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20 Jahre Motorrad-Gruppenreise nach Pfarrweisach

aus Kradblatt 6/18
von Enzo Lupiano

Biker Stammtisch Pfingsttour zu den Eisfeldern

20 Jahre Motorrad Gruppenreise nach Pfarrweisach

Pfingstmontag 2017. Wir schieben wehmütig unsere Bikes aus der Garage. Mit wiederholenden Bestätigungen an die Kumpels, dass wir uns nächstes Jahr wiedersehen. „Fahrt vorsichtig und meldet euch, wenn ihr angekommen seid“. 

Mein Sohnemann Luca ist genervt. Ich glaube, das ist normal mit 12 Jahren. Eigentlich wollten wir früher aufbrechen, aber das Losreißen von den Kumpels ist manchmal nicht so einfach. „Papa können wir jetzt los?“; „Na klar Großer!“. Noch hier und da eine Umarmung und mit einem letzten Blick auf die Wirtschaft der Eisfelder lassen wir unsere Bikes an. Luca klettert hinten auf meine Triumph und Andrea sitzt auf ihrer KTM. Mit einem Daumenhoch signalisiert sie, dass wir losfahren können. Ab geht’s nach Hause, nach Wolfsburg, auf den 370 km langen Heimweg. Wir haben uns vorgenommen, dabei noch einen Abstecher beim Bratwurstmuseum zu machen. 

Auf den Kurven zur Burg Altenstein hoch muss ich auf einmal grinsen. Weder Andrea noch ich glaubten vor 19 Jahren im Traum daran, dass wir so viel Spaß an unseren jährlichen Pfingsttreffen haben werden. Vor allem nicht, dass wir heute als komplette Familie fahren und noch immer ein Teil unserer Motorradtruppe sind. Vielleicht werden unsere Jungs uns in ein paar Jahren selber auf ihren eigenen Bikes begleiten. Wie bei meinem Kumpel Andreas, dessen Sohn Mark nicht mehr als Sozius sondern schon seit Jahren auf seiner Maschine selbst mitfährt. Es hat sich über die Jahre entwickelt und ich bin überzeugt, dass die Tradition weiterleben wird. 

Pfarrweisach grüßt seine GästeDer Anfang, 1998. Wolfsburg, Biker Stammtisch. Wir sind zum Frühstück bei Nafi. Hansi hat vorgeschlagen, eine Tour nach Franken zu machen. Er selber kennt sich recht gut in Franken aus, da er dort ein paar Jahre gearbeitet hat. Schnell ist die Begeisterung bei uns allen geweckt und die Unternehmung besiegelt. 

Hansi hat die Organisation übernommen und eine Wirtschaft ausgemacht, die bereit ist, uns aufzunehmen. Der ausgemachte Termin wird das Pfingstwochenende sein. 

Die meisten mögen sich erinnern: das war die Zeit, als man noch ohne Navi auskam! Hansi führt unsere Truppe an. Mit 16 Motorrädern fahren wir über eine tolle Strecke nach Pfarrweisach in Franken. Nun, die Wirtschaft der Eisfelder ist etwas klein und wir müssen uns arrangieren. Mein Cousin Bernd bekommt eine Liege bei uns im Badezimmer und Klaus Eisfelder hat kurzerhand die hauseigene Garage ausgeräumt, um unseren Motorrädern eine trockene Bleibe zu geben. Spätestens am Abend sind wir davon überzeugt, dass Ute Eisfelder nicht nur die Wirtin und Köchin ist, sondern auch die gute Seele des Hauses. Hansi hat nicht gelogen. Das Bier schmeckt hier auch besser als daheim. Mit den Eindrücken der schönen Anreise über Harz, Kyffhäuser und Rennsteig lassen wir den ersten Tag mit der einen oder anderen Konversation ausklingen.

Heimweg 2017. Luca klopft mir auf den Oberschenkel, reißt mich aus den Erinnerungen. Das Zeichen, dass eine kleine Pause nötig ist. Also sondiere ich die malerische Landschaft und suche eine günstige Gelegenheit, um eine Rast einzulegen. Nach kürzerer Zeit habe ich ein Plätzchen gefunden, im Schatten von Bäumen mit einer Bank. Top! Andrea nutzt die Zeit, um mit unserem jüngsten Sohn Leon zu telefonieren. Er hat den Heimweg mit unserer Freundin Michi im Auto angetreten. Über 300 km auf dem Bock ist den beiden zu viel gewesen. Also fahren die beiden im Auto nach Wolfsburg. Ich glaube, bei Ice Age-Filmen würde man jetzt sagen: „ So ist das in der Herde“. 

