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Pro Stock Dragster

aus Kradblatt 7/16
von: Henrik Vormdohre

Die Klasse der Pro Stock Dragster

ProStock Dragster DuellDas strenge Regelwerk der Pro Stock Bikes ist so aufgebaut, dass der Schwerpunkt auf fahrerischem Können und Tuning Fachkenntnissen basiert. Die Form der entsprechenden Serienmaschine muss beibehalten werden. Gänzlich ohne Leistungssteigerung durch Kompressoren, Nitro, Turbo oder Lachgas! Das Feld, liegt sehr eng beieinander, hier hat jeder gute Chancen den Sieg zu erlangen. Diese Motorräder sind gegenüber den anderen Pro Bike Klassen zwar weniger spektakulär, aber dafür sind die Rennen dieser Bike Klasse oftmals spannender anzusehen. Immer mehr neue Teams drängen in diese Klasse hinein und die Veranstalter und Motorsportbegeisterte können sich wahrlich bei den Rennen über ein großes Starterfeld freuen. Im Fahrerlager sieht man unter den einzelnen Fahrern und Teams ein sehr freundschaftliches Verhältnis und ein hohes Maß an Hilfsbereitschaft. Kurz gesagt, die Atmosphäre ist sehr angenehm.

Bereits im Jahr 1980 schrieb die NHRA (oberste Motosportbehörde in den USA/National Hot Rod Assosiation) diese Motorradklasse aus, sie wurde fortan unter den professionellen Kategorien geführt. Im Jahr 1987 wurde die erste Meisterschaft ausgetragen.

Motorblock im GitterrohrrahmenDurch die professionelle Organisation und Vermarktung wuchs das Medien­interesse und ein enormer Markt für die unzähligen Zulieferer entwickelte sich. Vance & Hines, MTC Engineering, APE, Pingel oder Star Racing sind Anbieter mit einem enormen Repertoire an edelsten, rennerprobten Teilen. Die Pro Stock Bikes wurden das zweirädrige Zugpferd der NHRA. So hat sich weltweit diese Motorradklasse etablieren können. 1991 wurde die Klasse erstmals in Europa ausgeschrieben.

Genau wie bei den vierrädrigen „Artverwandten“ (Pro Stock Cars) dominiert hier ein motorentechnischer Feinschliff der höchsten Güte. Diese hochgezüchteten Maschinen entfalten 350 bis 380 PS. In den Anfangsjahren wurde diese Klasse von den reinen Vierzylinder Motoren dominiert. Durch eine geschickte Änderung im Reglement wurde das Ziel verfolgt, auch Zweizylinder Motoren konkurrenzfähig zu machen, basierend auf Harley-Davidson Technik. Die Edel Tuner Vance & Hines mischten das Feld fortan mit einem S&S V-Twin 60° auf.

ProStock Dragster BurnoutDas Reglement schreibt ein maximalen Hubraum von 1755 ccm bei einem Mindestgewicht von 280 kg für die Vierzylinder Fraktion vor. Bei den Zweizylindern sind es 2620 ccm bei 290 kg. In den USA wird für die Saison 2016 der Hubraum bei den Vierzylindermotoren auf 1855 ccm erhöht. Diese technische Änderung sollten die V-Twins etwas einbremsen. Bei den europäischen Pro Stock Bikes sind zwei wie vier Ventile pro Brennraum erlaubt, in den USA generell nur zwei!

Die Bikes haben ausnahmslos Gitterrohrrahmen. Weit verbreitet sind Chassis aus dem Hause Kosman SCC, PMFR, Trac Dynamics, Vance & Hines und der Schweden Schmiede UCC. Der Rahmen dient nicht nur als Basis für die einzelnen Komponenten, sondern auch als Tank (Fassungsvermögen ca. 1 Liter) für das Rennbenzin mit annähernd 100 Oktan. Darüber hinaus beherbergt der Rahmen ein Reservoir für Druckluft, um die Schaltvorgänge via Pneumatik durchzuführen. Ein Druckknopf am Lenker ermöglicht schnellen Gangwechsel, dabei wird für einen Sekundenbruchteil (30–90 ms) die Zündung unterbrochen und der nächsthöhere Gang geschaltet. Ein sogenanntes Shiftlight zeigt dem Fahrer optisch im Cockpit an, wann der optimale Zeitpunkt für ein Gangwechsel ist. Diese High End Bikes verfügen über sechs Gänge.

