aus Kradblatt 3/26 von Konstantin Winklere

Mehrere Fahrgestellnummern …

Eine UT TS 200 aus Untertürkheim
Eine UT TS 200 aus Untertürkheim

Nicht immer, aber immer öfter sehe ich mich gezwungen, quer durch unsere Republik zu reisen, um meine kleine Motorrad-Sammlung von A bis Z zu vervollständigen. Nun war der Buchstabe „U“ an der Reihe. URAL!? Nach drei Besichtigungen gab ich auf. UT !? Eine deutsche Marke, die kaum jemand kennt! Wollte einst NSU Konkurrenz machen. NSU steht für „Neckarsulm“, UT für „Untertürkheim“. Orte, wo diese Fahrzeuge mal gebaut wurden.

Im nördlichen Schwarzwald wurde ich fündig. Eine restaurierte TS 200 mit Pinneberger ILO-Motor. Baujahr 1953. Ein enthusiastischer UT-Sammler und dazu noch Familienangehöriger der Gründerfamilie verkaufte mir das Schmuckstück. Es war das zwölfte gebaute Motorrad dieser Baureihe!

Aufmerksame KRADBLATT-Leser durften miterleben, was für unglaubliche Geschichten ich rund um Kauf und Zulassung von Oldtimer-Motorrädern erleben musste. Die Umschreibung der UT im Kreis Herzogtum Lauenburg ging diesmal ohne Probleme vonstatten. 

Dafür hat der Amtsschimmel im Landkreis Calw ein paar Jahre vorher ordentlich gewiehert, wie ich beim Studium der letzten vier TÜV- Berichte feststellen musste. 

Konstantin sammelt Oldtimer von A bis Z
Konstantin sammelt Oldtimer von A bis Z

Aber der Reihe nach … die UT war in Nordfriesland zugelassen. Die DEKRA gab 2018 der mängelfreien UT mit der Fahrgestellnummer 00012 zwei Jahre frischen TÜV, bevor sie im Schwarzwald umgemeldet wurde Auch dort ohne Probleme. Für Verwirrung sorgte dann 2020 die Fahrzeug-Identifizirrungs-Nummer, wie die Fahrgestellnummer im Amtsdeutsch heißt: 00012 für das zwölfte gebaute Modell. 

Das kam dem GTÜ-Prüfer suspekt vor. Er fügte im Untersuchungsbericht sicherheitshalber noch zwölf Nullen hinzu. In den Zulasungsbescheinigungen stand 00012, im TÜV- Bericht 00000000000000012.

Zwei Jahre später beim TÜV Süd: Fachkundig wurde die Verkehrssicherheit der UT erneut bestätigt. Allerdings gab es Unstimmigkeiten bezüglich der Fahrgestellnummer, die es möglicherweise so gar nicht geben kann. Aus der 00012 musste eine 300012 werden. Auf amtliche Anordnung musste nun die Fahrgestellnummer geändert werden und um eine „3“ ergänzt werden. Dafür musste ein TÜV-Gutachten erstellt werden: „Berichtigung der Zulassungsbescheinigung gemäß Paragraph 23 Abs. 1 FZV“. Damit nicht genug. Ein Besuch bei der Zulassungsstelle war unumgänglich, um neue Zulassungsbescheinigungen Teil I und II ausstellen zu lassen.

GTÜ-Prüfung 2024: „ohne festgestellte Mängel“

Ich habe nun vier TÜV-Berichte mit drei verschiedenen Fahrgestellnummern für ein und dasselbe Motorrad vorliegen: DEKRA Flensburg 00012

  • GTÜ Wildberg: 00000000000000012
  • TÜV Wildberg: 300012
  • GTÜ Wildberg: 300012

Ich frage mich, was passiert wäre, wenn ich die UT ein paar Jahre früher gekauft hätte, und aufmerksame Mitarbeiter*innen bei der Zulassungsstelle festgestellt hätten, dass Zulassungsbescheinigungen und der erste GTÜ-Bericht unterschiedliche Fahrgestellnummern eingetragen haben.

Aber statt über „was wäre wenn“ zu philosophieren genieße ich lieber die Fahrt mit diesem überaus seltenen Oldtimer, an dem alles original ist bis auf die nachträglich eingebaute elektronische Zündung. Ach ja … und natürlich die Fahrzeugidentifikationsnummer.

Ich bedanke mich bei Hartmut für das tolle Motorrad!