Luca sieht zufrieden aus. Nicht nur weil er gerade pinkeln konnte, sondern man erkennt, dass er es genießt, mit seinen Alten zu biken. Alleine der Zustand darüber macht mich glücklich. Ich nehme meinen Jungen in den Arm und wir sehen uns die Landschaft an. Ich frage ihn was er gestern Abend beim Abschlussgrillen für den Gläserdienst abgestaubt hat. „Geld“ ist seine Antwort. Ich versuche, ihn zu locken. „Als ich in deinem Alter war, habe ich die Hälfte zu Hause abgegeben.“ Seine Antwort: „Na klar, ’ne“. Wir müssen beide schmunzeln. Andrea meldet: „Alles Ordnung mit Leon“. Wir verweilen noch ein bisschen und bemerken, dass wir langsam Hunger bekommen. Der Gedanke an die Thüringer Bratwurst, die im Bratwurstmuseum auf uns wartet, treibt unseren Appetit an. Also machen wir uns wieder auf den Weg. 

20 Jahre Motorrad Gruppenreise nach PfarrweisachIch bewundere immer noch die abgeschiedenen Straßen und die tolle Landschaft, die die Gegend bietet. Vorbei geht’s an Waldstücken, durch kleine Ortschaften. Es ist eigentlich egal, welchen Weg man zum Ziel nimmt. Auf den Nebenstraßen ist man immer am besten aufgehoben. Die gut ausgebauten Landstraßen, die zahlreichen Kurven und der wenige Verkehr leisten ihren Beitrag, dass es nicht langweilig wird. Trotzdem versuche ich immer, Andrea im Rückspiegel zu haben. Durch unsere Kinder hat sie 13 Jahre mit dem Motorrad fahren ausgesetzt und jetzt wieder angefangen. Sie fährt genauso sicher wie früher und ich fühle mich wieder in die Zeit versetzt, als wir beide auf unseren Motorrädern zusammen durch die Gegend getourt sind. Das ist ein gutes Gefühl und die Bestätigung, dass unsere geplante Alpentour im Sommer eine gute Idee gewesen ist. 

Pfingstsamstag 1998, 6 Uhr. Wir werden aus dem Schlaf gerissen. Ein Donnern und Dröhnen fährt durch unsere Glieder. Im Halbdunkeln versuche ich das Fenster zu erreichen. Woher kommt dieser Lärm? Als ich das Fenster erreicht und die Vorhänge zur Seite gerissen habe, muss ich feststellen, dass ein Glockenturm für diese unerhörte Lärmbelästigung verantwortlich ist. Mein Cousin Bernd, orientierungslos, purzelt aus dem Badezimmer und braucht auch einige Sekunden, um mit der Situation zurechtzukommen. Als der Lärm dann nach einer kleinen Ewigkeit verstummt, ist nicht mehr an Schlaf zu denken. Also schleichen wir nach unten, in der Hoffnung, etwas Essbares zu finden. Ute ist bereits zur Stelle und serviert uns ein reichhaltiges Frühstück. Die anderen Biker Kumpel sind nun auch aus dem Bett gefallen und treffen langsam im Frühstücksraum ein. 

Hansi erklärt sich bereit, uns die Gegend zu zeigen und dass wir uns Pottenstein und die Burgruine in Altenstein anschauen werden. 

Es zeigt sich, dass er uns nicht zu viel versprochen hat. Die Gegend ist zum Biken genial. Pottenstein überrascht uns mit seinen Felslandschaften und Schluchten und die Teufelshöhle, die wir bei der Gelegenheit auch besichtigen, ist echt sehenswert. Bei der Sommerrodelbahn gibt es einen größeren Imbiss, an dem wir uns gut stärken können. Ein Tipp hier am Rande: Bloß nicht die Riesen-Currywurst bestellen! Man bekommt einen Ring aus Fleischwurst, womit man im ersten Moment nicht rechnet. Ich musste da einmal bedauerlicher Weise durch und geschmacksmäßig … naja, glaubt mir einfach. Aber sonst werden wir von dem Imbiss immer zufriedengestellt. 

