aus bma 05/02

von Monika Tiemann

Alaska und KanadaDie Alpen hatte ich mehrfach per Mopped durchkreuzt , ebenso wie S├╝dnorwegen und den S├╝dwesten der USA. Nun sollte es der hohe Norden in Alaska und Westkanada sein. Es war ein Jugendtraum in meinem Kopf, der mich ├╝ber 20 Jahre gefesselt hat. Es waren die Stories von der Entdeckung bzw. der Suche nach dem Nordpol und die Stories vom Goldrausch in dem, ach so weiten, gro├čen und sch├Ânen Land, das man Yukon nennt. Es war die Bewunderung, wie die Pioniere der Abenteurer mit einfachen Mitteln gegen die H├Ąrte der Natur k├Ąmpften. Wie leben die wenigen Menschen da oben – ÔÇ×Top Of The WorldÔÇŁ, wie die Einheimischen sagen?
Meine Hauptziele waren der Dempster Highway (Yukon, North-West-Terretories) und der Dalton Highway (Alaska). Wegen des Perma-Frostes und der langen Winter baut man in den n├Ârdlichen Breitengraden am Polarkreis Schotterpisten. Also musste eine passende Maschine her. Urspr├╝nglich wollte ich ein Motorrad in Anchorage mieten, was sich als viel zu teuer erwies – etwa 15.000 DM f├╝r zwei Monate. Die Mietbedingungen erlaubten die Fahrt zum Polarmeer nicht. Deshalb beschloss ich, eine eigene Maschine zu kaufen, sie in Deutschland komplett f├╝r die Tour auszur├╝sten und im Flugzeug mitzunehmen.
Die Japaner erwiesen sich f├╝r meine 1,67 Meter K├Ârpergr├Â├če als zu hoch. Die BMW F 650 GS war das einzige Mopped bei dem ich ohne Ver├Ąnderung mit beiden F├╝├čen fest auf den Boden kam. Und das war Bedingung, wenn ich alleine in der Wildnis herum fahre. Ich ├╝bernahm vier Monate vor Abreise eine Vorf├╝hrmaschine mit 530 Kilometern auf dem Tacho und folgender Sonderausstattung: Touratech-Koffer, klare BMW-Windschutzscheibe, Handprotektoren, BMW-Motorschutzb├╝gel und einer Hawker-Gelbatterie. Bereifung der Erstausstattung: Metzeler Tourance.
Im April 2001 absolvierte ich ein normales Sicherheitstraining bei der Polizei in Ratzeburg. Die GS l├Ąuft sehr rau im ersten Gang, besonders wenn der Motor kalt ist. Bei langsamen ├ťbungen erfordert dies etwas mehr Fingerspitzengef├╝hl. Der Vollbremstest bei beginnendem Regen funktionierte dank ABS und Originalbereifung hervorragend.

 

Im Mai 2001 quietschte die Fu├čbremse erstmalig nervend. Der Kilometerstand lag etwas ├╝ber 7.000 km. Die Maschine erhielt f├╝r die Polarmeerreise in Nordamerika einen neuen BMW-Kettensatz, Conti TKC 80 Reifen mit dicken Schl├Ąuchen, ├ľlwechsel etc..
Die Flug-Angebote wiesen stark unterschiedliche Preise und Leistungen auf. Meine Wahl fiel auf Lufthansa, weil ich nichts an der Maschine abbauen musste und Lufthansa alle Dienste einschlie├člich Verpackung, Verzollung und Transportversicherung anbot. Sogar die Alukoffer durften mit Gep├Ąck an der Maschine bleiben.
Die Reisestrecke betrug von Vancouver aus rund 20.000 Kilometer. Am ersten Tag im Frazer Canyon wartete gleich die erste, lange Schotterbaustelle mit Tempo 50 auf mich. Es ging erstaunlich gut und machte mir Mut f├╝r die polaren Schotterpisten.
