HJC RPHA11

HJC RPHA11

aus Kradblatt 1/16
von Marcus Lacroix

Ausprobiert: Helm für Sportfahrer - HJC RPHA11

HJC RPHA11Bereits Mitte November trudelte der brandneue HJC RPHA11 in der Redaktion ein, der in der HJC-Produkt­reihe oberhalb des sehr beliebten RPHA10 PLUS angesiedelt ist. Der 11er wurde vom amtierenden MotoGP Weltmeister Jorge Lorenzo, dessen herausragende fahrerische Kompetenz sicher keiner Disjussion bedarf, mitentwickelt und macht so schon klar, was er ist: ein echter Sporthelm!

Warum wir das so hervorheben? Während der Probefahrten kam es zu einem seltsamen Gespräch mit einem Biker der meinte, der Helm wäre ja ganz schick, aber auch er als Sportmotorradfahrer hätten doch gerne eine versenkbare Sonnenblende und klappbar für Brillenträger wäre doch auch ganz schön. Sagen wir es also noch mal ganz deutlich: der HJC RPHA11 ist ein SPORTHELM – und Sport bedeutet nicht, mit einem 200 PS Supersportler im Rahmen der StVZO plus eventuell 20 % zur nächsten Eisdiele zu schiggern, um dort mit den Kumpels zu posen. SPORT findet auf der Rennstrecke satt!

HJC RPHA11 VisierverriegelungWer selbst schon mal auf der Renne unterwegs war, wird auf ein paar Kriterien besonderen Wert legen. Eine sehr gute Passform setzen wir dabei mal voraus, denn auch auf der Straße muss ein Helm in erster Linie zum Kopf passen und nicht zum Dekor des Bikes!

Auf der Rennstrecke, auch bei „normalen“ Renntrainings, haben Gewicht und der Aerodynamik einen weitaus höheren Stellenwert. Die Kräfte, die beim Bremsen und Beschleunigen auf die Halsmuskeln wirken, sind enorm und da kann ein Tourenhelm schnell zum Muskelkater führen. Zum Vergleich: der RHPA11 in Größe M wiegt 1363 Gramm. Mein im Alltag sehr bequemer Klapphelm mit Sonnenblende usw. 1699 Gramm. Das stört im Tourenbetrieb keineswegs. Aber verzögert mal die 336 Gramm Differenz aus 200 plus X km/h am Ende einer Start und Zielgeraden mit den Halsmuskeln – und das viele Runden und Kurven lang. Das Resultat dürfte jedem einleuchten, der nicht einen echten Stiernacken hat. Die Aerodynamik des RPHA11 ist auch klasse, wobei wir sie mangels Motorleistung nur bis 200 km/h auf einem Nakedbike testen konnten.

HJC RPHA11 LufteinlassDer nächste, ebenso wichtige Punkt ist die Belüftung. Man glaubt gar nicht, wie anstrengend schon ein flottes Renntraining ist. Da arbeiten alle Muskeln und die brauchen vor allem Sauerstoff. Ein Sporthelm muss bestens belüftet sein, das Visier darf auch bei schlechtem Wetter und starker Atmung nicht beschlagen und die Augen müssen trotzdem vor Zugluft geschützt sein. In allen Kriterien kann der RPHA11 punkten. Das im Vergleich zum 10 PLUS erweiterte Sichtfeld bleibt in Verbindung mit dem beiliegenden Pinlock-Innenvisier und dem Atemabweiser beschlagfrei. Über den Belüfungsregler am Kinnteil kann Fahrtwind innen auf das Visier geleitet werden, ohne das es zieht. Die kleine Stirnbelüftung bringt nur etwas frischen Wind, doch die beiden leicht zu bedienenden Drehregler oben am Kopf öffnen quasi die Luft-Schleusen. Das kühlt richtig – bei den Probefahrten unter 10 Grad auch im geschlossenen Zustand durch die Zwangsentlüftung so gut, dass man auf längeren Strecken glatt eine Sturmhaube tragen möchte.

