Vorwort der Ausgabe 8/26 von Gregor Schinner, www.zweirad-online.de
Schwitzen oder schürfen?

Neulich auf der A73. Zwei Motorradfahrer auf dem Weg nach Norden, beide auf einem Supersportler, beide vorbildlich in Lederkombi. Es ist warm, nein, eher schon heiß, doch die Dame des Pärchens hat eine kreative Lösung für das Hitzeproblem gefunden: Die Jacke der Kombi wurde einfach ausgezogen und baumelt noch verbunden mit der Kombi-Hose lässig im Wind und verschafft der Fahrerin zumindest etwas kühlenden Fahrtwind. Im Falle eines unvorhergesehenen Sturzes müsste sie allerdings noch während des Fallens in Sekundenbruchteilen in beide Arme einfädeln und schnell den Reißverschluss schließen, um beim Aufprall und der zu erwartenden Rutschpartie über den Asphalt die volle Schutzwirkung der Lederkombi zu erhalten – viel Erfolg bei diesem Stunt.
Wenige Tage später, auf dem Autobahnzubringer, wieder eine junge Dame auf einem erkennbar gut motorisierten Bike, nur die Schutzkleidung nicht annähernd so potent wie die Maschine. Mit Crop Top, Minirock und knöchelfreien Schuhen sicher ein Blickfang, aber Kontakt mit der Fahrbahn möchte man bzw. Frau so sicher nicht haben.
Aber das soll jetzt bitte kein Frauenbashing werden, tatsächlich sind es mehrheitlich vor allem jüngere Männer, die auf dem Motorrad bei der Wahl der angemessenen Schutzkleidung schwächeln. Ja klar sieht man im Muscle-Shirt die vielen Gym-Stunden deutlich besser, als unter der Protektorenkombi, natürlich kann man auch mal ohne Helm kurz in die Stadt fahren (das ist aber immerhin illegal) und Flip Flops sind für die Belüftung der Füße bei 30° sicherlich angenehmer als solide Motorradstiefel.
Leute, was ist los mit euch? Seid ihr noch nie runtergefallen, wenigstens vom Fahrrad? Schon bei 10 km/h mit nackter Haut über den Asphalt tut’s höllisch weh, das will man nicht bei 50 oder 100 km/h erleben. Und glaubt bitte nicht, dass ihr immer alles im Griff habt! Das ist ein Trugschluss. Ja ich weiß, mein Körper, meine Schmerzen, meine Entscheidung – aber da gibt es ja auch noch die Leute, welche euch im Ernstfall wieder zusammenflicken und dann mühsam Stoffreste und Steinchen aus dem, was von eurer Epidermis noch übrig ist, herausfummeln müssen. Die könnten darauf sicher gut verzichten – sie haben auch ohne verunfallte Motorradfahrer genug zu tun.
Ja, bei großer Hitze Motorrad zu fahren ist meistens nicht so geil, aber längst kein Grund, auf angemessene Schutzkleidung zu verzichten. Die Bekleidungshersteller bieten inzwischen ein reichhaltiges Sortiment an Jacken, Hosen, Handschuhen und Stiefeln mit Protektoren und abriebfestem Obermaterial, die auch bei sommerlicher Hitze noch genug Durchlüftung gewährleisten. Gönnt es euch und eurem Körper – ihr habt nur den einen.
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Kommentare
7 Kommentare zu “KRADblatt Editorial 8/26 – Brennt’s unterm Helm?”
Moin liebe Zwei- und Dreiradkollegen,
(ja, mit 75 Jahren erlaub ich mir das generische maskulin, wo auch die Damen mit eingeschlossen sind)
meine Frau und ich sind mehr als 50 Jahe auf zwei und drei Rädern unterwegs gewesen, rund ums Jahr. Wir sind nie ohne entsprechende Schutzkleidung gefahren. Das was ohne eine Verurteilung Andersdenkender, ganz alleine unsere Entscheidung. Wir wissen, wie es aussehen und ausgehen kann, wenn man den Eigenschutz nicht so wichtig nimmt.
