aus Kradblatt 9/26 von Marcus Lacroix
Im Ring: Flex vs. Barronium®

Großbritannien wird bisweilen als das Mutterland des organisierten Motorraddiebstahls bezeichnet, wobei auch in anderen europäischen Ländern die Diebstahlquote nicht unerheblich ist. Lt. Recherche von ChatGPT führten die Briten 2025 mit 150 Diebstählen je 10.000 zugelassener motorisierter Zweiräder allerdings die Statistik an. Wie schnell das Ganze geht, erfuhr der Motorradreisende Erik Peters im Mai 2025 in Brighton am eigenen Leib. Sein Reel auf Instagram ging damals viral.

Als die Presseinfo der britischen Firma LITELOK mit dem Angebot, das Motorradschloss X1 MOTO zu testen, bei uns im Postfach eintrudelte, musste ich natürlich direkt an Erik denken. Er war tagsüber nur kurz in einem Hotel, um nach einem freien Zimmer zu fragen. Ob man in so einer Situation ein Schloss benutzt hätte, muss jeder für sich entscheiden. Gelegenheitsdiebe schreckt ein massives Schloss aber sicherlich ab.
Das LITELOK X1 MOTO wird in einer Neopren-Tasche inkl. zwei Schlüsseln geliefert. Das Schloss selbst wiegt 1.713 Gramm. Mit 26,3 x 17,5 x 3,5 cm passt es in jede Gepäcktasche und auch unter manche Sitzbänke. Für Fahrräder ist die Rahmenhalterung „X1 Tactical Mount“ (24 €) lieferbar, die sich mit etwas Geschick sicher auch für manche Motorräder einsetzen lässt. Schlossbügel und Schlosskörper sind mit einer dicken Gummierung versehen, die zuverlässig Kratzer am Fahrzeug verhindert. Die weißen Zier-Elemente sind Reflektoren. Der Schlüssel reicht tief ins Schloss und lässt sich angenehm leicht drehen. Insgesamt gefällt die Handhabung des X1. Der Preis des X1 MOTO liegt mit 199 € auf dem Niveau der Mitbewerber.
Nun kommen wir zu dem, was ich schon immer mal ausprobieren wollte – es aber aus Kostengründen nie versucht habe. Wer flext schon an einem so teuren Schloss herum?

LITELOK wirbt auf seiner Website mit dem Slogans „Wir stellen die besten Fahrrad- und Motorradschlösser der Welt her“ und „Winkelschleifer resistent“ . Verantwortlich dafür soll das hauseigene „Barronium®“ sein.
Dazu erklärt LITELOK: „Barronium® ist eine Materialtechnologie, die wir speziell entwickelt haben, um die Widerstandsfähigkeit gegenüber Elektrowerkzeugen zu verbessern, insbesondere Winkelschleifern. Wir beschreiben Barronium® als verschmolzene Verbundpanzerung […] Verbundwerkstoffe bestehen aus mehreren Materialien, die zusammengehalten werden. Barronium® herzustellen und aufzutragen ist teuer, daher sind wir ziemlich geheimnisvoll darüber, wie das alles gemacht wird.“
Die Beschreibung zur Entwicklung von Barronium® ist noch um einiges länger und die deutsche Übersetzung der englischsprachigen Website klingt in weiteren Punkten etwas „seltsam“ – um es freundlich auszudrücken. Aber letztendlich zählt ja, was das Schloss in der Praxis leistet.
Nachdem ich die sonstigen Funktionen und die Handhabung ausprobiert hatte, spannte ich das Schloss also in den Schraubstock ein und begann mein Zerstörungswerk. Zum Einsatz kam eine handelsübliche Universal-Trennscheibe für Metall aus dem Baumarkt. Nach 2:26 Minuten reiner Flex-Zeit hatte ich einen der Arme durchgefiddelt und die Scheibe ließ in ihrer Leistung spürbar nach. Der anschließende Versuch, das Schloss per Hebel durch Verdrehen zur Aufgabe zu zwingen schlug fehl. Man muss also beide Arme durchflexen, was ca. fünf Minuten plus Trennscheibenwechsel dauert.

Bei einem Diebstahl sind fünf Minuten eine lange Zeit und zudem mit reichlich Lärm verbunden. Das LITELOK X1 MOTO schreckt also auf jeden Fall schon mal ab. Noch dazu ist das Schloss am Motorrad nicht so leicht zugänglich wie im Schraubstock. Nutzt man eine entsprechend stabile Kette, um sein Fahrzeug z.B. an einer Laterne zu befestigen, hat man diese vermutlich schneller umgeflext, kann das Fahrzeug aber immer noch nicht wegrollen.
Der Versuch, das Schloss aufzubohren, schlug völlig fehl. Der Schlosskörper wurde nur angekratzt und der tiefer liegende Schließzylinder ist durch eine mitdrehende Blende gesichert.
Insgesamt zeigt das LITELOK X1 MOTO also eine solide Leistung. Es ist nicht immun gegen Winkelschleifer und bei Geräten mit größeren Spezialscheiben dürfte die Bügel auch schneller durchtrennt sein, man kann es den Dieben aber zumindest so schwer wie möglich machen.
Auf der LITELOK Website findet man verschiedene Schloss-Lösungen für Fahrrad und Motorrad sowie diverses Zubehör. Los geht es mit dem X1 Mini für 159 €, das Flaggschiff X3 kostet 349 €. Mehr Infos gibt es online unter https://de.litelok.com.
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Hier seht ihr den Versuch auf YouTube:
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