Rechtstipp – Schadenersatz durch Vollkasko

Rechtstipp – Schadenersatz durch Vollkasko

Paragraphaus bma 02/06

von Rechtsanwalt Jan Schweers, Bremen
www.janschweers.de

Die meisten Verkehrsunfälle laufen nicht so glatt ab, dass der Geschädigte nach drei bis vier Wochen sein Geld hat und dann alles erledigt ist. Es gibt vielmehr immer wieder Ärger, wenn der Unfall nur irgendwie nach einem Mitverschulden aussieht. Dann wird um Prozente gefeilscht und die Parteien hauen sich Entscheidungen der Gerichte zu den Haftungsquoten um die Ohren. Der Ärger kann sich lange hinziehen. Man muss jedoch durchhalten und kräftig dagegen halten.
Diesen Ärger kann man jedoch umgehen, wenn man eine Vollkaskoversicherung hat. Denn diese kommt, sofern man es denn wünscht, für den Schaden in der versicherten Höhe auf. Die Vollkaskoversicherung ersetzt den Schaden am Motorrad. Wenn die Leistung der Vollkaskoversicherung auf Grund des vereinbarten Vertrages nicht ausreicht, kann man die Differenz vom Verursacher verlangen, da der Versicherte keinen Nachteil erleiden darf. Das Ganze nennt sich dann im juristischen Sprachgebrauch Quotenvorrecht. Am Besten lässt sich dies durch ein Beispiel erklären.
Ein Biker wird mit seinem Motorrad in einen Verkehrsunfall verwickelt. Er hat zu 50 Prozent Schuld und eine Vollkaskoversicherung mit einer Selbstbeteiligung von 650 Euro.

Der Schaden sieht wie folgt aus:
Motorradschaden 10.000 Euro
Wertminderung 1.000 Euro
Sachverständiger 1.000 Euro
Nutzungsausfall 850 Euro
Abschleppkosten 550 Euro
Auslagen (Telefon etc.) 20 Euro
Gesamtschaden 13.420 Euro

Wenn jetzt nur die gegnerische Versicherung in Anspruch genommen wird bekommt man 50 Prozent des Schadens und damit 6.710 Euro. Nehmt ihr hingegen die eigene Vollkaskoversicherung in Anspruch, dann zahlt diese zunächst den Motorradschaden abzüglich der Selbstbeteiligung von 650 Euro und damit immerhin 9.350 Euro. Es bleibt also noch ein Schaden von 4.070 Euro übrig – doch es geht noch weiter: Auf so genannte schadenskongruente Schadenspositionen, das wären die Sachverständigen- und die Abschleppkosten sowie eine Wertminderung muss die gegnerische Versicherung 50 Prozent von einem Betrag von 12.550 (Motorradschaden + Sachverständigenkosten + Abschleppkosten + Wertminderung) zahlen. D.h. höchstens 6.275 Euro. Da schon 9.350 von der eigenen Versicherung gezahlt worden sind fehlen noch 3.200 Euro. Die sind dann von der gegnerischen Versicherung zu zahlen. Dann hätte man schon mal 12.550 Euro im der Börse. Dazu erhält man noch vom Nutzungsausfall und der Auslagenpauschale (sogenannte nicht schadenskongruente Positionen) 50 Prozent gemäß der Haftungsquote. Das sind 50 Prozent von 870 Euro und damit 435 Euro. Dann hat man 12.985 Euro in der Kasse und es bleibt nur ein Schaden von 435 Euro.
Wäre man nur die gegnerische Versicherung angegangen, hätte man nur die Hälfte von 13.420 Euro und damit 6.710 Euro gehabt. Der Schaden wäre also um 6.275 Euro höher. Zu Recht kommt jetzt der Einwand, dass man in der Vollkaskoversicherung höher gestuft wird und einen sogenannten Rückstufungsschaden hat. Man zahlt also ab dem nächsten Beitragsjahr eine höhere Versicherungsprämie. Dies ist auch ein berechtigter Einwand. Die gegnerische Versicherung muss jedoch auch diesen Schaden anteilig übernehmen. D.h. in unserem Fall 50 Prozent der in Zukunft entstehenden erhöhten Prämien für die Jahre, die man mehr bezahlen muss.
Ihr solltet folglich, wenn ihr eine Vollkaskoversicherung habt, vor Abwicklung des Unfallschadens sehr genau rechnen oder wenn dies zu kompliziert ist eine Berechnung vornehmen lassen. Rechnen kann sich hier richtig lohnen!


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