aus Kradblatt-Ausgabe 8/26 von Rüdiger Wellbrock

Viel Spaß trotz Panne

Nach unserer gemeinsamen Marokko-Tour (siehe Ausgabe 4/24) sollte es in diesem Jahr wieder eine besondere Reise mit unseren beiden Moppeds Honda Africa Twin (Bj. 2001) und Suzuki DR 800 Big (Bj. 1993) werden.

Ich den Etappen - vor allem nach den langen - schmeckt das Feierabendbier
Ich den Etappen – vor allem nach den langen – schmeckt das Feierabendbier

Los ging es am 19.08.25 um 19.00 Uhr mit dem Autoreisezug von Hamburg nach Villach (Österreich). Die Reise führte uns in 18 Tagen durch Österreich, Italien, Griechenland, Albanien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien und Tschechien.

Von Villach aus ging es nach einem guten Frühstück direkt Richtung Süden über den slowenischen „Wurzenpass“ (1.073 Meter) nach Italien, an Venedig vorbei ins wundervolle Po-Delta – ein wahres Paradies für Naturliebhaber, in dem viele Vögel an den Wasserläufen der Deltamündung überwintern, u.a. Flamingos und Kormorane.

In Chioggia, einer schönen Lagunenstadt, machten wir eine kurze Pause in einer kleinen Bar und ließen uns Cappuccino und Ciabatta schmecken. Übernachtet haben wir in der „Borgo di Arcadia“ im kleinen Ort Santa Giulia im Po-Delta. Nix los dort, aber Natur pur und eine kleine Osteria mit lecker Pizza und Wein.

Am nächsten Tag ging’s weiter über aus Bootsrümpfen geschaffenen Behelfsbrücken und kleinen Straßen mitten durchs Delta, traumhaft! 

Auf dem Lloghara Pass lief die DR Big noch
Auf dem Lloghara Pass lief die DR Big noch

Da am 24.08. abends unsere Fähre von Brindisi nach Igoumenitsa (Griechenland) ging, mussten wir zügig den italienischen Stiefel runter und nahmen dann bei Ravenna die mautpflichtige E55 Richtung immer an der Küste entlang bis nach Ortona, einer schönen kleinen Hafenstadt direkt an der Adria. Unterwegs überraschte uns ein gewaltiger aber nur kurzer Gewitterschauer, sodass kaum Zeit blieb, die Regenkombi rauszukramen und wir bis auf die Haut nass wurden. Aber der heiße Sommerwind trocknete danach unsere Klamotten wieder wie ein Wäschetrockner. 

In Ortona hatten wir ein großes Appartement (airbnb) am Hang mit Balkon und Blick auf den Hafen für 75 €, in direkter Nachbarschaft zu einer Weinbar (Hosteria del Castello), wo wir den langen Fahrtag bei einem ausgiebigen Wine-Tasting nebst leckeren Antipasti ausklingen ließen.

Von Ortona aus fuhren wir zunächst über kleine Straßen und tollen, aber touristisch geprägten Orten wie San Vito Chietino und San Salvo Marina direkt an der Adria wieder auf die mautpflichtige E55 bis nach Brindisi, wo wir um 20.30 Uhr nach rd. 1.200 km seit Villach pünktlich am Fähr-Terminal eincheckten. Auf dem Schiff, das erst um 23.30 Uhr ablegte, suchten wir uns zum Nächtigen eine passende Sitzecke, unsere Schlafsäcke dienten uns als gemütliche Decke und Schutz vor der zugigen Klimaanlage. Nach einem Zwischenstopp auf Rhodos erreichte die Fähre dann am nächsten Morgen um 9.30 Uhr den Hafen von Igoumenitsa. 

Atemberaubende Ausblicke in den Bergen "zwingen" zu Pausen
Atemberaubende Ausblicke in den Bergen „zwingen“ zu Pausen

Beim Verlassen des Schiffsbauches erfreuten sich Moppeds und Fahrer über wohltuende 25 Grad, die wir erst einmal am Hafen mit Blick auf das ionische Meer bei einem griechischen Mokka genossen.

Unser Tagesziel, die Vikos-Schlucht, war nur 140 km entfernt, also nahmen wir die recht gut ausgebaute E92 über die Berge durch traumhafte Landschaft und teilweise unberührte Natur abseits des Mainstream. Ein Fahrerlebnis erster Güte! Nur ab und zu kam uns in den Bergen ein Fahrzeug entgegen. Unterwegs machten wir eine kleine Pause im einsam gelegenen „Platanos Cafe“ und tranken den besten Mokka ever in einer grandiosen Berglandschaft. 

