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GIVI Reifenflicksatz und Pirelli Scorpion STR

aus Kradblatt 7/20 von Marcus Lacroix

Flicken und Fahren

Bridgestone mit Schraube und GIVI ReifenflicksatzSo schnell kann es gehen – in der Kradblatt Ausgabe 4/2019 haben wir euch den Reifenflicksatz von GIVI (UVP 41,50 €) vorgestellt, jetzt konnten wir ihn auch in der Praxis testen.

Es ist nicht mein erster Platten am Motorrad und als sich die Maschine nur zäh rangieren ließ war klar, da steckt was drin. Das Reparatur-Set habe ich eigentlich immer dabei und so ging es direkt los. Eine kleine Schraube hatte sich mittig in die Lauffläche des Vorderradreifens gebohrt – eine ideale Stelle zum Flicken. Die Anleitung ist verständlich und wenn man sich daran hält, geht es nach nicht mal 15 Minuten weiter. 

Nach dem Entfernen des Fremdkörpers wird das Loch mit einer beiliegenden Reib­ahle aufgeweitet. Das kostet etwas Kraft und man sollte es nicht nachlässig machen, da sonst das Platzieren des Stopfens mühsam ist. Also lieber etwas länger feilen …

Entgegen manch anderer Sets ist bei GIVI keine Vulkanisierlösung (kennt man vom Fahrrad-Flicken) nötig. Das irritierte mich vor einem Jahr etwas, da ich diese Form nicht kannte. Der Reparaturstreifen, ein zähes und klebriges Fasergeflecht, wird in die Ahle eingefädelt und in das Loch gestoßen. Beim zügigen Herausziehen der Ahle reißt der Streifen und verknüdelt sich inwandig. Außen schneidet man den überstehenden Rest einfach ab. Über die CO2-Partonen füllt man den Reifen und korrigiert dann bei nächster Gelegenheit den Luftdruck, sofern man kein Messgerät dabei hat. 

Den Pannenfall habe ich auch bei uns auf der Kradblatt-Facebookseite gepostet und verkündet, dass ich den Reifen jetzt noch auffahre. Für 2–3 tkm wäre er vorne sicher noch gut. Uiuiuiii – da hatte ich aber was gesagt. Von „wie kannst du nur, das ist lebensgefährlich“ bis „kein Problem, mache ich auch seit 4.000 Kilometern so“ war alles dabei.

Korrekt ist: ein Reparaturkit ist eine Notlösung für den Pannenfall! Steht auch so in der Anleitung. Den Reifen sollte man kurzfristig austauschen und nur mit moderater Geschwindigkeit fahren. Aus meiner Praxiserfahrung heraus habe ich aber kein Problem damit, einen geflickten Reifen auf einer leistungsschwächeren Maschine weiter zu nutzen. Klar, mit 200 PS und >200 km/h würde ich damit nicht über die Bahn bolzen wollen, aber mal ehrlich, was soll denn passieren? Im schlimmsten Fall verliert der Reifen wieder Luft, er wird aufgrund der Flickstelle aber nicht plötzlich explodieren. Mit einem Platten muss man aber IMMER rechnen und ich hatte ihn vorne wie hinten auch schon während der Fahrt. Es ist nicht witzig, wenn die Fuhre anfängt zu „schwimmen“ aber bei modernen Schlauchlosreifen i.d.R. gut beherrschbar – auch bei 130 auf der Autobahn. Die Entscheidung trifft aber jeder Fahrzeugführer selbst – seid ihr euch unsicher, lasst einen Reifen auf jeden Fall nach einem Platten tauschen oder zumindest vom Reifenfachmann inspizieren. Der kann ihn auch professionell reparieren (wobei das kaum jemand bei Motorradreifen macht). Das ist allemal besser als ein Sturz aus falschem Geiz! Auch wenn man den Reifen nicht innerhalb der Saison auffährt, würde ich ihn tauschen. Die Karkasse ist immerhin beschädigt. Bei Schäden an der Flanke würde ich auch grundsätzlich von einer weiteren Nutzung absehen.

Honda X-ADV mit Pirelli Scorpion Rally STR Meinen 750er Honda X-ADV fuhr ich jedenfalls noch ein paar hundert Kilometer, als das Angebot von Pirelli kam, den Scorpion Rally STR auf dem Enduro-Scooter-Hybrid zu testen. Coole Sache, das Angebot nahm ich gerne an! 

Die originale Bridgestone-Paarung Trailwing TW101/152 hatte bis Kilometer 7100 einen ordentlichen Job gemacht und ich hätte sie auch aufgefahren. Den Scorpion hatte ich aber als Nachfolger eh schon im Auge, der hatte mir als Serienreifen auf meiner Ducati Desert Sled bereits gut gefallen. Da ich auch gerne mal einen Abstecher in Feldwege unternehme, kommt der X-ADV mit den Trailwing dort schnell an seine Grenzen. Trotz dezenter Endurooptik taugt der TW Offroad allenfalls auf trockenem Schotter. Der Pirelli reißt da definitiv mehr.

Beim Umziehen konnten wir die Flickstelle begutachten. Der Gnubbel, der sich auf der Innenseite gebildet hatte ist zäh-elastisch und sehr stabil; der hätte sich ganz sicher ohne Messer/Zange nicht mehr vom Fleck bewegt. Das Material ist weicher als das Profil, verschleißt also parallel zum Rest.

Den frischen Pirelli Scorpion Rally STR sollte man vorsichtig einfahren, da er neu erstaunlich rutschig ist. Wie früher, als man erst mal das Trennmittel runterfuhr. Beherzigt man das nicht, liegt man beim zackigen Abbiegen und Gasaufziehen schnell auf der Nase. Meine Desert Sled habe ich so nach dem Reifenwechsel stabil geparkt und ich kenne noch jemanden, dem es ebenso erging. Auch beim X-ADV – obwohl ich es wusste – sprach beim Einfahren die Traktionskontrolle an. Ein paar Kurven und Feldwege später grippt er dafür einwandfrei. 

Der Rally STR punktet mit seiner Vielseitigkeit. Auf der Straße bietet er Grip bis zur Kante, im Gelände kommt er erst bei schlickigem Boden an seine Grenze. Das Abrollgeräusch ist natürlich lauter und der Abrollkomfort geringer, das wird angesichts des Profils aber niemanden ernsthaft überraschen. Auf dem X-ADV ist er außerdem handlicher als der Trailwing und sieht dazu noch cooler aus. Ein Punkt, der heutzutage ja auch bei einigen (Umbauten) zählt …

Infos über lieferbare Größen gibts online unter www.pirelli.de sowie bei allen Motorrad- und Reifenhändlern.


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