Vorwort der Kradblatt-Ausgabe 6/25 von Marcus Lacroix

Internet-Schnäppchen mit Haken …

Augen auf bei der Schnäppchenjagd!
Augen auf bei der Schnäppchenjagd!

Der Mensch ist im Kern ja ein Jäger und Sammler und freut sich, wenn er gute Beute macht. Heutzutage spielt sich das Ganze für die meisten von uns zwar eher selten im Wald ab sondern eher bei der Schnäppchenjagd beim täglichen Einkauf (ich liebe z.B. das Reste-Regal), in Baumärkten oder an anderen Verkaufsstellen. Das Jagdfieber und das gute Gefühl, erfolgreich gejagt zu haben, lässt uns genetisch bedingt einfach nicht los.

Und schon sind wir bei der Schnäppchenjagd im Internet, wo einem ja täglich die verlockendsten Angebote im E-Mail-Postfach, in vielen YouTube-Videos oder in der Social Media Timeline präsentiert werden. Dazu kommen dann noch reichlich Influencer, die auf Instagram & Co. teilweise den allerletzten Bullshit als neuestes „must have“ präsentieren.

Nun ist Werbung nicht grundsätzlich etwas Schlechtes, wir finanzieren uns ja auch ausschließlich dadurch. Bei Angeboten im Internet sollte man aber eine gesunde Vorsicht walten lassen, auch wenn natürlich nicht alles auf Betrug ausgerichtet ist.

Beispiel: Wir haben euch in Ausgabe 11/24 das Midland Bikeplay Guardian System vorgestellt, das CarPlay/Auto, Tacho, Dashcam und ein RDKS in sich vereint. Klar, das Gerät kommt aus China und hat nur ein Branding der Firma Midland. Es funktioniert aber einwandfrei. 

Nach der Vorstellung bekamen wir direkt Infos von Lesern, dass es solche Systeme über Aliexpress – das ist quasi so etwas wie der Amazon Marketplace für chinesische Verkäufer – zum halben Preis gibt. 

Neugierig wie ich bin, habe ich mir dort ein System bestellt. Um die Verzollung muss man sich nicht mehr selbst kümmern, die Lieferung klappte relativ zügig. Das System unterschied sich funktionell kaum vom Midland. Also Maschine zerlegt, System eingebaut. Dashcam läuft, RDKS zeigt den Reifendruck. Testfahrt ergab: keine Geschwindigkeitsanzeige, keine GPS-Daten. 

Es folgte eine mehr als einmonatige Online-Kommunikation mit dem Verkäufer, der zwar scheinbar bemüht antwortete, letztendlich aber nur größere Posten von diversem Motorradzubehör verramschte, wie das Beobachten seines Shops ergab. Keine Ersatzteile, keine Rücknahme, keine Erstattung, keine Garantie oder Gewährleistung. Ergebnis: Pech gehabt, quasi die Arschkarte für den Käufer, nichts gespart, geärgert, Elektroschrott produziert. Ok, dumm gelaufen.

Anders sieht es aber bei sicherheitsrelevanten Teilen aus. Die leckenden Fake Rizoma Bremsflüssigkeitsausgleichsbehälter haben wir euch ja in Ausgabe 12/14 präsentiert (siehe <hier>).

Ein Motorradhändler erzählte mir von einem Kunden, der online einen limitierten Markenhelm zum Schnäppchenpreis ergattert hatte. Äußerlich eine gut gemachte Kopie und für den Laien ohne Vergleich mit dem Original nicht sofort zu erkennen. Das Visier des Originals passte allerdings nicht, der ECE-Sticker fehlte (wobei der sich problemlos fälschen lässt), die instabile Helmschale und die Innenausstattung waren qualitativ weit vom Original entfernt. Einen Unfall mit dem Helm möchte man sich nicht vorstellen, im Internet gibt es aber Videos von splitternden Helmschalen bei Testschlägen.

Natürlich gibt niemand gerne zu viel Geld für eine Ware oder Dienstleistung aus. Lasst euch aber nicht blenden und unterschätzt die Bedeutung von Garantie und Gewährleistung nicht. Als Schnäppchenjäger folgt man sonst auch mal einer falschen Fährte …