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Editorial 06/17 – Paare, die nicht miteinander fahren können …

Vorwort der Kradblatt-Ausgabe 6/17
von Jörg „Jogi“ van Senden (… inspiriert durch seine liebe Tine)

Über Paare, die nicht miteinander fahren können …


Gerade zum Start der Saison bieten wir gerne leicht zu fahrende und im Tempo gemäßigte Anfänger-Touren über unsere Motorrad-Foren an. Das sind Touren mit bis zu acht Motorrädern, die zum Ziel haben, sich warm zu fahren, das Gefühl und den Blick für Kurven und Kurvenlinien zu vermitteln, Spaß zu haben und sich daran zu erinnern, gegenseitig Rücksicht aufeinander zu nehmen.

Die Resonanz ist erfreulich hoch und wir können inzwischen nicht allen Anfragen mehr nachkommen.

Einerseits freut es uns, denn es zeigt, dass wir mit unseren Bemühungen anscheinend ins Schwarze treffen, anderseits stimmt es uns aber auch ein wenig nachdenklich, denn es melden sich nicht nur Anfänger, sondern auch geübte Fahrer bei uns, die auch gerne einmal gemütlich in einer Gruppe unterwegs sein möchten. Irgendetwas scheint da doch zu oft falsch zu laufen.

Auffällig dabei ist, dass sich relativ viele Damen bei uns anmelden, die eigentlich mit ihren, ebenfalls Motorrad fahrenden, Partnern Ausflüge machen sollten. Viele von ihnen haben erst nach ihrem Partner den Motorradführerschein erworben, einige sogar nur ihrem Partner zur Liebe.

Trotzdem scheint die gemeinsame Ausfahrt wegen mangelnder Rücksicht oft nicht zu funktionieren. Sprüche wie „Gibt es da hinten Freibier“ oder „Hier ist keine 30er Zone“ über die Freisprechanlage, helfen den Anfängern oder den weniger Begabten nicht wirklich weiter, sondern setzen sie nur unter Druck, verunsichern und sorgen letztendlich zu einer Abkehr von einem der schönsten Hobbys der Welt. Im schlimmsten Fall führt der Druck zu einem Unfall. Andere suchen sich frustriert eine Frauengruppe in der Hoffnung, dass es dort zivilisierter zugeht. Dazu kann ich nicht viel sagen, denn da darf ich nur gelegentlich auf Gästetouren mitfahren. Ich habe aber gehört, dass es auch dort manchmal die gleichen Probleme geben soll.

Schaut deshalb bitte öfter mal in den Rückspiegel, ob euer Partner noch locker folgen kann. Zwingt eure Partner nicht dazu schneller fahren zu müssen, als das Tempo, bei dem sie sich noch sicher fühlen. Der subtile Zwang am Partner oder der Gruppe dran bleiben zu müssen, birgt eine enorme Unfallgefahr in sich. Fahrt vor eurem noch unroutinierten Partner bewusst sauber die Kurven an, damit er den Blick und ein Gefühl für die richtige Kurvengeschwindigkeit und Linienführung leichter erlernen kann. Passt euch dem Tempo des Partners an und haltet ihm den Rücken frei, indem ihr ihn auch einmal vorfahren lasst. Je mehr Rücksicht ihr nehmt, desto schneller wird euer Partner seine Fähigkeiten steigern können und desto harmonischer und schöner werden eure gemeinsamen Ausfahrten. Jeder hat einmal klein, unsicher und vielleicht auch übervorsichtig angefangen. Erinnert euch daran. Auch Sicherheitstrainings (gerne gemeinsam) können helfen. Aber bitte ohne Druck und Spott!

Für die Machos, die ihren Frauen ständig einen Kilometer voraus heizen müssen, weil sie ihr Bike ja viel besser beherrschen als ihre Küchen-Fee ein kleiner Tipp: „Lasst euer Mädel doch auch mal vorne fahren. So sichert ihr sie nicht nur nach hinten ab, wie es sich für einen Gentleman gehört, sondern habt sie auch gut im Blick. Das kann so sexy aussehen …“


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