aus Kradblatt 7/17
von¬†Michael Praschak,¬†www.asphalt-s√ľchtig.de

Die Alltags-Sportler

Es tut sich was am Motorradmarkt. Die Hersteller sind mit einer Vielzahl neuer Supersportler und sportlicher Naked Bikes ins Motorradjahr 2017 gestartet und das, was hier mittlerweile in den Verkaufsr√§umen der H√§ndler steht, ist inzwischen so gut, dass man sich als Motorrad-Fan kaum noch entscheiden kann, welches Modell denn nun ‚Äědie Neue‚Äú wird.

Doch nicht nur die Motorradhersteller warten 2017 mit neuem Material auf, auch die Reifenproduzenten geben sich hier keine Bl√∂√üe.¬†Neben Michelin, die den Premiumreifen Power RS auf dem Grand Prix Kurs in Katar vorstellten, pr√§sentierte auch Dunlop mit dem SPORTSMART2 MAX einen neuen Supersportreifen f√ľr die Saison 2017. Die Schwarzgelben konzentrierten sich bei der Produktpr√§sentation aber vor allem auf das eigentliche Einsatzgebiet zulassungsf√§higer Motorradreifen, man entschied sich f√ľr die Pr√§sentation auf der Landstra√üe und schickte die deutschen Tester in den Spessart.

Von der Rennstrecke auf die Straße

Wie Michelin ist auch Dunlop im MotoGP aktiv. Die Erkenntnisse f√ľr die Neuerungen, die in den neuen SportSmart2 Max eingeflossen sind, kommen √ľberraschenderweise aber nicht aus dem GrandPrix-Sport, sondern sind unter anderem aus der Endurance-WM EWC abgeleitet. Hier sind nat√ľrlich auch die essentiellen Eigenschaften wie Grip und Handling von gro√üer Bedeutung, daneben spielt auf der Langstrecke aber vor allem das Thema Verschlei√ü eine wichtige Rolle. Und genau hier hat der neue SportSmart laut Dunlop einen beachtlichen Sprung gemacht und verspricht am Vorderrad sagenhafte 25 % mehr Laufleistung.

Um die Haltbarkeit zu verbessern, kommt nun eine v√∂llig neue Vorderradkonstruktion zum Einsatz. Die hier verbaute Rayon-Lage (Anmerk. d. Red.: Rayon wurde fr√ľher auch Kunstseide genannt) und der neue Jointless Belt (JLB) aus Aramid sollen das dynamische Reifenwachstum reduzieren, dadurch die Lebensdauer erh√∂hen und eine konstante Performance bis an die Abfahrgrenze gew√§hrleisten. Die Konstruktionsart kommt schon beim RoadSmart3 zum Einsatz und soll beim neuen Sport¬≠Smart auch f√ľr eine geringere Aufw√§rmzeit und besseres Handling bei noch kalten Reifen sorgen.

Der neue Aufbau ist aber nicht die einzige √Ąnderung am Vorderreifen. Optisch hat sich auf den ersten Blick zwar nicht viel getan ‚Äď der Anteil des Negativprofils hat gegen√ľber dem SportSmart2 nur minimal abgenommen, das Design ist fast identisch ‚Äď bei genauerem Hinsehen f√§llt aber die neue Vorderreifenkontur auf. Nachdem der Vorg√§nger ein sehr rundes Querschnittsprofil hatte, geht Dunlop beim ‚ÄěMax‚Äú wieder einen Schritt zur√ľck und vertraut nun wieder auf einen klassischen Querschnitt mit einer flacheren Kontur. Dadurch soll der Reifen nun mehr Feedback und Vertrauen in tiefen Schr√§glagen vermitteln und ein verringertes Aufstellmoment haben.

Aber nicht nur vom Vorderrad gibt es Neues zu berichten. Wie schon beim Vorg√§nger vertraut Dunlop am Heck auf eine Multi-Tread-Lauffl√§che mit einer haftfreudigen Mischung im Schulterbereich und einer widerstandsf√§higeren in der Reifenmitte, die auf Basis der Erkenntnisse aus der Langstrecken-WM neu entwickelt wurden. Das Laufleistungs-Plus gegen√ľber dem SportSmart2 soll mit 10 % zwar etwas geringer ausfallen als die zus√§tzliche Lebensdauer am Vorderrad, da das neue Modell laut Dunlop aber selbst 4000 Kilometer Laufleistung locker wegsteckt, reden wir hier immer noch von einer sehr amtlichen Reichweite f√ľr einen Supersport-Pneu.

Ebenfalls weiterentwickelt haben die Dunlop-Ingenieure die Zusammensetzungen des Gummis und erreichen so eine noch bessere Verteilung der Silica-Bestandteile in der Tri-Polymer-Mischung. Effekte laut Dunlop: größere Auflagefläche bei niedrigen Temperaturen und eine höhere Nasshaftung.

