Vorwort der Kradblatt-Ausgabe 9/25 von Marcus Lacroix

KRADblatt als Printausgabe und/oder als App

Echtes Kradblatt seit 1987 - aber wie lange noch?
Seit 1987 – aber wie lange noch?

Das Kradblatt erscheint seit 1987 als gedrucktes Magazin, das soll auch so bleiben. Denn trotz der vielen digitalen Kanäle, die es heutzutage gibt, haben Motorradfahrer und -fahrerinnen immer noch gerne was „richtiges“ in der Hand. So wie wir auch richtigen Fahrtwind jeder Motorrad-Simulation vorziehen. 

Das Kradblatt diente von Anfang an nicht nur dazu, Geschichten „von Motorradfahrern für Motorradfahrer“ (so der alte Slogan, damals war gendern noch kein Thema) zu erzählen, Infos & Werbung und private Kleinanzeigen zu verbreiten und Kontakte zu knüpfen. Das Magazin sollte natürlich auch Kunden in den Laden locken – schließlich bezahlen ausschließlich die werbenden Händler mit ihren Anzeigen das Heft. 

Doch auch in diesem Bereich hat sich seit Ende der 1980er Jahre viel getan. Während man sein Motorrad für Service & Reparatur immer noch in eine Werkstatt bringen muss, hat sich im Verkauf vieles in den Online-Handel verlagert. Zum Glück gibt es immer noch den Fachhandel, der mit guter Beratung das Präsenzgeschäft rettet und Kunden, die bereit sind für Service auch etwas mehr zu zahlen. Die meisten Händler fahren aber auch hier mehrgleisig. 

Worauf ich eigentlich hinaus will?   Ich möchte euch ein wenig daran teilhaben lassen, welche Überlegungen man als kleiner Verleger so hat. Wie bekommt man ein Magazin wie das Kradblatt weiter finanziert, wenn der Kuchen (sprich das Marktumfeld) immer kleiner wird, die Tortenstücke (sprich die Werbeplattformen) aber gleichzeitig immer mehr werden? 

Mit dem Problem stehen wir natürlich nicht alleine da, selbst große Kaufzeitschriften suchen nach neuen Wegen – den „Stein der Weisen“ hat dabei noch niemand gefunden.

Die unabhängigen regionalen Motorradmagazine sterben aus – wir kleinen Verleger haben i.d.R. nicht die (Wo)Menpower und das Kapital, neue Konzepte zu entwickeln. Mit dieser Ausgabe sind es übrigens nur noch zwei unabhängige Regionalmagazine in Deutschland: Mathias Thomaschek mit der Zweirad in Franken und wir mit dem Kradblatt. Der Rest hat aufgegeben oder an unseren Mitbewerber verkauft, einem Großverlag aus Unna. Guidos bmm in Baden Württemberg war bis Ausgabe 8/25 der Drittletzte im Bunde. Womit wir wieder am Anfang des Editorials sind: dem Wandel im Markt.

Auf Facebook gebe ich immer Bescheid, wenn die neue Ausgabe in der Auslieferung ist und weise auch auf unsere Gratis-App für iOS und Android hin. Die App-Nutzer werden zudem über Push-Nachrichten informiert. Eine neue Followerin zeigte sich neulich von der App ganz überrascht, sie war nur zufällig drauf gestoßen und fand die klasse. Und sie stellte mir die berechtigte Frage: „Warum macht ihr nicht mehr Werbung für die App?!“

Ja, warum eigentlich nicht? Der Luxus der Gratis-App ist ja auch nicht gerade billig. Und wenn wir dadurch weniger Hefte drucken können (auch wenn das für unsere Druckerei doof ist) könnten wir so etwas die Kosten deckeln. Ich denke es ist die Angst, dass die Händler sagen, dass Motorradfahrende kein Interesse mehr am Kradblatt haben, da sie es nicht mitnehmen. Die aktuell über 13.000 Installationen auf Tablets und Smartphones sieht man ja nicht. Und dann fahren sie womöglich die Werbung runter. Andererseits könnte man digital evtl. auch neue Zielgruppen erreichen. Ein Dilemma …