Auf dem Alaska Highway kamen weitere lange Baustellen, die sich meist ├╝ber 20 oder mehr Kilomter erstreckten. Hier reparierte man die ganze Stra├če auf einmal, d.h. beide Spuren, so dass man durch den Dreck hindurch musste. Im Detail bedeutete dies: Loose Gravel, Calcium und ├ľl, und dann hin und wieder zus├Ątzlich noch Regenschauer.
In trockenen Baustellen ohne ├ľl fuhr ich locker mit 70 bis 80 km/h. Im Nassen und mit ├ľl erwies sich das Fahren allerdings als Tortur. Der Lenker und das Vorderrad pendelten von rechts nach links, so dass ich manchmal bef├╝rchtete, die Stra├če zu ber├╝hren. Die F 650 GS kam aber immer wieder hoch, besonders schnell nach kurzem Tritt auf die Fu├čbremse und Lenker hochrei├čen. Es kostete Kraft und Konzentration. Die Maschine zeigte sich anschlie├čend im Military-Look: ├ťbers├Ąht mit grauem Calcium und braunen Dreckflecken, meine Klamotten auch. Wie sich sp├Ąter herausstellte, lassen ├ľl und Calcium sich nicht mehr aus der Kleidung rauswaschen.
Der Klondike Highway war gut geteert und wirkte auch landschaftlich eher langweilig. Etwa 100 Kilometer vor Dawson City erwischte mich eine lange erdige, ├╝berw├Ąsserte und sehr matschige Baustelle. Dazu goss es noch von oben. Und zu allem ├ťberfluss auch noch die Warnschilder mit dem Hinweis ÔÇ×Fresh OilÔÇŁ. In Dawson City musste ich meine GS dann zum zweiten Mal auf der Tour waschen.Alaska und Kanada
Der Dempster Highway war im Juni noch ziemlich hart auf den ersten 200 Kilometern: Lehm, auch mit Schotter und gr├Â├čeren Steinen und teilweise eingefahrenen Spuren. In den Tombstone Mountains bedeckte teilweise noch Eis die Seen. Die Maschine ging aber astrein ├╝ber die ÔÇ×hard packed roadsÔÇŁ. Dann etwa nach 230 Kilometern die erste sportliche Einlage: 30 Kilometer ÔÇ×loose gravelÔÇŁ am St├╝ck, etwa 15 Zentimeter hoch frisch aufgesch├╝ttet und noch keine einzige Spur darin eingefahren. Vorderrad und Lenker tanzten hin und her. Der Stra├čenrand war nicht befestigt, so konnte man noch nicht mal herunterfahren, um sich zu erholen. Zweimal stoppte ich mitten auf der Fahrbahn, um durchzuatmen, und war froh, eine Maschine gew├Ąhlt zu haben, bei der meine F├╝├če den Boden fest ber├╝hrten.
Am Ogiville Plateau schob der Wind mich ├╝ber unebene Pisten mit diversen Fahrspuren. Die hohe Maschine und das Gep├Ąck boten dem Seitenwind gute Angriffsfl├Ąche. Nach rund 400 Kilometern auf meiner allerersten Schotterpiste erreichte ich Eagle Plains. Der Ort bestand aus einer Zapfs├Ąule, Reifenservice, einem kleinen Hotel, Campingplatz und Restaurant. Eine gute Stunde nach mir trafen zwei US-Amerikaner mit einer gro├čen GS und einer Tiger ein.
Gegen Abend setzte ein heftiger Regen ein, der bald in Schneeregen ├╝berging. Am n├Ąchsten Tag kamen selbst die Autos nicht weiter, ebenso die Sportflieger aus der Schweiz und Deutschland, die den Dempster Highway als Start- und Landebahn benutzen mussten. In der Nacht darauf klarte es auf. Am n├Ąchsten Morgen ├╝berdeckte eine daumendicke Eisschicht Zelt und BMW.
Die Startelektronik versagte total. Mein Batterieorgeln weckte morgens die Camper neben mir. Es waren Trucker. Ihre Starthilfeversuche waren vergeblich. Was, wenn in dieser Wildnis die Elektronik versagt? Die hervorragenden Mechaniker fanden heraus, dass die Unterdruckbenzineinspritzung nicht funktionierte. Sie starteten die Maschine mit Gaspumpen und Gasgriffdrehen. Nach dem Warmlaufen startete ich sie dann erneut mit der Elektronik.