Dank perfektem Wetter am Präsentationstag war der Nassgrip zwar kein Thema, alle anderen Eigenschaften konnten während der langen Vorstellungstour aber intensiv getestet werden. Ort des Geschehens war mit der Region rund um Marktheidenfeld im Spessart optimales Motorrad-Terrain und von engen Nebensträßchen mit Asphaltflicken und Bitumenstreifen bis hin zu topfebenen Highspeed-Passagen war alles dabei, was dem sportlichen Fahrer auch auf einer ausgeprägten Tour unter die Reifen kommt. Einziger Unterschied: Gefahren wurde nicht nur mit einem Motorrad, sondern es stand fast alles zur Auswahl, was aktuell schnell, schön und sportlich ist.

Im Betrieb zeigte der neue Sport¬≠Smart2 Max dann keine Schw√§chen und konnte tats√§chlich auf allen Motorr√§dern √ľberzeugen. Egal, ob auf Drehmoment-Monstern mit breitem Lenker wie der neuen KTM SuperDuke R oder auf klassischen Supersportlern wie der Yamaha R1, der Reifen verh√§lt sich ab dem ersten Meter sehr gutm√ľtig und vermittelt immenses Vertrauen. Nach kurzer Warmfahrphase ist vor allem das Feedback vom Vorderrad bemerkenswert. Dies fiel besonders aufgrund der h√§ufigen Motorradwechsel auf, da durch die oft ge√§nderte Lenker- und Sitzposition in der Regel etwas Eingew√∂hnungsphase f√ľrs Vorderrad n√∂tig ist. Mit dem SportSmart2 Max ist das aber kein Problem. Der Vorderreifen zeigt sich aber nicht nur transparent, sondern punktete auch durch seine Neutralit√§t. Sobald der Reifen mit geringem Kraftaufwand aus der Mittellage gebracht wurde, l√§sst sich die Schr√§glage bei linearem Kraftaufwand spielend anpassen ‚Äď so soll das sein. Und auch auf der Bremse l√§sst der Reifen keine Landstra√üenw√ľnsche offen. Aufstellmoment: Fehlanzeige.

Auch vom Hinterreifen gibt es nur Gutes zu vermelden. Das Gripniveau ist erwartungsgem√§√ü sehr hoch und der Pneu l√§sst nicht nur bereits nach wenigen Kurven die z√ľgige Gangart zu, sondern l√§sst sich auch von Drehmomentattacken gro√üvolumiger Sportler wie der der Aprilia Tuono nicht beeindrucken.¬†Laufleistung, Aufw√§rmphase, Nassgrip ‚Äď die Merkmale, die beim neuen SportSmart2 im Fokus der Entwicklungsingenieure standen, geben schon einen deutlichen Hinweis darauf, wo der neue Max hingeh√∂rt ‚Äď auf die Stra√üe.

Das zeigt sich auch in der Pr√§sentation des neuen Reifens und der Produktkommunikation. W√§hrend Michelin, Bridgestone und Co. ihre aktuellen Supersportreifen den Journalisten und Influencern auf Rennstrecken vorstellten und die Pneus bewusst in Richtung Rennsport stellen, spielte bei Dunlop die Landstra√üe die Hauptrolle. Das ist auch gut so. Zwar bringen die meisten modernen Motorr√§der jede Menge Racing-Potential mit, (schnell) bewegt werden sie dann oft aber doch ausschlie√ülich auf der Haus- und nicht der Rennstrecke. Und hier kann der neue SportSmart2 Max auch voll √ľberzeugen. Grip ab dem ersten Meter, eine schnelle Aufw√§rmphase und viel Gef√ľhl f√ľrs Vorderrad machen den Max auf jeden Fall zu einer sehr guten Wahl f√ľrs supersportliche Landstra√üeneisen. Wenn er jetzt noch das Laufleistungsversprechen h√§lt, bleibt eigentlich kein Wunsch offen.

Budget-Racer 

Aber nicht nur an die High-Performance¬≠-Kunden hat Dunlop gedacht. F√ľr die Einsteiger-Klasse und preisbewusste Fahrer bietet Dunlop neben dem neuen SportSmart seit diesem Jahr auch den Sportmax GPR-300 an. Der Reifen verf√ľgt laut Dunlop zwar auch √ľber eine moderne Vorderreifenkontur, eine Gummimischung neuester Generation und die JLB-Hinterreifenkonstruktion; bei der Karkasse kommen aber konventionelle Materialien zum Einsatz (Nylon/Stahl statt Rayon/Aramid). Auch bei der Auswahl der Dimensionen ist der GPR nicht so breit aufgestellt ‚Äď die modernen Superbike-Hinterradgr√∂√üen 190/55 und 200/55 sucht man hier vergebens. Daf√ľr gibt es jede Menge Freigaben f√ľr Sportler √§lterer Modelljahre sowie Motorr√§der kleiner Hubraumklassen. Im Fahrbetrieb zeigte sich der GPR als sehr solider Sport¬≠-
reifen ohne wirkliche Schw√§chen und ist sicher vor allem f√ľr Einsteigermotorr√§der eine gute und preislich attraktive Wahl.