aus Kradblatt 8/26 von Anna Tanke
Beobachtungen einer Motorradfahrerin
Anna fährt Motorrad. Und als Motorradfahrerin begegnet sie natürlich auch anderen Motorradfahrerinnen und Motorradfahren. In loser Folge kommen ein paar Erlebnisse im KRADblatt. Zum Schmunzeln oder auch zum Nachdenken …

Neulich am Frauenstammtisch lauschte unsere Technik-Tante Danni beim alkoholfreien Bierchen dem Plappern der monatlichen Tischgespräche. Wer sie beobachtete, konnte in ihrem Gesicht aber nach kurzer Zeit schon gleichermaßen Augen, Unmut und Fassungslosigkeit größer werden sehen über das, was sie da hören musste.

Da gab es Frauen in unserer illustren Runde, die noch nie von verschiedenen Typen Öl gehört hatten, mal abgesehen von den Pflegeölen im neuen Shampoo für den Hund, oder zum besonders kalorienarmen Garen von Hähnchen in der Pfanne. Ebenso gab es welche, die nicht zu wissen schienen, warum die Batterie nach „gerade Mal ein paar Monate nicht gefahren, und das ist doch extra noch die gute originale vom Kauf damals!“ leergelutscht war, oder die als Neuentdeckung der Woche kichernd verkündet hatten, dass am Reifen an der Seite lustige Zahlen stehen, die fast ihrem Geburtstag entsprachen.
Was bei unserer taffen Danni dann aber das Fass zum Überlaufen und sie selbst zum Aufspringen brachte, war der Satz „Hm, das weiß ich nicht, das macht immer nur mein Mann…“
Der Abend endete mit dem unmissverständlichen Befehl zahlreich zu erscheinen samt Datum und Uhrzeit: Nachsitzen! Technikstunde! So trudelten wir also eine Woche später alle artig bei Danni ein, um unser Unwissen in Wissen zu verwandeln. Selbstverständlich baute sich wie durch Zauberhand ein ansehnliches Kuchenbuffet auf, munteres Sabbeln und Plappern über bequeme Stiefel oder hübsche Helmfarben paarte sich mit genüsslichem Loben der verschiedenen Kuchen und dem regen Austausch von Rezepten. Bis der Urknall von Dannis Zeigestock auf der Magnettafel – wo war die denn jetzt bloß hergekommen? – alle auf einen Schlag verstummen ließ. Ach ja, es gab ja einen ernsthaften Grund für unsere Zusammenkunft.
Und dann ging es los. Eindringlich wurde uns gezeigt und demonstriert, wieso der Tank im Winterschlaf der Maschine womit gefüllt werden sollte (auch hier waren wieder ehrfürchtig geflüsterte Einwürfe zu hören wie „Das macht eigentlich immer mein Mann.“), welche Geheimnisse beim Kauf von Kettenfett zu beachten sind, passend zu X- und O-Ringen (Flüsterton „Ohrringe? Wieso denn jetzt an der Kette Ohrringe? Wie sehen die denn aus?“), an welchen Mopeds es welche Bauteile zu pflegen und zu warten und regelmäßig vor Fahrtantritt zu prüfen gibt, und dass man mit Ballistol die Welt retten kann („Das kriegt bisher eigentlich immer mein Hund übers Futter, wenn er krank ist. Funktioniert ganz gut …“ Immerhin diesmal nicht der Mann).
Und am Ende eines lehrreichen Tages wirkten Dannis Haare zwar ein wenig geraufter als üblich, aber unsere glückseligen Gemüter waren mit dem Wissen gefüllt, dass nun rein gar nichts mehr schiefgehen kann mit uns Mädels und der Technik rund um unsere Zweiräder nach diesem Tag der lückenlosen Aufklärung. Und auch ich musste mich nun zügig verabschieden von unserem Grüppchen. Zuhause wartete das Essen bestimmt schon auf mich. Das macht nämlich immer mein Mann.
Die Frisur gerichtet und die Linke zum Gruß, Eure Anna
—
Kommentare