Die Sonne hatte den Schotter bereits einigerma├čen aufgetrocknet. Doch am 38 Kilometer entfernten Polarkreis blies noch ein kalter Wind. Auf dem Pass der Richardson Mountains war die Stra├če noch sehr matschig und rutschig. Der Schnee reichte bis an den Stra├čenrand. In der Tundra hingegen war die Stra├če bereits aufgetrocknet, und ich erreichte Inuvik bei 25 Grad Celsius am Nachmittag.
Am n├Ąchsten Tag fuhr ich den Dempster Hihghway bei strahlendem Sonnenschein an einem Tag (734 km Schotter plus 40 km Teerstra├če nach Dawson) zur├╝ck. Die nasse Baustelle bei Eagle Plains war etwas trockener, die 30 Kilometer ÔÇ×Schotter-StreckeÔÇŁ von der Hinfahrt bereits etwas eingefahren. Daf├╝r war an anderen Stellen wieder neuem Rollsplit ausgestreut worden.Alaska und Kanada
Gegen Abend begleiteten mich Hasen, Rehe und ein Wei├čkopfseeadler, der drohend knapp ├╝ber meinem Kopf davon brauste, als ich wegen ihm stoppte. In diesen Breitengraden wird es im Sommer nachts nicht dunkel, aber in den hohen Bergen fuhr man laufend von Licht in Schatten, was das Fahren im Schotter erschwert. Gegen 22 Uhr fuhr ich in Dawson City auf dem Campingplatz vor, wo ich wiedererkannt und gleich ÔÇ×├╝berfallenÔÇŁ wurde. Ich war m├╝de und gl├╝cklich: Die erste Schottertour war geschafft, und das ohne Sturz und Platten! Das Motorrad war total verstaubt, aber au├čer einem gel├Âsten Spiegel konnte ich keine Sch├Ąden feststellen. Der Dempster Highway blieb mir besonders wegen seiner atemberaubend sch├Ânen Landschaft in Erinnerung und der Tatsache, dass ich dort einige Passagen die Stra├če eine Stunde oder gar l├Ąnger f├╝r mich ganz alleine hatte.
Mit der F├Ąhre gelangte ich ├╝ber den Klondike River zum ÔÇ×Top of the World HighwayÔÇŁ. Er war geteert, aber riesige L├Âcher verteilten sich ├╝ber die gesamte Strecke oder sind mit ÔÇ×TeerbreiÔÇŁ gestopft zu kleinen H├╝geln geworden. An der Grenze musste ich beim Zoll auf absch├╝ssigem Gel├Ąnde zwischen Baustellenfahrzeugen im Sand stoppen – downhill! Ich stieg ab, und pl├Âtzlich schrie der Zollbeamte um Hilfe. Er stand da mit meiner GS im Arm und konnte sie kaum noch halten. Ich packte mit an und stieg sicherheitshalber wieder auf, w├Ąhrend er mit meinem Ausweis im Zollh├Ąuschen verschwand und die Papiere erledigte.
Mein hinterer Reifen war nach nur 6.500 Kilometern runter. Der Conti TKC 80, den ich beim BMW-H├Ąndler in Fairbanks vorbestellt hatte, war angekommen. Ihn vor dem Dalton Highway zu wechseln, erwies sich als gute Empfehlung. Zahlreiche Washboards (Stellen, wo die Steine in den Lehm eingefahren sind und mehrere Zentimeter herausragen) und Bumps und Hauls reihten sich aneinander. Am Polarkreis wartete eine 55 Kilometer lange Baustelle. Damit die Bauarbeiter nicht im Staub erstickten ,w├Ąsserte man die Baustellen gr├╝ndlich. Ebenso wurden gr├Â├čere Strecken regelrecht ers├Ąuft, damit die Trucks besser vorw├Ąrts kamen. Den Motorradfahrern erschwerte es das Fortkommen, besonders mir mit der F 650 GS und ihrem zu hohen und kurzen Fender.