Am frühen Nachmittag erreichten wir Monodendri, einen kleinen Ort direkt an der Vikos-Schlucht. Dort checkten wir im schönen Hotel Vikos ein (DZ 80 €) und machten nachmittags eine Wanderung zur Schlucht. 

Die Schlucht ist umrahmt von gewaltigen Massiven des Pindos-Gebirges. Lt. Guinness-Buch der Rekorde ist sie mit fast 1.000 Metern die tiefste Schlucht der Welt. Eine Wanderung durch die 10 km lange Schlucht würde einen ganzen Tag dauern, also wanderten wir auf einem Hochplateau oberhalb der Schlucht und konnten dabei noch das beeindruckende Kloster „Agia Paraskevi“ (1413 erbaut) besichtigen. Schlucht und Kloster hinterließen bei uns bleibende Eindrücke. Abends gab’s dann auf der Platia (Dorfplatz) von Monodendri bei warmen Temperaturen vorm Restaurant „Pita tis Kikitsas“ griechischen Salat, Feta und eine Karaffe tiefroten Wein. Urlaubsfeeling pur!

Am nächsten Tag fuhren wir über kleine Bergstraßen und erreichten nach rd. 50 km die albanische Grenze bei Kakavija. Da Albanien nicht dem Schengen-Abkommen unterliegt, hieß es hier zunächst einmal warten. Aber wir fuhren an der langen Autoschlange vorbei bis kurz vor die Grenzkontrolle, da wir bei 35 Grad schon arg ins Schwitzen gerieten. So konnten wir nach einer Stunde ohne Probleme albanischen Boden unter die Räder nehmen. 

Scheinbar endlose Weiten in Albanien
Scheinbar endlose Weiten in Albanien

Die Landschaft hinter der Grenze führte uns durch eine unendliche Weite, so wie wir es in Marokko erlebt hatten. Auch ein „Lost-Place“, eine alte und verlassene Tankstelle fehlte nicht. Nach weiteren 50 km machten wir einen Halt an dem Touristen Hot-Spot „Blue Eye“, eine natürliche Karstquelle mit türkisblauem Wasser. Für 3.500 LEK (ca. 30 €) durften wir bis zur Quelle durchfahren und passierten dabei etliche Souvenirshops und Fast-Food Buden. Totaler Touristen-Nepp und so hakten wir das Ganze unter „nice to see“ ab.

Bei Saranda, einem kleinen Badeort an der albanischen Rivieria, kauften wir Olivenöl direkt vom Bauern und erreichten am frühen Nachmittag unser nächsten Tagesziel, das „Hostel Shotgun“ im kleinen Bergdorf Vuno. In der ZDF-Reportage „Traumziel Albanien“ wurden wir auf Adrian aufmerksam, der aus Deutschland ausgewandert ist und in Vuno seit 5 Jahren das Hostel mit seiner amerikanischen Frau Bree betreibt. Die Moppeds mussten unten auf dem Marktplatz übernachten, denn das Hostel ist nur zu Fuß über Treppen erreichbar. Für 65 € bekamen wir ein tolles Doppelzimmer, auf der Terrasse hat man einen traumhaften Blick auf die umliegenden Berge und die albanische Adria. Adrian und Bree waren super Gastgeber, die uns viel über Land und Leute erzählten. 

Zum Frühschwimmen fuhren wir morgens die Serpentinen runter nach Himara und dann den letzten Kilometer offroad bis zum „Guma Beach“. 

Nach einem üppigen Frühstück ging’s weiter die albanische Küste hoch auf der SH8 über Dhërmi und den sensationellen Llogara-Pass (1.027 Meter), Albaniens schönste Straße, mit traumhaften Kurven und überwältigenden Blicken aufs Meer bis nach Kavaja einer Kleinstadt nahe der Küste. Dort wollten wir auf dem „Sunset-Camping“ direkt am Meer übernachten. 

Die DR Big springt nicht mehr an. Mit dem Transporter gehts zur nächsten Werkstatt
Die DR Big springt nicht mehr an. Mit dem Transporter gehts zur nächsten Werkstatt

Nach einem kurzen Halt an einem Supermarkt passierte das Malheur: Nicks Suzuki DR Big sprang nicht mehr an! Mehrere hilfreiche Albaner und ein junger Simson-Schrauber aus Sachsen versuchten bei der Lösung des Problems zu helfen und wir stellten fest, dass die Zündkerzen nicht mehr funkten. Also wohl ein Problem mit der Elektrik. Mit einem Kleintransporter wurde die Big zu einer nahe gelegenen HONDA-Werkstatt gebracht. Dessen Inhaber Bledar, mit seiner HD Fulldresser Mitglied der „Steelwings Albania“, handelt vorwiegend mit chinesischen Rollern und konnte das Problem auch nicht lösen. Auf einer japanischen Uraltpritsche die nur noch 30 km/h lief, wurde die Big tags drauf zu einem „Hinterhofschrauber“ nach Durrës, zweitgrößte Stadt Albaniens, gebracht, der aber auch nicht helfen konnte, sodass die Big wieder zu Bledar zurückgebracht wurde. So verbrachten wir 2 Tage auf dem Sunset-Camping, telefonierten mehrfach mit dem AvD wegen des Rücktransportes und unserer vertrauten Werkstatt in Wüsting, Zweirad Denker. 