HJC RPHA11 Visier entriegelnGenial einfach ist die Visiermechanik. Der Visierwechsel ist eine Sache von Sekunden, ein getöntes Ersatzvisier, wie auch das Pinlock, im Kaufpreis enthalten. Eine kleine Kritik kann man bei der Mechanik im direkten Vergleich zum 10er RPHA anbringen, die fühlt sich da einfach „satter“ an. Die Funktion selbst ist aber gleich.
Das Visier wird im geschlossenen Zustand verriegelt und kann noch extra über einen kleinen Schieber gegen versehentliches Öffnen gesichert werden. Evtl. wollte Jorge ja sicher gehen, dass er es nicht beim Abziehen der Abreißvisere im Eifer des Gefechts öffnet. Tourenfahrer, die gerne mit halb offenen Visier fahren, wird der Anblick stören, aber für die gibt es eh passendere Helme.

Der Kinnriemenverschluss über Doppel-D-Ringe passt immer perfekt, Brillenbügel lassen sich gut einfädeln, der Kinnspoiler ist abnehmbar.

HJC RPHA11 Emergency PullDie Wangenpolster können im Sturzfall über extra „Emergency“-Schlaufen herausgezogen werden, um das Abnehmen des Helmes zu erleichtern. Die Funktion gibt es auch bei anderen (Sport-) Helmen, doch die meisten Motorradfahrer kennen sie gar nicht, wie mir ein Fachverkäufer erklärte. Mir war das Feature ehrlich gesagt bis dato auch nicht geläufig.

Der HJC RPHA 11 kostet in uni schwarz oder weiß glänzend bzw. schwarz oder anthrazit matt 399,99, mit schickem, klarlackiertem Dekor – wie z. B. die hier abgebildete Variante „Darter“ 449,90 und im Jorge Lorenzo Monster Energiebrause Weltmeister Outfit blättert man etwas happige 549,90 Euro hin.
Wie immer gilt: kein Helmkauf ohne Fachberatung/Probefahrt, denn ein Helm muss zuallererst passen! Mehr Infos gibt es auf www.hjc-germany.com und im Fachhandel.

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Nachtrag: Stand 1/2016 fährt Lorenzo nicht mehr für HJC. Presseinfo von HJC dazu:

"HJC und Jorge Lorenzo haben ihre aktive Zusammenarbeit zum 31.12.2015 beendet.
Der Grund hierfür liegt weniger in einem verrutschten Zusatzpolster oder in einem, von Jorge nicht gewünschten Atemabweiser, wie vereinzelt, aus Unwissenheit heraus, berichtet. Vielmehr konnte HJC die von Jorges Management gestellten Forderungen hinsichtlich der Länge der Vertragsdauer sowie der Höhe des zukünftigen Sponsorentgelts nicht akzeptieren. Alle HJC Lorenzo Replica-Modelle, sowohl RPHA10+ als auch RPHA11, können regulär abverkauft werden. Wir wünschen Jorge alles Gute und viel Erfolg für 2016."

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HJC Rpha11 PolsterNachtrag: Stand 5/16

HJC hat dem RPHA ein kleines Update spendiert, von dem auch bisherige Käufer profitieren. Peter Kaiser von HJC Deutschland dazu:

„Zur besseren Geräuschdämpfung verfügt das Modell RPHA11 über separate Ohrpolster. Auf Grund eigener und anderer Testerfahrungen hat HJC entschieden, die RPHA11 ab sofort mit dickeren Ohrpolstern auszustatten. Die Lagerbestände von HJC Europe werden entsprechend nachgerüstet und Kunden und Händler nachversorgt.
Neben der zentralen Kinnbelüftung hat der RPHA11 noch eine, von innen zu bedienende, seitliche Kinnlüftung. Wenn man den inneren Belüftungsschieber auf „Öffnen” stellt, sieht man, dass die Lufteinlassöffnungen mit Schaumstoff abgedeckt sind. Diese Schaumstoffeinsätze lassen sich mit einer Pinzette oder einer kleinen Zange mühelos entfernen und die Wirkung wird um ein Wesentliches erhöht.”

Wir haben beides ausprobiert und HJC bekommt für die Aktion zwei Daumen hoch. Die Polster lassen sich einfach austauschen und per Klett individuell positionieren. Grundsätzlich empfehlen wir für Lang- und Rennstrecke aber nach wie vor passenden Gehörschutz, unabhängig vom Helm. Die Lüftung war eh schon sehr gut und ist jetzt noch besser.

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