Die Verkleidungsteile sind dem Original nachempfunden und ausschließlich aus Faserverbundwerkstoffen gefertigt. Die Vorteile sind, dass der Werkstoff eine hohe spezifische Festigkeit (Verhältnis aus Festigkeit und Gewicht) mit sich bringt. Der Werkstoff Carbon ermöglicht es, dass manche Verkleidungen nur sieben Kilo (ohne Lackierung und Aufkleber) auf die Waage bringen. Sie besteht zumeist aus zwei Teilen. Aerodynamisch ausgefeilt bis ins letzte Detail.

ProStock Dragster StartBei dem Drehzahl-Inferno auf der Strecke werden bis zu 14.500 Umdrehungen pro Minute erreicht. Berüchtigt sind auch die Spielchen der Piloten am Start, wo angestrebt wird nicht als erster „einzustagen“, sprich: die Prestage-Phase der Startampel auszulösen (Der Fahrer, der als letztes staged, hat meistens die schnellere Reaktionszeit und somit einen leichten Vorteil). Deshalb haben die Starter oft genug Mühe, die „Pro-Stock-Jockeys“ in die (Licht-) Schranke zu weisen. Starke Ampelduelle sind garantiert!

Die Beschleunigungswerte aus dem stehenden Start liegen beim 2,5 bis 3-fachen der Erdbeschleunigung. Der Fahrer konzentriert sich bei seinem Run auf das Handling des Bikes, Windverhältnisse (Seitenwind, wie z. B in Tierp am Ende der Tribünen), Drift und die Streckenverhältnisse (Senken etc.).

ProStock Dragster VerkleidungDie Zeiten der PSB liegen im unteren 7 Sekunden Bereich. Auch sind bereits des Öfteren 6 Sekunden-Läufe in Europa gefahren worden. Die dabei erreichten Geschwindigkeiten auf der Viertelmeile (402 m) liegen bei über 300 km/h. Auf den ersten 60 Fuß sind die Pro Stock Bikes fast so schnell wie die Top Fuel Bikes.

Ein komplettes Bike, das die Voraussetzungen für 7.10 Sekunden-Läufe erfüllt, liegt bei ca. 35.000 bis 40.000 Euro. Zahlreiche Teams planen ein Budget (ohne größere Schäden) von 15.000 Euro. Top Teams erreichen auch schon mal 35.000 Euro im Jahr je nach Abhängigkeit, z. B. wie intensiv getestet wird oder an welchen Meisterschaften man teilnimmt. Pro Run sind ca. 100 Euro für Verschleißteile und Verbrauchsmittel veranschlagt.

Reifen anwaermen fuer mehr GrippUm das Bike auf die Strecke und die Umgebungseinflüsse abzustimmen, haben die Teams die Möglichkeit, die Bedüsung am Vergaser und die Zündung zu verändern. Die Kupplungseinstellung ist eine der wichtigsten Einstellungen. Die nötigen Informationen liefern Sensoren am Motorrad, die z. B. die Abgastemperatur, Drehzahl, Kupplungsschlupf, Kraftstoff-Luftgemisch und die Beschleunigung am Start messen. Aus diesen Daten können am Computer dann die Informationen analysiert werden und die richtigen Einstellungen vorgenommen werden. Durch die recht überschaubaren Einstellungsmöglichkeiten für das richtige Setup, liegen die Teams sehr dicht beieinander – Feintuning auf allerhöchstem Niveau!

in Team besteht meistens aus dem Fahrer und zwei weiteren Crewmitgliedern, also recht überschaubar gegenüber einem Top Fuel Bike Team. Nach jedem Lauf wird der Motor einem Service unterzogen. Nach einem erfolgreichen Rennwochenende werden die Motoren komplett zerlegt, Verschleißteile ausgetauscht und Einzelteile bei Bedarf überarbeitet.

Die, die nicht so weit reisen möchten, sollten einmal einen Abstecher zu den Nitrolympix nach Hockenheim wagen. Die Pro Stock Bikes und viele andere Motorrad- und Autoklassen sind dort am Start.
Eine klasse Show für norddeutsche Dragstrip-Einsteiger ist auch das Jade-Race auf dem Flugplatz Mariensiel in Sande bei Wilhelmshaven, das in diesem Jahr vom 15. bis 17. Juli 2016 stattfindet.

Info-Links:
www.eurodragster.com
www.dragster.de
www.lyrenmotorsport.com
www.jade-race.com


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