Als jüngere Menschen hätten wir gerne ein überzeugendes Gespräch gesucht, aber mit zunehmende Lebensalter hat sich unsere Sichtweise geändert. Die meisten Motorradfahrer sind überwiegend sporliche und relativ gesunde Menschen. Wo gibt es demnach eine bessere Quelle für gute Spenderorgane, die immer wieder dringend gesucht und gerne genommen werden? Aber bitte, bitte habt leicht findbar einen Organspender-Ausweis dabei.
Es ist wirklich ,nicht schön (da reißt sich keiner drum) wenn man sich die trauernden Angehrigen zur Seite nehmen muß und sie um Erlaubnis fragt, ob man diverse Organe beim verstorbenen Kind, Partner ect. entnehmen darf.
Also haben wir ab einem gewissen Punkt im Leben nicht mehr an der Vernunft unserer leichtbekleideten Motorradkollegen gezweifelt, sondern nur noch gehofft, daß im Falle eines Falles der Organspenderausweis leicht zu finden ist.
Unser Berufsleben und leider auch das Motorradfahren ist zwischenzeitlich beendet bzw. nicht mehr möglich, aber wir wissen rückblickend noch immer worüber wir reden.
Auch diesmal sollte es keine „Moralpredigt“ werden, aber vielleicht mag der Eine oder Andere einmal über meinen (unseren) Blickwinkel nachdenken.
Gute Fahrt und haltet den Gummi auf der Straße (wie die Amis sagen)
und liebe Grüße aus dem Emsland an Marcus Lacroix
Moin, eins vorweg: Hitze ist besser als Kälte. Auf dem Weg nach Südfrankreich während der Hitzewelle dachte ich schon in Belgien ans Aufgeben. Ich hatte auf dem Weg von Oldenburg nach Namur bei über 30 Grad auf der K75RT in Köln am Tankstopp in Köln Herzrasen beim Absteigen. Ich war Hemmungslos dehydriert. In der klimatisierten Tanke 1 Liter Wasser getrunken und weiter. Und siehe da: Man schwitzt und kühlt dadurch ab und die Verkleidung der RT schützt vor dem heißen Wind. Ab da jede Stunde das selbe Ritual. Anhalten, 0,75l Wasser trinken, pinkeln, weiterfahren. Ab Belgien geht Europa mit der Hitze auch angemessen um. Überall Brunnen, wo man seine Wasserflaschen auffüllen kann. Parkplätze mit vielen Schattenplätzen. Als dann aber in Paris für den nächsten Tag in Richtung Süden 41° Grad vorhergesagt würde, gab es nur eine Lösung. Wecker nachts um 03:30 stellen und zeitig los. Ich war dann auch bevor die fette Hitze kam um mittags um 12:00 in Toulouse und habe die Goldene Stunde am Morgen mit moderaten Temperaturen um 25° erleben dürfen. Die Hitze kommt erst Nachmittags. Ich hatte eine Textiljacke und eine Lederhose, Stiefel an. Eine Kombi, die sich bei jedem Wetter bewährt. Die Membran hilft allerdings nur wenn es innen wärmer ist als draußen. Lasst die Karre bei über 35 Grad stehen. In Toulouse bin ich dann erstmal 3 Tage klimatisierte Öffis gefahren und bin nach der großen Hitze weiter in die Pyrenäen gefahren. Gruß von Ralf
Leute…ihr müsst damit leben, dass, solange nichts in dieser Richtung vorgeschrieben ist, jeder so Motorrad fahren darf, wie er will. Es ist jedem selbst überlassen. Jeder Fahrer ist sich des Risikos bewusst und einige nehmen es wohl offensichtlich auch in Kauf, ob es Euch nun gefällt oder nicht. Nervt nicht mit irgendwelchen Bevormundungen oder angeblich gut gemeinten Ratschlägen oder Bemerkungen, die eigentlich nur eure Intoleranz widerspiegeln. Leben und leben lassen…
