aus Kradblatt 10/26 von Jörg von Häfen
Eine wie keine …
So manchem Ostalgiker dürften beim Anblick von Jörgs Schwalbe die Haare zu Berge stehen. Das Teil ist definitiv anders als andere. Aber wie kam es dazu?

Ende 2022 hatte ich meine Victoria Vicky 4 fertig aufgebaut. Ein Moped um es zur Arbeit zu schaffen. 45 km/h und kein bisschen mehr.
Anfang 2023 hat dann mein Bruder seine S51 neu aufgebaut. Durch die 60 km/h bin ich dann bei Touren immer hinterher gefahren. Als dann ein Kumpel auch noch mit einer S50 um die Ecke kam war für mich klar, ich brauche auch was Schnelleres … aber eine Simson sollte es eigentlich nicht sein. Ich schwimme nicht gern mit dem Strom.

So machten wir uns Mitte April 2023 auf den Weg. Das Objekt der Begierde war eine Jawa Mustang. Schönes Ding aber irgendwas stimmte nicht. Also haben wir sie stehen lassen und sind (etwas enttäuscht) wieder auf den Weg nach Hause. Auf dem Rückweg habe ich den Kleinanzeiger durchforstet ob es noch etwas in der Nähe gibt. Und tatsächlich stand dort eine Schwalbe.
Verkäufer kontaktiert und als wir fünf Kilometer am Standort vorbei waren kam die Antwort. Also umgedreht und angeschaut. Eine alte Schwalbe …
Gebraucht, nicht die Schönste und laufen wollte sie auch nicht. Dafür aber mit Papiere. Preislich konnten wir uns einigen und so kam sie in den Transporter und mit nach Hause.
Nachdem ich erst mal den Fehler mit dem nicht laufenden Motor behoben hatte – eigentlich hat nur der Luftfilter gefehlt – ging der Wahnsinn erst richtig los.
Die originalen Trittbretter gefielen mir gar nicht, neue kaufen total abwegig, weil die dann ja neu wären. Also kreativ werden: ein Eimer Muttern und ein Schweißgerät und schon sind neue Trittbretter entstanden.
Dann kam die Idee: einen Seitenständer braucht sie. Kurz überlegt dann die alte kleine Pumpenzange gesehen, an der ich mir schon 100x die Finger geklemmt habe. Perfekt!

Zwischenzeitlich wurde auch der Motor von 50 auf 63 ccm gesteigert und die Schwalbe bekam eine Tieferlegung.
Dann gefielen mir der Lenker und die gesamte Sitzposition nicht mehr. Also musste auch hier was geändert werden. Vom Downhill Mountainbike war noch ein Lenker da. Der musste da irgendwie ran gehen. Also einen Vorbau dazu geholt. Aber eine Schwalbe ohne Blinker ist doof und gefällt mir persönlich auch nicht. Die originalen Blinker kamen dann an den Lenker und bekamen später noch weiße Kappen. Die Kabel habe ich, wie beim Original, im Lenker verlegt. Den Vorbau ziert dann noch ein Kickstarterritzel aus dem Fundus meines Bruders (S51).
Da ich immer weiter gebastelt hatte und die Schwalbe immer schneller wurde, musste auch was am Fahrwerk passieren. Zunächst mal eine Kastenschwinge hinten aus dem Tuning Segment. Vorne sollte dann eine Scheibenbremse rein. Dazu wollte ich aber die kurz zuvor gekauften Felgen nicht wieder wegwerfen. Also musste eine andere Lösung her. Da war doch noch ein Pitbike in der Halle … Kurzerhand wurde die Felge so angepasst, dass die Bremse des Pitbikes passte. Die vordere Kastenschwinge entstand dabei als kompletter Eigenbau.
Als dann der Gepäckträger eines Tages einfach in 1000 Teile zerbrochen ist, habe ich auch wieder eine andere Lösung gesucht. Denn die Schwalbe ohne Gepäckträger ist meiner Meinung nach nicht schön. So kam es dann, dass ich dachte: irgendwie mit Werkzeug möchte ich das machen. Als ich dann bei meinem Bruder war und er sagte, das er noch altes Werkzeug hat was weg soll, war die Idee komplett.
Abschließend wurde auch am Motor noch einmal Einiges gemacht. Heute wird die Schwalbe von einem 75 ccm Aggregat mit verstärkten Gängen und einem 20er Mikuni Vergaser befeuert. Den Auspuff schenkte der Weihnachtsmann dazu. Definitiv eine Schwalbe wie keine andere …

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