Umgepackt: zu zweit gehts auf der Africa Twin weiter
Umgepackt: zu zweit gehts auf der Africa Twin weiter

Kurzum: Reisegepäck um alle Campingutensilien und nicht zwingend notwendige Dinge reduziert (die blieben wie Nicks Big bei Bledar, der uns sehr geholfen hatte und für seine Arbeit nur Bier als „internationale Währung“akzeptierte) und meine Africa-Twin um 2 Packtaschen auf den Seitenkoffern so richtig vollgerödelt und dann gings zusammen auf nur einem Mopped weiter wie geplant. An das hohe Gewicht von nahezu 500 Kilo gewöhnten wir uns schnell und beim Fahren wechselten wir uns ab. 

Auf der SH29 ging’s bei über 30 Grad weiter Richtung Norden durchs staubige und teils sehr vermüllte Hinterland, bis wir am späten Nachmittag den albanischen Grenz­übergang „Muriqan“ erreichten. 

Ausreise aus Albanien und Einreise nach Montenegro gingen zügig. Die letzten 100 km nach Tivat schmiegten sich ab Dubrava meist traumhaft an die Küste (E80), allerdings standen wir 10 km vor Tivat in mehreren Staus, sodass wir erst spät am Abend unsere Unterkunft an der Bucht von Kotor erreichten. Dort hatten wir für 64 € ein schönes, kleines Appartement (airbnb) nur wenige Meter vom Hafen „Porto Montenegro“ entfernt. 

Tivat hat uns sehr an Monaco Monte-Carlo erinnert, nicht umsonst hat die Stadt den Beinamen „Monaco des Balkans“. Im Hafen ankern unzählige Luxusyachten, die schöne Uferpromenade ist geprägt von vielen Restaurants, Boutiquen und Hotels. Eingerahmt wird die Bucht im Westen vom Orjen- und im Osten vom Lovćen-Gebirge, einfach nur schön! Tivat bietet Entspannung, Tradition, Luxus und jede Menge Kultur bei bezahlbaren Preisen. Absolut sehens- und erlebenswert!

Blick von der Kathedrale auf Zadar
Blick von der Kathedrale auf Zadar

Am nächsten Tag ging’s dann ca. 250 km weiter die Küste hoch auf der traumhaften und gut ausgebauten „Jadranska Magistrala“ in den Süden von Kroatien bis nach Baška Voda, einem zauberhaften kleinen Küstenort mit Hafen. Wir fuhren aber nicht über die mautpflichtige kroatische „Pelješac-Brücke“ (mit dem Bau der Brücke wurde eine innerkroatische Verbindung zwischen Süddalmatien mit Dubrovnik und dem Rest des Landes geschaffen) sondern machten einen Stopover in Neum, einer kleinen Küstenstadt in Bosnien-Herzegowina. Dieser Ort ist einer der beliebtesten Städte des Landes, da es nur hier einen ca. 5 km breiten Zugang zum Hafen und zur Adria gibt. Wir fuhren die Serpentinen runter zum Hafen und gönnten uns ein erfrischendes Getränk bei um die 30 Grad. 

Nach einem „Bilderbuchfahrtag“ hatten wir in Baška Voda eine große Ferienwohnung (airbnb)  im 3. Stock mit Blick auf die Bucht. Auf dem Markt im Hafen kauften wir frische Feigen, Olivenöl, Gemüse und Fisch und verbrachten den Abend auf dem Balkon mit selbst zubereitetem Essen und (natürlich) einer Flasche kroatischen Wein.

Nach einem ausgiebigem Frühschwimmen ging’s weiter nah entlang der Adria auf der schönen Küstenstraße 8 über Dubci, Omis, Split und Vodice bis nach Zadar. Wieder ein Fahrspaß erster Güte mit vielen Kurven, den Bergen rechts und dem Meer links mit den vielen vorgelagerten Inseln. Traumhaft! 