20 Jahre Motorrad Gruppenreise nach Pfarrweisach Abends treffen wir in Pfarrweisach wieder ein. Hansi hat alle Versprechungen eingehalten. Das ist der Grund, warum er bis heute die Zügel in der Hand hat. Zum Abend hat die Wirtschaft mit Essen aufgefahren. Ich beschreibe das mal so: „Wenn ich Schwein wäre und ich würde wissen, dass ich für so ein super Essen verwertet werde, würde ich mich freiwillig Klaus opfern“. Oder anders: die Verpflegung war und ist heute noch Top. 

In geselliger Runde sitzen wir nach dem Essen zusammen. Mit Künne, Stefan und Ecki habe ich mich auf Skat eingelassen und es geht erst spät ins Bett. Der Tag war echt super lustig und nett. Die Jüngeren kennen heute Skat vielleicht nicht mehr. Zur Erklärung: Wie Candy Crush, YouTube oder WhatsApp heute als Zeitvertreib auf dem Smartphone gedaddelt wird, hat man damals zur Unterhaltung mit Karten gespielt. Nur halt mit echten Menschen. 

Heimweg 2017. Endlich, wir sind im Bratwurstmuseum in Holzhausen angekommen. Schnell sind die Helme an die Motorräder angeschlossen und die Jacken in die Triumph-Koffer gepackt. Der Plan heißt, Bratwurst essen und die Führung im Museum mitmachen. Luca und ich kennen das Museum schon, Andrea noch nicht. Der Rundgang wird wie erwartet auf eine witzige Art und Weise gemacht und Andrea wird „aufgeschlaut“, dass im Mittelalter die Bratwurst ein absolutes Luxusgut gewesen ist und nur wenige sich so eine Wurst leisten konnten. Natürlich auch die Tatsache, dass Martin Luther seine Bratwurst nicht bezahlt hat und, und, und… Die Bratwurst, die man im Bratwurstmuseum bekommt, ist Weltklasse. Meiner Meinung nach die beste Bratwurst. Alleine das ist schon einen Abstecher hierher wert. 

Nach der Wurst nehmen wir uns den Rundgang im Außengelände vor, das gehört auf jeden Fall dazu. Nach einstimmiger Meinung von uns dreien, noch eine Wurst zu verdrücken, setzen wir unseren Heimweg fort. Natürlich haben wir uns noch beim Bratwurstkönig verabschiedet, das gehört sich so. 

Sammeln zur Ausfahrt... Den Kyffhäuser umfahren wir heute, denn den haben wir auf dem Hinweg schon mitgenommen. Also nutzen wir die A71, um nach Nordhausen zu kommen. Wir wollen weiter, noch heute daheim ankommen. Den Harz lassen wir uns dabei natürlich nicht entgehen. Eine letzte Rast am Netzkater ist Ehrensache. 

Pfingstsonntag 1998, 8 Uhr. Nach einem ausgiebigen Frühstück hat uns Hansi nach einer kleinen kurvenreichen Tour zum Tierpark Schloss Tambach geführt. Das Wetter ist an diesem Wochenende warm und sonnig und am Schloss wird es eine Greifvogelschau geben. Andrea und ich sitzen mit einigen Kumpels im Gras und verfolgen die Vorführung dieser majestätischen Tiere. Der Park ist wirklich schön angelegt. Hansi versucht, einige Rehe anzulocken. Ich habe heute noch Fotos davon, wie einige Rehe kurz davor waren, aus seiner Hand zu fressen. Es war von ihm eine hervorragende Idee, uns den Park zu zeigen. Ein Ausflug hierher ist echt lohnenswert. Die Abwechslung nehmen wir dankend an. Denn die meisten von uns, so wie Andrea und ich, sind in so einer kurzen Zeit noch nicht so viel Kilometer gefahren. Vor allem alles in Kolonne, mit 16 Motorrädern. 

Pfingstsonntag 1998, nachmittags. Als wir wieder in der Wirtschaft ankommen, können wir uns erst mal mit einem Bierchen stärken. Klaus schlägt vor, Steaks und Würstchen auf den Grill zu schmeißen. Es ist halt von Vorteil, wenn es eine eigene Schlachterei gibt. Eine Umlage ist fix eingesammelt und der Grillabend wird eingeläutet. Mit exzellenter Stimmung sitzen wir nun vor der Wirtschaft und sind auch ein bisschen traurig, dass wir am nächsten Tag wieder abreisen müssen. Aber an dem Abend ist allen klar, dass wir das wiederholen müssen. Pfingsten natürlich!

