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Desert Camera – Filmemacher unterwegs

aus Kradblatt 2/18
von Bastian Brüsecke, www.motoventure.de

Wenn die Sahara ins Wohnzimmer kommt!…

Desert Camera - Der Film

Die Sahara ist die größte Wüste der Erde, Hitze und Sand gehören ebenso zu ihr, wie die legendäre Route nach Dakar. Die Millionenstadt im Senegal ist das Ziel von Rallyefahrern seit mehr als 35 Jahren. Bastian Brüsecke (Text) und Alessio Corradini (Fotos) waren beim legendären Africa Eco Race 2017 als Fotografen auf dem Motorrad dabei. Fast ein Jahr später ist ein einzigartiger Film aus diesem Abenteuer entstanden.

Desert Camera - Fliegenfutter Ein Klick wie immer beim Auslösen der Kamera, aber dieses Mal hört es sich anders an. Irgendwas stimmt nicht. In dem engen Propellerflugzeug ist es eine Kunst, das Objektiv abzunehmen, doch es gelingt und erschrocken stelle ich fest, dass der Verschluss der Kamera sich nicht mehr öffnet. Ein weiteres Teil, das dem Saharastaub zum Opfer gefallen ist. Ich blicke wieder nach vorne, hinweg über die blank polierte Aluminiumfläche durch die rotierenden Propeller. Eine endlose, leere Weite, geformt aus Sand und Wind. Über den Kopfhörer dringt die Stimme von Motorsportlegende Jean Louis Schlesser in mein Ohr: „Hier ist einfach niemand“ und in diesem Augenblick taucht einer der Fahrer unter uns im Dünenfeld auf. Ein Mensch in einem Meer aus Sand, soweit das Auge reicht.

Desert Camera - Der Film Es ist doch genau das, warum wir in die Wüste fahren. Unberührte Einsamkeit und ungewisses Abenteuer als Kontrast zum hektischen Arbeitsalltag im modernen Europa.

Mein Name ist Bastian und seit mehr als 26 Jahren lebe ich mit und auf dem Motorrad. Doch in den letzten Jahren fange ich mehr und mehr die Momente des Lebens mit der Kamera ein. Es entstehen Bilder, die Geschichten erzählen, vom Abenteuer, von Erfolg und Scheitern. Wüsten sind die Orte, die mich dabei magisch anziehen und eben schönste Motive aus Strukturen, Farben und Licht in unzähliger Häufigkeit liefern.

Desert Camera - Sandra Biegun Es liegt in der Natur, dass diese Orte schlecht erreichbar, unkomfortabel und manchmal sogar sehr lebensfeindlich sind. Immer wieder musste ich auf Solo-Reisen feststellen, wie schwierig es ist, wirklich tief in die Wüstengebiete zu kommen. Temperaturen über 50° Celsius  und viel Benzin und Wasser auf dem Motorrad sind ein ordentlicher Motivationsdämpfer.

Im Jahr 2015 war ich das erste Mal bei einer Rallye in Südmarokko dabei. Damals noch nicht als Fotograf, sondern als Wettbewerbsfahrer. Wir sind an Orten gefahren, von denen ich immer geträumt hatte. Wir folgten ausgetrockneten Flüssen, vorbei an gigantischen Felsformationen bis in weite offene Ebenen. Ich erkannte sofort, dass diese Veranstaltungen eine Chance sind, abgelegene Orte besser zu erreichen.

Desert Camera - Der Film Wie der Zufall es so will, traf ich meinen italienischen Freund Alessio bei dem gleichen Event. Der zuckersüchtige Chaot beliefert bereits seit Jahren die Szene mit atemberaubenden Bildern und auch bei diesem Event war er wieder mit seinem Frankensteinbike dabei. Nach einem kurzen Gespräch war klar, dass wir dem gleichen Virus verfallen sind. Ein Jahr später waren wir zum ersten Mal als Fotografenteam bei einer Rallye dabei und nochmal 35.000 km später fiel die Entscheidung, die legendäre Rallye nach Dakar als Mediateam zu begleiten.

Nachdem die Dakar 2009 wegen einer Terrordrohung nach Südamerika verlegt wurde, haben sich die Motorsportlegenden Jean-Louis Schlesser und Rene Metge weiter für das Abenteuer in Afrika eingesetzt und so entstand das Africa Eco Race.

