Yamaha Radian Umbau links

Yamaha YX 600 Radian Umbau

aus Kradblatt 9/15
von Georg Bettel

Umbau einer Yamaha YX 600 Radian

Yamaha Radian BasisIch habe 2012 eine Yamaha Radian gekauft und sie förmlich wieder zum Leben erweckt. 2 Jahre später hat sie eine Schwester bekommen.

Ich hatte schon immer einen Faible für Yamaha aber dieser Typ YX 600 Radian hat es mir besonders angetan. Nicht zuletzt wegen der Tatsache, dass die Motorräder in den USA gebaut wurden, um genau zu sein in Cypress Kalifornien. Da sie nie für Europa bestimmt waren sind Radians hier zu Lande sehr selten.

Pfingsten war ich mit meiner Frau beim Fischereihafenrennen in Bremerhaven. Wir kennen da einen der Fahrer, der auch so eine Yamaha Leidenschaft hat. Er wohnt in der Nähe von Krefeld und erzählte mir, dass bei ihm um die Ecke eine Radian für kleines Geld zu verkaufen ist. Sie sollte wohl nur 150 Euro kosten da wurden meine Frau und ich hellhörig.

Unser Bekannter half also den Kontakt herzustellen. Die Verkäuferin war eine junge Frau, sie beschrieb die Maschine als gescheitertes Umbauprojekt. Das Motorrad sollte aber komplett sein, der Motor nur 30.000 Kilometer gelaufen sein und es sollte sogar noch TÜV haben. Wir beschlossen also das gute Stück zu kaufen.

Also Anhänger hinters Auto und los. Dort angekommen wurde recht schnell klar warum die Maschine nur 150 Euro kosten sollte. Bei dem Bild, das sich uns bot, gab es nur einen Gedanken: SCHROTT. Gekauft haben wir sie dann trotzdem selbst auf die Gefahr hin, dass sie nicht zu retten ist und in der Ersatzteilkiste landet.

Yamaha Radian UmbauZuhause in der Werkstatt hab ich mir dann erst mal einen Überblick verschafft und stellte fest, dass die Technik zwar überholungsbedürftig war, aber funktionierte. Auch der Motor machte einen guten Eindruck. Leider gab es aber auch viele Teile die wirklich unbrauchbar waren. Gemeinsam mit meiner Frau beschloss ich einen radikalen Umbau.
Zuerst das Heck. Da der Rahmen gekürzt werden sollte, führte mein erster Weg zum TÜV. Dort habe ich mit genau erklären lassen, was überhaupt erlaubt ist. Danach kreiste erst mal die Flex und sämtliches Plastik am Heck fand seinen Weg in die Mülltonne. Aus einem Teil des originalen und einem Universal-Rohling entstand ein neuer Heckfender. Die beiden wurden einfach mittels Metall Verschmelzung zusammen gebracht. Ein stehendes LED-Rücklicht und langgezogene Bullit-Blinker mit Alugehäuse rundeten die Sache ab. Über die Sitzbank brach dann die Heißluft Pistole herein. Bezug und Polster kamen in die Tonne, dem Rest wurde dann mit 2k-Kunststoff eine andere Form aufgezwungen.

Mit einer Pappschablone und einer Zeichnung hat dann der Sattler einen coolen neuen Sattel gezaubert, der perfekt zum neuen Look passt. Für die Stoßdämpfer Ersatz zu finden war kaum möglich, die alten waren zwar rostig aber nicht kaputt. Sie wurden zerlegt, sandgestrahlt und schwarz pulverbeschichtet. Der Clou dabei, die Federn wurden glänzend und der Rest in Kräusel Optik gehalten.

Yamaha Radian Umbau linksFür die Originalen Endtöpfe hab ich den perfekten Ort gefunden. Die Tonne! Ersatz kam aus dem Zubehör, Universal Endtöpfe schön kurz im klassischen Retro-Design. Nur leider gab es die nur in Chrom also sandstrahlen und schwarz lackieren war angesagt. Andere Halter mussten auch her, an den Originalen waren die hinteren Fußrasten montiert. Die sollten in jedem Fall weg. Denn wer will auf einem coolen Umbau auch schon einen Beifahrer. Zufällig passten Auspuffhalter von der XJ 550, von denen man die Fußrasten abschrauben konnte. Die überflüssigen Löcher wurden einfach zugemacht. Problem gelöst auch der Abstand zwischen Auspuff und Halter passte viel besser und die Fußrasten waren auch verschwunden.

Die Seitenverkleidungen blieben fast Original. Nur die Vergaser-Verkleidungen wurden gekürzt und mit einer Beleuchtung versehen welche den Motor beleuchtet.
Leider stellte sich noch heraus, dass der Tankdeckel kaputt war. Nach einigem probieren fand ich heraus, dass auf die Radian Tanks auch die Deckel neuerer Yamahas passen. So gab es dann einen neuen CNC-gefrästen Alu Racing Tankdeckel von einer R6. 

Yamaha Radian Umbau HeckAn der Front gab es dann auch gravierende Veränderungen. Die Gabel blieb zwar Original aber der Front Fender wurde bis auf minimal Größe gekürzt. Die Original Instrumente der Radian waren ziemlich ramponiert, außerdem haben die mir noch nie gefallen, also weg damit. Neue kleinere analoge Instrumente mussten her. Der Tacho sogar mit Tachowelle um dem Look treu zu bleiben. Eine Zündschloss Abdeckung habe ich selbst gebaut, genau wie die Töpfe von Tacho und Drehzahlmesser. Als Lenker dient jetzt ein klassischer Clubmann Lenker mit schicken neuen Lenkerenden-Spiegeln. Der alte Scheinwerfer samt Halter ging auch in die ewigen Jagdgründe ein. Er wurde durch einen neuen großen Retro-Scheinwerfer mit neuen Haltern und Blinkern ersetzt. Für die alten Bremsleitungen gab’s moderne Stahlflex.

Damit war der Rohbau fertig und der Blick in die Mülltonne zeigte mir, dass ich wohl ganze Arbeit geleistet hatte. Jetzt alles zerlegen, lackieren und pulverbeschichten. Es gab kein Teil, das nicht der Lackierpistole oder dem Pulver zum Opfer fiel. Lackieren kann ich zum Glück selber, das spart Kosten. Denn auch der Motor wurde lackiert und das hat so seine Tücken. Reinigen und schleifen ist immens viel Arbeit und kostet Zeit. Vor allem weil die Motordeckel alle in Kräusel Optik gehalten sind. Das heißt den halben Motor zerlegen und abkleben, abkleben, abkleben.

Nach der Lackierung folgte der Zusammenbau. Nur Lack und Pulver fand ich allerdings etwas schmucklos. Also habe ich im Internet noch ein paar Embleme und Plaketten erstanden, die zum neuen Stil passten. Die ganze Farbgebung ist recht speziell. Aber damit habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Die Farben und der Stil ähneln einem Motorrad, das ich aus einem Videospiel kenne. Dort gehört es einem Elite-Soldaten, der damit auf Zombie­jagt geht. Das Ergebnis würde ich als Retro oder Vintage Streetfighter beschreiben. Jedenfalls ist es sehenswert.


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