Anreisetag Pause Biergarten

Vater & Sohn unterwegs in Deutschland

 

 

aus Kradblatt 3/15
von Olaf Segger


Vater & Sohn auf Tour …

Anreisetag Pause BiergartenVor ein paar Jahren waren Tjark und ich mit unseren Mopeds, einer Simson S50 und einer Yamaha FZ6 Fazer S2, in Schweden unterwegs. Diesmal planten wir eine Tour quer durch Deutschland, nach Krausnick, wo wir unter anderem das Tropical Island besuchen wollten. Auch diese Tour stand für uns unter dem Motto, mal sehen, ob und wie weit unser Nachwuchs für Touren zu begeistern ist.

Bei der Planung dieser und der letzten Tour waren sicherlich auch die Tageskilometer entscheidend, aber vielmehr planten wir nach den Fahrstunden. Der Grund liegt auf der Hand, mit der Simson war unsere Reisegeschwindigkeit eben nicht 100 km/h, was aber den Impressionen durch Landschaft und Natur und unserem Spaß keinen Abbruch tat.

Auf dieser Tour gab es eine Veränderung. Tjark fuhr weiterhin auf der Simme und ich bin auf eine Yamaha WR 250 X Supermoto umgestiegen. Der Grund dafür war, dass ich einmal erfahren wollte, wie man sich fühlt, wenn man längere Zeit im Sattel der WR sitzt.

Die WR ist Tjarks Folgemodell für die Zeit nach der Simson. Er übte und fuhr fleißig zu Hause auf dem eigenen Hof, aber mangels Führerschein durfte er noch nicht auf die Straße damit. Seine Langstreckenerfahrung mit der WR sollte erst noch kommen.

Am Schoss LuluUnsere Tagestouren waren für 6 – 8 Stunden geplant, was ca. 170 bis 190 Tageskilometer auf unserer Tour bedeutete. Abseits von allen Autobahnen und Hauptverkehrsstraßen schlängelt sich unsere Route durch die Landschaft. Unsere erste Etappe: Mölln, Gudow, Zarrentin, Wittenburg, Hagenow, Ludwigslust, Perleberg, Milow (Havel).

In Milow gab es einen Zwischenstopp in der Jugendherberge, die wir sehr empfehlen können. Zu unserer Zeit war gerade viel los und es war gut, dass wir über das Internet vorgebucht hatten. Beim einsetzenden Regen am Abend, fanden auch unsere Mopeds ein Dach über dem Kopf. Wir durften die kleine zum Areal gehörende überdachte Freilichtbühne in Beschlag nehmen. So konnten wir am nächsten Morgen ausgeruht auf völlig trockene Mopeds steigen.

Die zweite Etappe führte uns dann wieder über viele Nebenstraßen nach Krausnick, in den Spreewald. In Babelsberg machten wir einen Stopp und überlegten kurz, ob wir eine Besichtigung einlegen sollten. Am Ende entschieden wir uns dagegen. Wir hatten auf Touritour keine Lust. Also wieder aufgestiegen und weiter.
Uns erwartete eine herrliche Landschaft: Wälder, Felder, Störche. Überall ist der Spreewald und der damit verbundene Tourismus allgegenwärtig.

Wir beziehen unser Zimmer im Landhotel Krausnick und unternehmen nach unserer Ankunft gleich eine kleine Spritztour in das Umland. Zu dieser Uhrzeit (später Nachmittag) treffen wir völlig leere Straßen an. Es ist Wochenende, die Sonne scheint, es ist angenehm warm und keiner ist unterwegs. Nur wir. So genießen wir den Wind im Gesicht und die Landschaft. Am Abend gönnen wir uns nach einem Besuch in der hauseigenen Sauna ein schönes Feierabendbier in unserem Landhotel.

SpiegelbildAm nächsten Tag wollten wir dann zum Tropical Island fahren. Wir erkundigten uns an der Rezeption nach dem Weg. Da gab es ein Problem. Die direkte Straßenverbindung war wegen Bauarbeiten nicht passierbar. Die Beschreibung der Umleitung war für uns etwas unverständlich, aber was soll’s, Abfahrt.

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihr Ziel immer sichtbar in weiter Ferne vor Ihnen liegt, aber laut Wegbeschreibung (Umleitung) Sie sich ständig davon entfernen? So versuchten wir nach der Umleitungsbeschreibung die weit sichtbare große Halle des Tropical Islands zu erreichen. Nach gefühlter Unendlichkeit vergeblichen Suchens des richtigen Weges (Umleitung) entschieden wir uns für eine Querfeldein-Route. Wir bogen rechts von der Straße ab und dann ging es nur noch über Sandwege, Wiesen, Schotter und durch den Wald. Diese Entscheidung war es, die diesen Tag rettete.