Kaum hatte ich 100 Kilometer auf dem Schotter zur├╝ckgelegt, da kr├Ąchzte es bitterb├Âse hinter mir. Kurz danach fiel etwas auf die Stra├če – mein hinteres Schutzblech. Die Schwei├čnaht war gerissen. Brotlaibgro├če L├Âcher reihten sich mit kurzem Abstand aneinander, dazu noch Gravel und Washboards. Da half nur noch eins: Mit Speed dar├╝ber und festhalten. Teilweise schlugen die Gabelfedern hart durch. Es f├╝hlte sich an, als wenn eine m├Ąchtige Kraft das Vorderrad nach vorne wegzog, eine andere das Hinterrad nach hinten und das Mopped in K├╝rze unter mir auseinanderbrechen wollte.
Bei nasser Fahrbahn bedankte sich die F 650 GS, indem sie mir das Dreckwasser und den Schlamm vorne ums Vorderrad herum voll ins Visier schleuderte. Die Maschine und der K├╝hler wurden ebenfalls mit Dreck vollgespritzt. Solange ich um die 40 km/h fuhr, hielt sich die Helmverschmutzung in ertr├Ąglichen Grenzen, d.h. ich musste das Visier etwa alle drei bis f├╝nf Kilometer mit meinem Trinkwasser reinigen. Zudem bespritzte mich jedes Auto, das ├╝berholte, mit Dreck.
In geduldiger Kleinarbeit arbeitete ich mich gen Norden vor. Nach 400 Kilometern tauchte Coldfoot im Nichts auf – eine typisch n├Ârdliche Stadt. Zelten musste ich f├╝nf Meilen weiter n├Ârdlich im staatlichen Marion Campground mit Plumpsklo und gelblichem Pumpwasser. Jemand meinte ironisch, die gelbe Farbe komme vom Urin der B├Ąren…
Am n├Ąchsten Morgen fuhr ich durch die Brooks Range Mountains Richtung Atigun Pass. Der Pass stieg sehr steil an, war nass und voller Schotter, Leitplanken oder Gel├Ąnder fehlten. Auf der Passh├Âhe war es so matschig, dass ich ohne Stopp an die Abfahrt ging. Die BMW schaffte es mit Motorbremse ohne Stress, auch als ein LKW dicht an mir vorbeikeuchte. Unten in der Tundra fandAlaska und Kanada ich harten Schotter vor. Erleichtert d├╝ste ich mit etwa 110 km/h durch die unendliche Weite, als ich schon wieder einen Hubschrauber ├╝ber mir knattern h├Ârte. Vorsichtshalber nahm ich etwas Speed zur├╝ck, denn hier drau├čen galt offiziell ein Tempolimit von etwa 80 km/h. Trotz Auff├╝llen eines Reservekanisters leuchtete nach ca. 350 Kilometern die Reserveleuchte auf. Ich schaffte es dennoch bis Prudhoe Bay, musste dann aber bei Kilometerstand 392 wirklich dringend tanken.
Neben einem Touristenhotel, einem General Store mit einem Postamt fand ich nur Industrieanlagen vor. Mit einem Tourbus gelangte man unter strengen Sicherheitsvorschriften durch das Gel├Ąnde der ├ľlgesell-schaften zum Polarmeer. Und das f├╝hrte noch dickes Treibeis bis ans Ufer. Die Sonne schien, aber es war eisig kalt.
Bei gemischtem Wetter startete ich nach der R├╝ckkehr zum Marion Campingground meine vierte und letzte Etappe auf dem ÔÇ×Big HaulÔÇŁ. Die Wolken wurden tiefschwarz, und es regnete fast ununterbrochen. Pl├Âtzlich trottete ein riesiges Schwarzb├Ąrm├Ąnnchen aus dem Wald auf meine Fahrbahn. Ich war zu nah dran um eine Vollbremsung vorzunehmen. Daher nahm ich Gas weg, um einen Bogen zu fahren. Die Maschine bollerte wie ein Erdbeben. Der B├Ąr richtete sich auf, schmiss seinen dicken Hintern mit einer urkomischen Bewegung herum und rannte wie vom Teufel gejagt in den Wald zur├╝ck.