Fantastisch: die Plitvicer Seen
Fantastisch: die Plitvicer Seen

Am Rand der Altstadt von Zadar hatten wir ein kleines Zimmer mit Etagenbetten und Pantry gebucht (65 €) und besuchten nachmittags die Altstadt. Zadar „strotzt“ nur so vor Historie. An den zahlreichen alten Gebäuden erkennt man venezianische, byzantinische und osmanische Einflüsse. Die 172 Stufen des Glockenturms der Kathedrale „St. Anastasia“ lohnen allein schon wegen des fantastischen Blickes über die gesamte Stadt und den Hafen. Ein absolut sehenswerter Spot!

Als nächstes Ziel hatten wir uns die Plitvicer Seen vorgenommen, wo einige Szenen aus Winnetou-Filmen gedreht wurden. Ein Teil der Strecke von gut 150 km Richtung Nordosten führt über die mautpflichtige E71, da es keine praktikablen Alternativen gibt. Schon mittags checkten wir im nahe gelegenen „House Dado“ in Jezerce (58 €) ein. Die 1,5 km bis zum Eingang des Nationalparks waren schnell gelaufen. Dort entschieden wir uns für die „große Runde“ mit einem 9 km Fußmarsch und einer kleines Bootstour mittendrin. Während unserer 2-stündigen Wanderung durch den Park hat es durchgehend geregnet, sodass wir richtig nass wurden. Aber die grandiose Natur mit zahlreichen kleinen und großen Wasserfällen, Seen und Flussläufen in allen türkisen Farbtönen hat uns so beeindruckt, dass der Regen zur Nebensache wurde. Im Nachherein betrachtet hat der Regen der Wanderung sogar noch eine mystische Note gegeben. Als Kroatien-Reisender sollten man sich diesen Park nicht entgehen lassen! Nach der langen Wanderung schmeckten Pizza und Wein beim nahegelegenen Italiener abends so richtig gut!

Am nächsten Tag fuhren wir über Land wieder Richtung Küste durch eine schöne, Toskana ähnliche Landschaft und überquerten bei Utvrda Vratnik einen kleinen Pass mit sensationellen Kurven und teilweise Blick auf die nahende Adria. 

In Senj, das Zuhause der „roten Zora und ihrer Bande“ (viele kennen sicher den Kinderroman), erreichten wir wieder die Küste und nahmen die traumhaft schön zu fahrende E65 unter die Räder, das Meer immer in Sichtweite. 

Abendstimmung auf Krk
Abendstimmung auf Krk

In Šmrika bogen wir ab auf die 102 zur Insel Krk nach Omišalj, wo wir ein Zimmer in der Villa Eva (90 €) mit fantastischer Lage direkt am Wasser gebucht hatten. Da dies unser letzter gemeinsamer Abend auf dieser Tour war, gönnten wir uns auf der Terrasse direkt überm Wasser eine opulente Fischplatte und als es schon dunkel war, bauten wir die einverleibten Kalorien beim Nachtschwimmen direkt neben der Terrasse gleich wieder ab. 

Die 250 km von Omišalj bis Villach spulten wir am nächsten Tag auf Schnellstraßen ab, da um 19 Uhr Nicks Autoreisezug (allerdings ohne seine Big) zurück nach Hamburg ging. 

In Villach wimmelte es schon von Motorradfahrern, die an der European Bike Week, eines der größten Motorrad-Events Europas, teilnahmen. Für 90 € übernachtete ich im Wellness-Hotel Seestuben in Villach und fuhr dann am nächsten Tag allein weiter über Land von Villach im Süden Österreichs in den Norden des Landes. Es war meine erste ganztägige Regenfahrt bei rund 20 Grad aber es war trotzdem eine großartige Tour, da sie mich über kurvenreiche kleine Pässe und schöne Orte führte, vorbei am Traunsee bis nach Wels, wo ich nach 300 km in einem kleinen Landgasthof übernachtete. 

Ein kleines Highlight auf meiner Rückreise war am folgenden Tag der Stopp im Kurort Marienbad in Tschechien. Der Ort beeindruckt durch eine Vielzahl von historischen Gebäuden und Sehenswürdigkeiten wie die „singende Fontäne“ und die neobarocke, 180 Meter lange Kurkolonnade. Übernachtet habe ich für 65 € im historischen Hotel „La Passionaria“.

Die letzten 650 km dieser Reise zurück nach Oldenburg fuhr ich hauptsächlich auf Autobahnen mit einer Zwischenübernachtung bei einem guten Kumpel in Reichensachsen. 

Nicks Big wurde nach 3 Wochen von einem albanischen Spediteur direkt nach Wüsting zu Zweirad Denker gebracht. Sie läuft wieder einwandfrei; Ursache war der defekte Stator in der Lichtmaschine.

Es war wieder eine richtig tolle und abenteuerliche Tour, trotz des Ausfalls von Nicks Big in Albanien. Unsere nächste Tour ist schon in Planung …