Es war auch völlig egal, wenn wir mitten auf einer Wiese am Kuhzaun landeten und umdrehen mussten. Weiter ging es am Waldrand entlang, bis wir eine Lücke im Dickicht fanden, durch die wir in den Wald schlüpfen konnten. Wenn wir auf freier Fläche das Tropical Island immer im Blick hatten, war das im Wald vorbei. Am Anfang gab es nur unseren Weg in den Wald hinein, was sich aber sehr schnell änderte. Entscheidungen waren gefragt, nächste Wegkreuzung. Rechts, links oder doch geradeaus? Auf meiner Supermoto war ich mit meiner Bereifung total fehl am Platz. Die WR schlug sich aber tapfer. Es machte einfach Spaß das Gras zu rasieren und zu gleiten, denn mehr war mit diesen Reifen nicht drin. Tjark hatte auf seiner Simme das richtige Profil, und so konnte er alles geben. Trotz seiner Größe und seines Gewichts, schlug sich die Simson klasse. Plötzlich eine Straße. Führt die uns zum Tropical Island? Ich schaute Tjark an und sah völlig begeisterte Augen. Am liebsten hätten wir umgedreht und wären wieder im Wald verschwunden.

WaldtourWir entschieden uns für rechts. So erreichten wir das Tropical Island. Eine riesige Halle auf einem riesigen Areal. Die unendliche Betonfläche machte uns Angst. Wir fragten uns, was hier los sein musste, wenn die ganzen Parkplätze voll wären? Für uns ein Alptraum. Wir kauften uns je eine Tageskarte. Da uns die Badelandschaft nicht überzeugte, verschwanden wir für den Rest des Tages in der Saunalandschaft. In den Saunapausen erkundeten wir die Halle und gaben uns einer weiteren Lieblingsbeschäftigung von uns hin: dem Essen.

Fazit 1 der Reise, das Tropical Island kann man mal besuchen, ist aber kein Muss. So gab es für uns für den Rest der Woche nur eine Entscheidung, Mopedfahren und abendlicher Ausklang mit Sauna und Bierchen in unserem Landhotel.

Unsere Heimreise hielt dann noch eine Überraschung für uns vor. Wir hatten uns für eine Rücktour ohne Zwischenstopp entschieden. Das wäre auch weiter kein Problem gewesen, wenn sich nicht ab Mitte der Strecke das Wetter verschlechtert hätte. Es wurde unangenehm kalt und nass. Tjark hatte keine Regenkombi, nur eine Regenhose dabei und so fror er jämmerlich. Ich gab ihm meine trockenen Sachen inkl. meiner Motorradjacke, die regendicht ist. Ich selber zog mir noch ein paar T-Shirts mehr an und zog den Reißverschluss meiner Regenkombi schön bis oben zu.

Dann geschah es. Tjark schlingerte und nach dem Anhalten sahen wir den Salat: einen Plattfuß. Wir hingen genau zwischen Schwerin und Ludwigslust fest – plattes Land, nur eine Tankstelle. Der Reifenpilot von der Tankstelle half uns nicht weiter. Es musste ein neuer Schlauch oder Flickzeug her. Es war kurz vor 18 Uhr und die Tankstelle hatte kein Flickzeug. Kurzentschlossen jagte ich mit der WR zurück in den nächsten Mopedladen, in dem auch Simsons verkauft wurde. „Schlauch? Nein. Flickzeug? Habe ich nicht.“ Ich schilderte unsere Lage und der Monteur verschwand noch einmal in der Werkstatt. Er kam mit einer angebrochenen Dose Flickzeug zurück. Eigentlich hatte ich erwartet, dass der Typ mir das in die Hand drückt und eine gute Fahrt wünscht, tat er aber nicht. Ich handelte die Reste auf 2 EUR herunter und verschwand mit meiner Beute.

Nachdem der Reifen geflickt war, fuhren wir weiter nach Schwerin. Wir hatten uns entschlossen, eine Nacht bei meiner Mutter zu bleiben. Tjarks Oma freute sich sehr und verwöhnte uns mit einer heißen Badewanne, gutem Essen und Trinken und einer ruhigen Nacht. Der Rest der Heimreise verlief dann ohne weitere Zwischenfälle. Zu Hause wechselten wir den geflickten Schlauch und die Simme war wieder bereit für neue Touren.

Fazit 2, die hochgepackte Ortlieb-Rolle erwies sich als keine gute Lösung. Zum einen zu hoch und zum anderen nicht sicher genug gegen Verrutschen.

Fazit 3, mit der WR kann man reisen. Der Hintern verlangt auf dem schmalen Sitzpolster häufiger nach Entlastung, was für mich verkraftbar war.

Fazit 4, trotz unserer geringen Reisegeschwindigkeit, hatte ich nie das Bedürfnis schneller sein zu müssen. Der Genuss lag in der Ruhe und den Eindrücken links und rechts unserer Reise.
Später habe ich dann zu Hause ein Gepäckträgersystem für die WR entwickelt. So besitzt die WR nun zwei Seitengepäckträger plus die schon erwähnte Gepäckbrücke.
Die nächste Tour kann kommen – die nächste Tour wird kommen!


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