Als ich an einer Anh├Âhe zur├╝ckschalten wollte, weil man nicht sehen konnte, was hinter der Kuppe kommen w├╝rde, zerrte die Kette. Das Motorrad war aber so schmutzig, dass ich nichts entdecken konnte. Es regnete noch immer, als ich die Teerstra├če erreichte.
In Fairbanks ben├Âtigte ich eine ganze Stunde, um mein Mopped zu reinigen. Nach dem vierten Juli wartete BMW-H├Ąndler George Rahn, der einen Einmann-Betrieb in drei Blockh├╝tten mitten im Wald betreibt, meine GS. Er verf├╝gte nicht ├╝ber die neuesten High Tech-Ger├Ąte, gilt aber unter allen Weltenbummlern als sehr gesch├Ątzter Mechaniker. Bei ihm traf ich auf ein Paar aus ├ľsterreich. Er fuhr die gro├če GS, sie die F 650 wie ich. Die kleine GS hatte Steinschlag im K├╝hler, der zu allem ├ťberdruss auch noch ausgerissen war. Es soll ein bekanntes Problem sein. M├Âglicherweise hatte ich Gl├╝ck, weil mein K├╝hler so oft mit Lehm verdreckt und damit ein wenig gesch├╝tzt war. Wegen des Fenders wussten die beiden auch keine L├Âsung. Der niedrige, den sie aus dem Zubeh├Ârhandel montiert hatten, war nach nur drei Tagen abvibriert.
Und das war mir auf dem Dalton Highway passiert: Abgebrochener Fender, Bigfootunterlage am Seitenst├Ąnder abvibriert und verloren, Kappen an der Doppelarmschwinge lose und kurz vorm Abfallen, Luftfilter dicht, Dreck im Motorgeh├Ąuse. Das Gep├Ąck war mir ein paar Mal verrutscht, die Zurrb├Ąnder aufgegangen, ein Reservekanister schleifte einmal ├╝ber die Stra├če.
Nach der gro├čen Inspektion bei George Rahn fuhr ich in den S├╝den von Central Alaska. Es regnete t├Ąglich mehrere Stunden. Im Denali Nationalpark schneite es sogar wieder. Als es auch in Seward und Valdez noch regnete, entschloss ich mich zu einer ÔÇ×GewalttourÔÇŁ in die USA zur International BMW Rallye in Redmond, Oregon.
Von der Grenze bis nach Oregon brauchte ich vier Tage. Ich fuhr t├Ąglich etwa 1000 Kilometer mit der ÔÇ×KleinenÔÇŁ und zwei Drittel der Strecke immer noch im str├Âmender Regen. Die kleine GS machte die Tortur mit kleinen Macken durch. Immer wieder ging die Maschine mit einem Klack aus, wenn ich im hei├čen Binnenland von Oregon und Kalifornien an Kreuzungen etc. anhalten wollte bzw. auch wenn ich lange an einem Tag gefahren war. Trotz Gep├Ącks und Stollenreifen schaffe ich Tempo 120 km/h auf der Interstate F├╝nf locker.
Bei der BMW Rallye in Redmond, Oregon, vom 19.-22. Juli konnte ich mich ausruhen und mit BMW-Fahrern aus der ganzen Welt reden.
Nach 15.000 gefahrenen Kilometern meldete sich die Kette mit Verschlei├č und musste ├Âfters gespannt werden. Auch die Fu├čbremse fing wieder erb├Ąrmlich an zu quietschen. Die Bel├Ąge waren aber noch gut, wie die BMW-Niederlassung in San Francisco feststellte.
Von San Francisco fuhr ich ├╝ber die kurvenreiche K├╝stenstra├če zur├╝ck und musste feststellen, da├č das Setup meiner GS daf├╝r nicht das beste war. Beim ├ťberholen machte sich mittlerweile bemerkbar, dass die Maschine nicht mehr so gut zog.
