Absenkanhaenger abgesenkt hinten

Absenkanhänger

aus Kradblatt 9/16
von Jogi & Tine / penta-media.de

Praktische Sache: Absenkanhänger

Absenkanhaenger angekuppeltKommt jemand auf die Idee sein Motorrad auf dem Trailer zu transportieren, dauert es nicht lange bis die ersten abfälligen Sprüche fallen.

Auch wir transportierten in der letzten Zeit unsere Maschinen oft mit dem Trailer. Der Grund war ein enger Zeitrahmen für unsere Reisen, dass wir mehrere verschiedene Maschinen vor Ort benötigten und außerdem eine Menge an Ausrüstung zum Fahren und Fotografieren mitschleppen mussten. Abgesehen davon ist es auch komfortabler und sicherer, wenn man sich über mehrere 1.000 Kilometer mit dem Fahren ablösen kann und dabei wetterunabhängig vorankommt.

Die einfachste Lösung ist es einen Trailer zu mieten. Das bieten einige Vermieter bereits für 12 Euro am Tag an. Oft handelt es sich um sehr einfache Modelle, bei denen die Maschinen über eine abnehmbare Rampe auf Schienen geschoben werden können. Für das Vorderrad ist in der Regel ein Bügel vorhanden, der fast wie ein großer Fahrradständer aussieht.

Absenkanhaenger abgesenkt hintenSeriöse Vermieter halten ihre Leihanhänger top in Schuss. Man sollte da gerade bei Urlaubsfahrten nicht leichtsinnig sein. Auch der Versicherungsschutz ist manchmal für Fahrten ins Ausland nicht ausreichend, so dass der Mieter bei Diebstahl selber dafür haften muss. Fragt also vorher!

Das Verladen ist bei einfachen Trailern ein Balance-Akt und kaum alleine zu bewerkstelligen. Gewichtige Maschinen die schwer zu schieben sind, werden meist mit schleifender Kupplung, mit dem Fahrer auf dem Fahrzeug sitzend, auf den Trailer gefahren oder jemand läuft gar nebenher. Wenn nur Schienen vorhanden sind stellt sich stets die Frage, wo Halt und Trittfläche für die Füße zu finden ist. Alles nicht ohne Risiko. Heitere Videos zu daraus resultierenden Unfall-Szenarien findet man zuhauf bei YouTube, so dass es nicht nötig ist weiter darauf einzugehen.

Absenkanhaenger Vorderradfalle mit Wippe und PlattenankerBei den Trailern mit einer Transportplattform ist es etwas besser denn da kann man, oben angekommen, die Füße sicher abzustellen. Das Risiko über die Rampe zu fahren und dabei umzufallen bleibt.
Aus diesen Überlegungen heraus und weil wir auch in Zukunft öfter einen Trailer benötigen werden, haben wir uns entschlossen einen eigenen anzuschaffen, der diese Risiken gegen Null reduziert. Der Suchbegriff für diese Trailer heißt „Absenkanhänger“.

Die Achse dieser Trailer ist an jedem Rad mit einem Exzenter versehen. Dieser ermöglicht es, die Ladefläche nahezu plan auf den Boden zu senken. Die Exzenter werden hydraulisch über eine Pumpe gedreht. Mechanische Verriegelungen sorgen dafür, dass das Gewicht der Ladefläche und der Ladung nicht in den End-Stellungen auf der Hydraulik lasten bleibt. Sie sollte nach dem Anhebe- oder Absenk-Vorgang komplett über ein Ventil entlastet werden.

Absenkanhaenger Box und HydraulikFür die letzten durch den Fahrzeugrahmen fehlenden Zentimeter ist am Heck ein Anfahrkeil montiert. Leider fehlt dadurch in der Regel die Heckklappe. U-Profile ermöglichen stattdessen das Einstecken eines Schotts, um den Trailer nach hinten zu schließen.
Damit der Trailer auch zum Transport anderer Dinge zu gebrauchen ist, haben wir ihn mit 35 cm hohen Bordwänden ausgerüstet. Sie reduzieren außerdem die Verschmutzung der Maschinen durch aufgewirbelten Straßendreck und Gischt bei Regen. Bordwände und Boden aus Aluminium erhöhen die Lebenserwartung des Trailers.

