Ein neues Motorrad ist immer verlockend. Damit das mit klopfendem Herzen erworbene Modell aber nicht doch im Nachhinein noch enttäuscht, solltet ihr euch vor dem Kauf Zeit für eine intensive und gut vorbereitete Probefahrt nehmen. So könnt ihr feststellen, ob die Sitzbank vielleicht nach längerer Fahrt doch unbequem ist und ob das Bike auf euren typischen Alltagsstrecken genauso überzeugt wie auf einer kurvenreichen Landstraße.

Damit euch die Probefahrt wirklich bei einer fundierten Entscheidung helfen kann, müsst ihr euch vorher darüber im Klaren sein, welche Eigenschaften euch bei eurem neuen Motorrad besonders wichtig sind.

Legt vor dem Termin eure wichtigsten Einsatzfälle fest

Vor der Probefahrt ist es sinnvoll, drei Situationen zu notieren, die ihr mit dem neuen Motorrad regelmäßig bewältigen wollt. Dabei kann es sich zum Beispiel um tägliche Fahrten in der Stadt, um Wochenendtouren in der Gruppe oder um längere Autobahnetappen handeln. Ordnet eure Beispiele danach, wie häufig sie tatsächlich vorkommen. Ist die Maschine überwiegend für den Arbeitsweg gedacht, muss sie vor allem diesen angenehm machen. Einer unvergesslichen Urlaubsreise mit dem Motorrad muss das natürlich trotzdem nicht im Weg stehen.

Haltet außerdem fest, was euch am bisherigen Motorrad stört. Ein enger Kniewinkel, schlecht erreichbare Schalter oder eine unruhige Anströmung am Helm sind konkrete Punkte, die ihr beim Kauf des neuen Bikes bedenken solltet. Der Wunsch nach „mehr Komfort“ ist dagegen zu ungenau und muss besser definiert werden.

Klärt den Gesamtpreis vor der Probefahrt

Um verschiedene Motorräder wirklich miteinander vergleichen zu können, müsst ihr wissen, was das Bike mit der von euch gewünschten Ausstattung kostet. Wenn ihr euch beispielsweise eine andere Sitzbank oder ein Gepäcksystem wünscht, kann sich dies erheblich auf den Preis auswirken.

Möglicherweise fällt dann ein auf den ersten Blick noch erschwingliches Modell durch euer Budget. Lasst euch daher die kompletten Kosten einschließlich der Montage nennen, denn ein günstiger Grundpreis hilft wenig, wenn das Motorrad erst nach mehreren Nachrüstungen wirklich zu eurem Bike wird.

Wenn ein Teil des Kaufs finanziert werden soll, muss auch die Frage „Autokredit oder Ratenkredit – was passt besser?“ vorab geklärt werden. Vergleicht dabei den effektiven Jahreszins, die Laufzeit und den insgesamt zurückzuzahlenden Betrag. Schaut euch außerdem an, welche Ausgaben der Verwendungszweck beinhaltet, denn wenn beispielsweise Umbauten am neuen Motorrad geplant sind, stellt sich die Frage, ob diese vom Kredit abgedeckt werden oder von euch selbst finanziert werden müssen.

Vereinbart eine passende Strecke und ausreichend Fahrzeit

Wenn ihr eine Probefahrt mit dem Motorrad vereinbart, solltet ihr im Vorfeld klären, welche Strecken und welche Fahrtdauer möglich sind. Schließlich sagt eine Runde durch die Innenstadt noch wenig über den Windkomfort auf längeren Etappen aus und auf einer freien Landstraße könnt ihr nur einen eingeschränkten Eindruck davon bekommen, wie sich die Kupplung und die Lenkung zwischen mehreren Ampeln anfühlen.

Sucht euch eine überschaubare Route heraus, die alles abdeckt, was ihr testen möchtet. Wenn ihr verschiedene Modelle miteinander vergleichen wollt, ist es sinnvoll, mit diesen dieselbe Strecke zu fahren. So lasst ihr euch nicht von einem besonders schönen Straßenverlauf unbewusst bei der Kaufentscheidung beeinflussen.

Bevor ihr das Motorrad für die Probefahrt entgegennehmt, müssen der Versicherungsschutz, die Selbstbeteiligung sowie die Rückgabezeit geklärt sein. Fahrt in eurer eigenen Motorradkleidung, bringt euren Führerschein mit und dokumentiert den Fahrzeugzustand vor dem Losfahren.

Sitzposition und Bedienung werden zuerst im Stand geprüft

Nehmt euch unbedingt einige Minuten für die Sitzprobe, bevor ihr mit der eigentlichen Probefahrt beginnt. Stellt euch die folgenden Fragen, um zu beurteilen, ob das Zusammenspiel von Sitzbank, Fußrasten und Lenker passt:

  • Habt ihr im Stand sicheren Bodenkontakt?
  • Könnt ihr eine entspannte Haltung einnehmen, ohne euch ständig zurechtzusetzen?
  • Bleiben die Knie an den Tankkonturen frei von unangenehmem Druck?
  • Lassen sich die Hebel mit euren Handschuhen gut erreichen?

