„Verkehrsberuhigung“ der Staatsstraße 2185
aus Kradblatt 1/26 von Mathias Thomaschek, www.zweirad-online.de
Unser Kollege Mathias Thomaschek von der Zweirad (neben dem Kradblatt übrigens das letzte inhabergeführte regionale Motorradmagazin in Deutschland) berichtet von einer unschönen „Verkehrsberuhigungs-Maßnahme“ im Fränkischen. Da auch viele Norddeutsche gerne dort Urlaub machen, geben wir die Info an euch weiter. Zudem ist mit solchen Maßnahmen auch andernorts zu rechnen.

Der Abschnitt der Staatsstraße 2185 zwischen Glashütten und Volsbach ist nicht erst seit gestern „unfallauffällig“. Was nicht weiter verwunderlich ist: Kurvenreich anspruchsvoll schlängelt sie sich zwischen den beiden Ortschaften über einen Höhenzug durch den Wald, dazu bieten Parkplätze an den schönsten Kurven optimale Voraussetzungen zum Filmen von Fahrern und Stürzern.

Zwar wurde hier die Geschwindigkeit schon vor Jahren auf 60 km/h begrenzt, aber sowohl die anordnende Behörde als auch die Polizei wissen um das personelle Problem einer permanenten Überwachung.
Wenn hier der ambitionierte Knieschleifer bei einer ersten Kontrollfahrt feststellt, dass die Luft laser- und radarfrei ist, haben die runden Schilder für ihn nur noch hinweisenden Charakter.
Wohl aus diesem Grund zündete das Landratsamt die nächste Eskalationsstufe: In der unfallträchtigsten Kurve wurde nicht nur der Applausparkplatz für Motorräder dauerhaft gesperrt, sondern auch der Asphalt abgefräst und die Höchstgeschwindigkeit deswegen auf 40 km/h begrenzt. Die langen Rillen in Fahrtrichtung sorgen schon optisch für die Gasgriffdrehung nach vorn.
Der Hoffnung, die durch den Schwerlastverkehr entstandenen und jetzt abgefrästen „Verdrückungen würden zügig durch eine neue Fahrbahndecke wieder verschwinden, erteilte die Fachabteilung des zuständigen Staatlichen Bauamtes eine Absage: „Die von Ihnen angesprochene Feinfräsung im Kurvenbereich der Staatsstraße 2185 zwischen Glashütten und Volsbach ist keine temporäre Maßnahme,“ ließ man uns mit freundlichen Grüßen auf unsere Presse-Anfrage wissen. Mehr Info gab es nicht. Scheinbar schwebt der Geist der Nankendorfer Skandalkurve noch in den Amtsstuben.
Rückblick: Da war doch auch mal was mit Fräsungen und Parkplatzsperrungen, werden sich unsere älteren Leser erinnern. Stichwort: Nankendorfer Kurve zwischen Waischenfeld und Plankenfels.
In der Maiausgabe 2000 hatten wir das erste Mal von den in eine völlig intakte Fahrbahn gefrästen Längsrillen berichtet. Die amtlichen Begründungen waren mehr als fadenscheinig. (Siehe dazu auch Ausgabe 5/ und 6/2000 im Heftarchiv unter zweirad-online.de).
Darauf kam es am 19. Mai zum geschichtsträchtigen Medien-Showdown, bei dem nicht nur Mitglieder einer inzwischen gegründeten Bürgerinitiative, sondern auch Vertreter des ADAC Nordbayern, der Waischenfelder Bürgermeister und sogar ein RTL-Team erschienen waren. Straßenbauamt und Polizei blieben dem Ereignis vorsorglich fern. Das mediale Interesse war also groß. Vor allem dann, als sich herausstellte, dass hier Privatinteressen einiger Anwohner zusammen mit der Einflussnahme des Bürgermeisters und der Willfährigkeit der damaligen Straßenbaubehörde zu dieser technisch unsinnigen Maßnahme geführt hatten. Denn zu den Fräsarbeiten wurde auch noch dick Rollsplitt aufgetragen.
Die Geschichte ging damals zumindest für die Fahrsicherheit gut aus: Bereits im Augustheft konnten wir von einer Neuasphaltierung der beschädigten Fahrbahn – mit Hilfe unserer Steuergelder – berichten.
Die gefräste Kurve im aktuellen Streckenabschnitt weist viele Parallelen zum Nankendorfer Skandal auf. Wieder sind es Fräsrillen, eine Tempobeschränkung auf 40 km/h und die Sperrung eines Applausparkplatzes.

