenso wie Offroad, beim Fahren im Stehen. Kleiner Kritikpunkt ist der relativ enge Schnitt an den Unterschenkeln. Zwar passt die Hose gut über Tourenstiefel, bei Adventure Boots oder gar Crossstiefeln muss man sie aber innen tragen. 

Die Jacke gefällt mir eigentlich auch sehr gut, aufmerksame Leser sehen am „eigentlich“ aber schon, dass gleich noch Kritik kommt. 

Die „Hakuna Matata 3 Top Adventure Jacke“ bietet ebenfalls einen guten Sitz. Unterarme, Oberarme und Taille lassen sich über Klettbänder schnell im Umfang der Unterbekleidung bzw. der Leibesfülle anpassen und verbessern so den Sitz der Protektoren. Die Lüftung über den Frontreißverschluss und die großflächig zu öffnenden „Fenster“ an der Brust funktioniert sehr gut. Der Lufteinlass an den Ärmeln wurde im Vergleich zur Hakuna Matata 2 geändert. Beim Fahren im Sitzen strömt die Luft jetzt über kleine Öffnungen am Unterarm geradewegs in den Ärmel, Speziell Offroad im Stehen erscheint mir das alte System mit den langen Reißverschlüssen von der Logik her effektiver. Das geht allerdings zu Lasten des Sitzes der Protektoren, wenn man diese nicht jedes Mal über die Einstellbänder nachjustiert. 

Die Regenmembran lässt sich auch separat tragen
Die Regenmembran lässt sich auch separat tragen

Der Kragen ist angenehm gepolstert und lässt sich im geöffneten Zustand über einen Haken flatterfrei sichern.

Am Ärmelabschluss fällt der Klettriegel etwas kurz aus, die meisten Handschuhstulpen lassen sich aber innerhalb des Ärmels tragen. Trägt man sie außen, ist der Riegel allemal lang genug. Kommen wir zu meinem oben erwähnten „eigentlich“. 

Bei der Jacke gibt es einen Punkt, der mich wirklich geärgert hat: der Klett an der Abdeckleiste des Frontreißverschlusses. „Wie jetzt“, werden sich manche von euch fragen, „was kann daran nerven?“. 

Also: ist die Jacke geschlossen, ist alles in bester Ordnung. Läuft man jedoch mit geöffneter Jacke in der Gegend rum – was auf Touren oder bei Pausen ja nun häufiger mal vorkommt – „schrabbelt“ der rechte Unterarm immer wieder am unteren Klettstreifen der Reißverschlussabdeckung vorbei. Das führt innerhalb kürzester Zeit zu unschönem „Pilling“ am Cordura. Was aber noch mehr nervt: Greift man nach links oder geht man in die Hocke, um z.B. ein Foto zu machen, verklettet sich in schöner Regelmäßigkeit die Weitenverstellung des rechten Arms mit dem Klett der Frontabdeckung.

Unschön bei offener Jacke: der Klett "fängt" den Ärmel ein.
Unschön bei offener Jacke: der Klett „fängt“ den Ärmel ein.

Es mag sein, dass ich zu empfindlich bin aber ich frage mich echt, was sich die Produktentwickler(*innen?) dabei gedacht haben. Die Jacke hat tolle Druckknöpfe für die Frontabdeckung und die reichen völlig. Man muss sie halt zudrücken. Mit dem zusätzlichen Klett wirkt es so, als ob sich kurzfristig vor Auslieferung jemand eingemischt hat, der keine Druckknöpfe mag weil er zu faul ist, diese zu schließen: „Mach da mal Klett hin, Druckknöpfe sind zu kompliziert“ – und dann hat keiner ausprobiert, wie sich das im Alltag auswirkt.

Naja, lange Rede kurzer Sinn: es gibt zwei Möglichkeiten, diesen Nervfaktor auszuschalten. Entweder trennt man den Klett einfach ab oder man besorgt sich ein schwarzes Gegenstück und klettet es drauf. Fällt nicht auf und die Nerverei ist vorbei. Trotzdem sollte Held bei der Hakuna Matata 4 da mal drüber nachdenken. 

In Kommentaren im Internet findet man bei der Hakuna Matata 2 zudem vereinzelt Kritik an den Zippern mancher Reißverschlüsse. Die Schwachstellen wurden lt. Fa. Held geändert und es sollte keine Probleme geben. 

Wie bei allem was wir euch vorstellen gilt auch für die Held Hakuna Matata 3: macht euch euer eigenes Bild. Die Kombi ist insgesamt gelungen und meine Kritikpunkte müssen nicht eure sein. Im Archiv auf www.kradblatt.de findet ihr bei diesem Artikel weitere und größere Fotos zur Hakuna Matata 3. Mehr Infos zu den Ausstattungsdetails gibt es zudem im Fachhandel und unter www.held.de.