Es ist doch jedes Jahr dasselbe und der erhobene Zeigefinger nervt allmählich. Jeder vernünftige Mensch weiß, wie man sich im Idealfall auf einen Motorrad kleiden sollte. Wenn aber jemand der Meinung ist, nur in Badehose fahren zu müssen, dann ist das einzig und allein seine persönliche Entscheidung und muss nicht ständig mit Belehrungen einhergehen. Wenn sich ein Rennradler in seiner Nylonkombi mal abmault, dann ist das Ergebnis ähnlich wie das Erden mit einem Motorrad. In weiten Teilen Asiens ist das Fahren mit Latschen und Shirt sogar Gang und Gebe. Klettern, wandern, rauchen, essen und eigentlich alle Dinge im Leben sind risikoreich und ich möchte für mich ganz alleine entscheiden, was ich wann und wo wie mache. Werden Raucher oder Skifahrer bald auch nicht mehr behandelt, da es ja das eigene Risiko war, dies zu tun ? Also mal bitte die Kirche im Dorf lassen, denn die Mehrheit der Menschheit ist ja vernünftig. Diese Bevormundungen und guten Ratschläge kann ich allerdings nicht mehr ertragen, zumal die Zweifler im Leben auch nicht alles richtig machen.
Da ich auch schonmal der Vorfahrt beraubt wurde und Schutzkleidung an hatte,somit nur Prellungen an Arm und Bein davontrug kann ich sagen ganz klar Schützen.Da wir alle über die Versicherungsbeiträge davon betroffen sind und für unvernünftige Leute mitbezahlen kann ich wohl sagen Schutzkleidung hilft,und Verletzungen fallen milder aus.Versicherungen sollten ruhig in ihren Bedingungen schreiben:keine Schutzkleidung an dann Eigenbeteiligung an den Krankheitskosten oder teilschuld.
Das Schutzkleidung schützt ist keine Frage (und beim Namen auch naheliegend). Nur gehts darum nicht. Versicherungsbeiträge? DAS ist auch kein Argument – denn dann müsste man genauso jedem Radfahrer permanent erklären das es ziemlich Risikoreich ist wenn die mal wieder jenseits von Gut und Böse durch die Strasse ziehen. Jedem Raucher müsste man ebenfalls entweder mehr Zahlen lassen ODER permanent bei dem Kauf einer Schachtel Zigaretten ne 20-Min-Zwangsbelehrung zukommen lassen. Du gehst ohne _festes_ Schuhwerk irgendwo im Wald spazieren – schon blöd, selbst da kann dir ne einfache Biene die kurz in die Sandale kommt ordentlich den Tag vermiesen….
Und grad was die Eigentbeiligung angeht – wo willst du da die Grenze setzen? Du hast nen Bier getrunken (und ich meine EINS, und nen normales, nich den 8L Starkbier-Humpen!) und fällst die Treppe runter -> Eigenbeiteiligung, ggf. wärst du ohne das Bier ja nicht gefallen. Frauen? Uhhhh – das wird teuer, mögliche Schwangerschaft,… Und betreibst Leistungs- oder gar Extremsport? Nun, dann ab zur Kasse mit dir, das Risiko das du dich verletzt ist ja auch höher… Du denkst dir „ok, dann keinen Leistungssport“ und bestellst dir abends ne Pizza nach Hause -> bitte ab zur Kasse, immerhin keine Gesunde Ernährung… Demnach würde ich wenn das amerikanische Modell vorschlagen – keine Versicherung und jeder kann sich halt kaufen was er/sie/es möchte… Gut, für Leute die weniger Geld haben ggf. blöd, aber hey, irgendwas is ja immer….
Danke! So ist es!