Um ein bis zwei Motorräder kontaktfrei transportieren zu können haben wir ein Modell mit einer Ladefläche von 2,50 m x 1,56 m ausgewählt.
Es empfiehlt sich genauer auf die vorhandenen Ösen zum Verzurren der Gurte zu achten. Meistens sind sie nicht in ausreichender Menge vorhanden. Insbesondere Plattenanker in der Mitte der Ladefläche fehlen oft. Sie sind dringend zur Abspannung mehrerer Maschinen notwendig.

Absenkanhaenger SoftnosePraktisch ist auch eine Deichselbox. In ihr lassen sich prima Spanngurte, das Kastenschloss für die Kupplung, eine Abdeckplane und Kleinkram verstauen.
Eine „Softnose“, so nennt man die Gummiüberzieher an der Kupplung, verhindert unschöne Kontaktspuren, wenn der Trailer doch einmal beim An- oder Abkuppeln dem Stoßfänger zu dicht kommt.

Um die Motorräder problemlos alleine verladen zu können, bieten Vorderradfallen die optimale Lösung. Man fährt mit dem Rad einfach in sie hinein und die Maschine steht fest und sicher. Vergessen darf man nicht, die Vorderradfallen vorher an die Breite der Räder anzupassen. Die Wippe ist dazu über Verschraubungen verstellbar. Die Fallen gibt es auch in „mobiler“ Version (z.B. bei Powerplus-Tools), so dass man sie nur bei Bedarf in den Anhänger stellt und bei verschieden breiten Motorrädern flexibler ist.

Anschließend kann man in aller Ruhe die Abspanngurte anbringen. Am sichersten sind über Ratschen spannbare Gurte, die am Rahmen und an den Gabelbrücken befestigt werden und mit denen die Maschine leicht in die Federung zu ziehen ist. Hilfslaschen und Isoliermanschetten für Heizungsrohre eignen sich prima um Kratzer und Scheuerstellen zu vermeiden.

Alles in allem ist ein Absenkanhänger eine sichere und vielseitig verwendbare Lösung, die problemlos von nur einer Person bedient werden kann.

Ein Absenkanhänger kostet um die 800 Euro mehr als ein vergleichbares Modell mit Rampe. In Anbetracht der zu erwartenden Kosten die entstehen, wenn ein Motorrad auch nur einmal von der Rampe oder einer Schiene fällt, sind die zusätzlichen Kosten für die Absenkvorrichtung gut investiertes Geld. Ein Teil davon kommt beim Wiederverkauf des Trailers außerdem zurück.

Sinnvoll ist eine 100 km/h Zulassung, sofern die technischen Vo­raussetzungen dafür gegeben sind. Sie kostet bei der Zulassung nur fünf Euro mehr. Dafür bekommt man direkt an der Anmeldestelle einen 100 km/h Aufkleber mit Zulassungsplakette und darf damit zügiger sein Reiseziel erreichen. Je länger die zurückzulegenden Distanzen sind, desto mehr freut man sich darüber.

Eine Auflaufbremse kann abhängig vom Zugfahrzeug und dem Gesamtgewicht des Anhängers und seiner Ladung sinnvoll sein. Sie erfordert jedoch zusätzliche Wartung und neigt dazu festzugammeln,
wenn der Trailer längere Zeit nicht bewegt wird.

Anhänger müssen versichert werden. Eine Haftpflichtversicherung kostet rund 25 Euro im Jahr. Eine wegen des Diebstahl-Risikos sinnvolle Teilkasko kostet nur drei bis fünf Euro mehr. Trailer müssen wie PKW alle zwei Jahre zum TÜV.

Wer keinen Anhänger kaufen möchte, sollte bei seinem Verleiher auch ruhig mal gezielt nach Absenkanhängern fragen. Der Komfort ist den Aufpreis wert.


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