├ťber den Highway 101 und Port Angelos reiste ich nach 18.000 Tour- und 25.000 Gesamtkilometern nach Victoria, Kanada, ein. Auf Vancouver Island rutschte die Kette ganz runter. Mit Hilfe eines einheimischen Motorradfahrers gelangte ich zu einem H├Ąndler, der mir schnell zwischendurch eine passende KTM-Kette aufzog.
Extrem hart wurde es auf dem Weg nach Tofino auf Vancouver Island. Es war eine sehr kurvenreiche Strecke, die auf und ab ging und vom Regen teilweise ├╝berflutet war. Da half nur, runter vom Gas. Ich kehrte aber gesund nach Vancouver zur├╝ck.

FAZIT:

Die F 650 GS ist eine handliche Maschine, die sich ohne weiteres f├╝r gro├če Reisen eignet und mit der man getrost Schotterpisten fahren kann, wenn auch unter extremen Bedinungen die Gapelfedern mal durchschklagen k├Ânnen. Der einzige gro├če Mangel, und der nervt wirklich total, ist der hohe und zu kurze Frontfender, der eine Fahrt bei Regen auf offener Stra├če fast unm├Âglich bzw. zur Tortur macht. Bevor es daf├╝r keine vern├╝nftige L├Âsung gibt, will ich meine Maschine nicht mehr im Regen auf Schotterpisten fahren. Es ist nicht nur nervig, sondern auch gef├Ąhrlich.
Einschr├Ąnkungen ergeben sich bei der Gep├Ąckmitnahme. Ich w├╝nsche mir bessere Befestigungsm├Âglichkeiten oder eine geteilte Sitzbank wie bei der gro├čen GS. Die Gep├Ąckrolle kann man lediglich an den Soziushaltegriffen befestigen. Es w├Ąre sch├Ân, wenn die Handprotektoren h├Âher w├Ąren. Ab Mittelfingerknochen decken sie nicht mehr ab. Bei der n├Ąchsten Reise werde ich mich wohl f├╝r die Dakar-Windschutzscheibe oder eine ├Ąhnliche entscheiden.
Die Conti TKC 80-Reifen schlagen sich auch auf Teer gut, f├╝hlten sich allerdings dort etwas rauer an, aber im akzeptablen Bereich. Der Vorderreifen hat die ganze Tour ├╝berstanden, der zweite Hinterreifen hielt 13.500 Kilometer.
In Alaska und Yukon erh├Ąlt man vornehmlich nur Normalbenzin, das meistens nur 85 Oktan hat und in Alaska z.B. noch mit Diesel und Wasser vermischt sein kann. Wenn man die F 650 GS nicht zu hoch dreht (nicht h├Âher als 4000 U/min.), dann kommt sie damit zu ungunsten der Performance klar, aber sie bollert wirklich laut. Sch├Ân w├Ąre es, wenn man auch in Deutschland die Relais f├╝r Benzin mit niedrigerer Oktanzahl erhalten k├Ânnte wie in den USA.
Ein Wunsch w├Ąren vielleicht auch Kardanantrieb und ein paar PS mehr f├╝r lange Stra├čenetappen.

GEPÄCK:

Eine wichtige Rolle spielte das Gep├Ąck, was sehr bedacht ausgew├Ąhlt werden musste. Zwischen Vancouver und Fairbanks befindet sich keine BMW-Vertretung. Somit belud ich einen Touratech mit Ersatzteilen, Werkzeug, Routenbuch und Waschzeug. Der zweite Koffer musste f├╝r die Kleidung ausreichen und der 89 Liter fassende Ortlieb Rackpack f├╝r Zelt, Bearbox, Schlafsack und Iso-Matte, Kochset, Trekkingschuhe. Im Tankrucksack transportierte ich das Erste-Hilfe-Set und die Fotoausr├╝stung. Da die kleine GS sehr kurz ist, nimmt die Gep├Ąckrolle den ganzen Soziussitz ein. Dahinter hat die Maschine nichts mehr. Die Reservekanister befestigte ich deshalb auf den Soziusfu├črasten und band sie am Rahmen fest.