Tragt bei der Sitzprobe auch eure Motorradstiefel und die übliche Schutzkleidung, denn sie beeinflussen die Bewegungsfreiheit und das Gefühl für die Bedienelemente. Lasst euch außerdem zeigen, wie ihr Blinker, Hupe und weitere Elemente bedient. Falls etwas nicht passt, fragt nach den Einstellmöglichkeiten, bevor ihr das Motorrad für euch ausschließt.

Testet auch das Rangieren und Abstellen

Probiert vor der Fahrt auf einer ebenen, befestigten Fläche aus, wie sich das Motorrad mit ausgeschaltetem Motor vorwärts und rückwärts schieben lässt. Bittet den Händler, beim ersten Versuch zum Absichern neben euch zu bleiben. Gerade beim Rückwärtsschieben mit eingeschlagenem Lenker merkt ihr, ob ihr die Maschine sicher führen könnt oder bereits viel Kraft braucht.

Das passende Motorrad lässt sich auch an eurem täglichen Stellplatz sicher bewegen und abstellen.

Denkt dabei an euren Stellplatz zu Hause: Müsst ihr durch ein schmales Tor, um eine Ecke oder rückwärts aus der Garage? Prüft auch, ob ihr den Seitenständer gut erreicht und das abgestellte Motorrad ohne große Anstrengung wieder aufrichten könnt. Wenn Koffer geplant sind, fragt nach der Gesamtbreite und messt zu Hause nach, ob genug Platz zum Durchschieben bleibt.

Offene Fragen und Beschwerden direkt notieren

Wenn ihr einen längeren Abschnitt gefahren seid, macht eine Pause und prüft, ob eure Hände, eure Schultern, die Knie oder das Gesäß sich inzwischen unangenehm anfühlen. Statt darauf zu vertrauen, dass ihr euch daran schon gewöhnen werdet, solltet ihr klären, ob sich die Sitzposition durch passende Einstellungen verbessern lässt. Treten auch durch eine andere Einstellung keine Verbesserungen ein, kann ein anderes Motorrad besser geeignet sein.

Macht euch für jedes getestete Modell Notizen über die folgenden vier Punkte:

1. Sitzkomfort

Wo entsteht nach welcher Fahrzeit ein unangenehmes Gefühl?

2. Bedienung

Welche Handgriffe bleiben anstrengend oder unpraktisch?

3. Fahreindruck

Unter welchen Bedingungen tritt eine störende Eigenschaft auf?

4. Offene Anpassung

Was soll verändert und anschließend erneut gefahren werden?

Bei jedem Problem ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich um ein durch Einstellungen lösbares Problem oder ein grundsätzlich unpassendes Verhältnis zwischen eurem Körper und dem Motorrad handelt.

Den Sozius bei häufigen Touren zu zweit bedenken

Wenn ihr viel zu zweit unterwegs seid, ist es natürlich wichtig, dass auch euer Sozius bequem und sicher sitzt. Auch für den Fahrer selbst muss mit einem Mitfahrer noch genügend Bewegungsfreiheit bleiben. Erst bei einer gemeinsamen Probefahrt kann sich zeigen, wie gut das Anfahren, das Schalten und das Bremsen zu zweit gelingen.


Checkliste für die Motorrad-Probefahrt

1. Einsatzbereich festlegen

Stadt, Landstraße, Autobahn, Touren oder Soziusbetrieb?

2. Gesamtpreis klären

Zubehör, Umbauten und Montagekosten mit einrechnen.

3. Probefahrtstrecke planen

Möglichst Stadtverkehr, Kurven und schnellere Abschnitte kombinieren.

4. Versicherung prüfen

Selbstbeteiligung, Rückgabezeit und Bedingungen vorab klären.

5. Eigene Schutzkleidung tragen

Helm, Handschuhe, Stiefel und Motorradbekleidung wie im Alltag nutzen.

6. Sitzposition testen

Bodenkontakt, Kniewinkel, Lenkerposition und Erreichbarkeit der Hebel prüfen.

7. Rangieren ausprobieren

Motorrad vorwärts und rückwärts schieben sowie Seitenständer testen.

8. Fahrverhalten beurteilen

Kupplung, Schaltung, Bremsen, Lenkung, Windschutz und Motorcharakter beobachten.

9. Körpergefühl prüfen

Nach längerer Fahrt auf Druckstellen oder Beschwerden an Händen, Schultern, Knien und Gesäß achten.

10. Soziusbetrieb testen

Wenn regelmäßig zu zweit gefahren wird, möglichst gemeinsam Probe fahren.

11. Probleme einordnen

Ist etwas einstellbar oder passt das Motorrad grundsätzlich nicht?

12. Direkt Notizen machen

Sitzkomfort, Bedienung, Fahreindruck und offene Anpassungen festhalten.

Passt alles, steht dem Fahrspaß nichts mehr im Weg!


Foto: Ankit Sihag / Pexels

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