DDer Tourguide unseres Vertrauens … as Abschlussgrillen ist für uns seitdem ein fester Bestandteil geworden. Natürlich alles ein bisschen größer und hier und da auch mit der einen und anderen Ehrung oder Lobpreisung untermalt. Aber immer kommen wir auf unsere Kosten. 

Heimweg 2017, Netzkater. Wir fahren auf den Parkplatz vom Netzkater. Und wie soll es auch anders sein? Andreas, Mark und Frank haben die gleiche Idee gehabt, hier eine Rast einzulegen. „Na müsst ihr erst mal nach den Weg fragen?“. „Wir sind jetzt da, noch mal schnell Pipi machen, dann könnt ihr hinter uns herfahren.“. „Hör auf, so einen Scheiß zu erzählen“, sagt Andreas. Mit einem Grinsen im Gesicht rücken die drei zusammen, damit wir Platz nehmen können. Eine Tasse Kaffee und eine Bulette mit Brötchen später beschließen wir, zusammen den restlichen Weg zu fahren. 

Als wir Richtung Osttalsperre fahren ist mir wieder klar, dass ich Glück habe, Teil so einer Gemeinschaft zu sein. Wir sind kein Club und kein Verein, wir haben nicht mal einen Namen. Einfach nur Kumpels, die sich jedes Jahr zum Biken treffen. Einen großen Anteil daran hat Hansi, er ist der „Kleber“, der alles zusammen hält. „Jetzt haben wir mehr Touren als nur eine. 3–4 unterschiedliche Routen werden am Samstag und Sonntag mit verschieden Tourguides angeboten. Es gibt bei uns Anfänger, Wenigfahrer und erfahrene Biker. Außerdem möchte man nicht immer das gleiche sehen und Abwechslung ist hierdurch gegeben. Für die 30 Biker, die wir jetzt im Schnitt sind, ist hierdurch für jeden etwas dabei. Ich selber führte 2017 eine Familientour nach Pottenstein. Mit Kindern sind andere Ansprüche an die Tour gestellt, trotzdem hat meine Gruppe 8 Bikes und insgesamt 3 Kinder gehabt. Es kommt auf den Spaßfaktor an und den hatten wir. 

Die geführten Touren lauten z.B. Bunkermuseum, Bratwurstmuseum, Pottenstein, Kurven durch den Thüringer Wald, Kathi-Bräu und Rennsteig. Also das, wo­rauf die Guides gerade Lust haben und natürlich bei Hansi angemeldet wurde. Hansi gibt die Touren den Teilnehmern im Vorfeld bekannt. Vor Ort trifft dann jeder selbst die Entscheidung, wo und ob er mitfahren möchte. „Es verändert sich vieles, für meinen Geschmack zu schnell. Natürlich sind Veränderungen auch nicht immer etwas Schlechtes und oft unvermeidbar, aber unsere Tradition lebt weiter. So hat es ein bisschen gedauert, bis wir uns mit der „Glockensituation“ angefreundet haben. Eisfelder haben umgebaut und wir können schon seit Jahren ein geräumiges Familienzimmer beziehen. Damals zu heute kann man wirklich nicht mehr vergleichen. Aber das Herz und die Leidenschaft sind noch genauso wie damals zu erkennen. 

2018 treffen wir uns zum 20. Mal. Für meine Familie und mich ist das Pfingstwochenende ein fester Termin im Jahr, auf den wir uns immer freuen und mit unseren Freunden Spaß haben. Alle, die Pfingsten mitfahren, kommen für Kost und Logie selber auf. Das muss jeder alleine regeln. Der Spaß ist natürlich umsonst. Gesichter wechseln sich manchmal ab oder sind ein, zwei Jahre nicht zu sehen. Das ist auch o.k., es gibt keine Verpflichtungen. Wer nicht mitfahren möchte, kann wegbleiben, aber gerne wiederkommen. Vielleicht ist dies das Geheimnis unserer 20-jährigen Geschichte.

Unsere Unterkunft:

Gasthof „Zum Goldenden Adler“
Inh. Klaus Eisfelder
Lohrer Straße 2 • 96176 Pfarrweisach
Telefon: 09535-269
Email: keisfelder@aol.com


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