Wer hat angefangen? Dabei darf aber auch eines nicht vergessen werden: Die aktuelle Situation wurde ursächlich durch eine kleine Minderheit unter den Bikern herbeigeführt. Denn wer stundenlang mit drei Actionkameras am Bike und einem Hoodie mit Bekenneraufdruck schalldämpferbefreit immer wieder in den angrenzenden Orten wendet, um schon weit vorm Ortsschild akustisch durchzuladen, der darf sich über mangelnde Begeisterung der betroffenen Einwohner nicht wundern.
Und wenn Rettungsdienstbesatzungen Unfallmeldungen an besagter Lokalität mit „Wieder mal einer!“ kommentieren, dann ist die Strecke alles andere als unfallunauffällig.
Die Fräsung als spaßverderbender Faktor der Knieschleifer bleibt nach amtlicher Auskunft dauerhaft und stellt so nicht nur für sie, sondern auch alle anderen Biker und Radfahrer, die bei ihrer Tour einfach nur angemessen die Kurve durcheilen wollen, eine absichtlich herbeigeführte Gefahr dar. Bleibt zu wünschen, dass auch dieses Mal die Verantwortlichen schnellstens zur Einsicht kommen: So geht’s, schon aus Gründen der allgemeinen Verkehrssicherheit, nicht!

Wo schleifen sie jetzt? Langsam wird es also eng in der Fränkischen, verschwindet oder verliert wieder eine Poserstrecke ihren Reiz.
Der Würgauer Berg ist seit Jahren an den Wochenenden gesperrt, die Lange Meile bei der Burg Feuerstein wurde restriktiv eingebremst und wird stark überwacht.
Bleibt eigentlich, sieht man einmal vom Anstieg bei Stübig oder der ehemaligen Bergrennstrecke bei Stadtsteinach in der Fränkischen nur noch der Ellerberg übrig. Der zieht mit seinen fantastischen Kehren nicht nur Biker, sondern leider auch verstärkt Porsche-, Ferrari- und Lambo-Piloten an, deren Können eher klein, die Brieftaschen und Auspuffklappen dafür umso größer sind.
Insider schließen bereits Wetten auf das Datum ab, an dem es den Einwohnern von Tiefenellern reicht. Dann hängen auch hier die Sperrschilder. Wobei es, und darauf kann man ebenfalls wetten, wieder nur die Einspurigen treffen wird.
Dann bekommt nicht nur der Wirt vom Motorradtreffpunkt „Ellerberg-Stübla“ wegen ausbleibender Kundschaft ein Problem, sondern auch alle, die die schön zu befahrende Strecke immer gern in ihre Tourenrunde einplanen.
Und da die Knieschleifer, Poser und Lärmterroristen scheinbar auf Dauer nicht auszurotten sind, bleibt die spannende Frage, welche Strecke in der Fränkischen es als nächstes treffen wird.
Die Rundstrecke als vernünftige Alternative kommt für das Problem-Klientel dagegen nicht infrage. Dazu fehlt es nicht nur an Kondition und Können, sondern oft auch am notwendigen Kleingeld. Außerdem wären sie dort gegenüber echten Rennstreckenfahrern nicht nur optisch, sondern dank Transponder auch messbar langsamer.
—
Kommentare