Vorbereitung

Die vierte Nacht in Folge verbringe ich auch nach 24 Uhr noch ein paar Stunden in meiner kalten Garage. In zwei Wochen startet die Africa Eco Race 2017 und vor mir hängt der nackte Rahmen meiner KTM. „Knack“ macht es und die nächste Steckverbindung am Navigations­tower legt den Betrieb lahm. Verdammt, irgendwo muss dieser Kurzschluss doch sein, denke ich mir und gehe noch einmal alle Kabel von Roadbook, Tripmaster und GPS-Geräten durch. Geduldsproben zur Vorweihnachtszeit sind ja nichts Ungewöhnliches; die Erkenntnis, dass ich jedoch so kurz vor dem Start noch nichts so richtig an dem Zweirad zusammen habe, bringt mich aber auf ein mir bislang unbekanntes Niveau.

Das Tor öffnet und schließt sich in diesen Tagen häufig, helfende Hände und Motorradteile kommen und gehen im Tagesrhythmus. Endlich dann die Testfahrt: der überholte Motor läuft, das Fahrwerk geht durch das gefrorene Gelände wie ein warmes Messer durch Butter und die Navigationselektrik spricht zum ersten Mal ohne Ausfälle zu mir. Erleichterung an der kompletten Front: Freunde, mein Mechaniker des Vertrauens, der örtliche KTM Händler und meine Nachbarn können endlich aufatmen. Es kann losgehen!

Das Abenteuer beginnt

Desert Camera - in der Wüste Ein Abenteuer über 6.500 km durch Marokko, die Westsahara, Mauretanien und den Senegal ist auch eine der härtesten Rallyes der Welt.

Zwei Wochen fahren wir durch unsere eigene Vorstellung vom Paradies. Durch riesige Dünenfelder, weite Ebenen und das Ganze in einem flotten Tempo. 400 bis 700 km betragen die Etappen täglich und wir, die „Rally Cool Photographer“, sind mittendrin. Mit im Team auch unsere liebenswerte Freundin Sandra aus Polen. Eine geniale Fotografin und Tagträumerin mit einem Auge für Details.

Desert Camera - Alessio CorradiniSandra und Alessio fangen mit dem Standbild den Moment ein und lassen Spielraum für Interpretation, aber es erzählt nicht die ganze Geschichte. Für mich war klar, dass ich bei diesem Event filmen werde, um die Geschichten hinter dem sonst so oberflächlich betrachteten Rallyesport zu erzählen. Dabei war es mir wichtig, keine klassische Motorsport­reportage zu erstellen, sondern in einem Abenteuerfilm so unabhängig wie nur möglich zu berichten. Ich wollte den Zuschauer mitnehmen auf unsere Reise nach Dakar und auf unsere fotografische Arbeit in der Wüste. So gab es eben auch kein Drehbuch und keine Filmcrew. Ein simples Kameraequipment auf zwei Rädern sowie viel Vorstellungskraft reichen oft aus, um einen tollen Film zu erstellen.

Und so finde ich mich in der Propellermaschine vom Schlesser wieder. Während sich die Landschaft in Marokko noch sehr vielfältig und bunt zeigt, ist Mauretanien Wüste pur. Kaum Vegetation, Sand und Staub in der Luft, Hitze und Trockenheit dominieren hier das Leben. Besonders eindrucksvoll erlebe ich das von hier oben aus. Auf meine Frage, was den Unterschied zwischen der Dakar in Südamerika und der Africa Eco Race ausmacht, antwortet Jean-Louis: „You can change the place and the name of the event, but you can’t change Africa.“

Die Rallye-Bivouacs im Nirgendwo, die kleinen Dörfer mit ihren eigenen Überlebenskünstlern ist das, was es so nur in Afrika gibt und was schon vor 30 Jahren Menschen nach Dakar gelockt hat. Es ist eben doch das Original in Afrika, nicht so kommerziell aufgeladen und der „Rally Spirit“ und Abenteuergedanke
stehen im Vordergrund.

Der Film

Desert Camera - Bastian BrüseckeElf Monate später war es dann soweit, am 16.12.2017 war die Filmpremiere in Münster vor ausverkauftem Publikum auf 158 Sitzen.

Dabei war die Produktion des Films keine geringere Herausforderung als die Fahrt nach Dakar selbst. Acht Personen, bestehend aus Filmemachern, Übersetzern und Grafikern waren an dem Projekt beteiligt. Über 900 GB Datenmaterial wurden gesichtet, sortiert und geschnitten. Mehr als 16.000 Wörter in vier Sprachen übersetzt und auch Sandra und Alessio haben während der Reise durch die Sahara 10.000 Bilder sortiert und überarbeitet. Eine wahre Mammutaufgabe!

„Desert Camera“ inspiriert den Zuschauer hoffentlich mit authentischen Abenteuern, ungewöhnlichen Situationen und ungefiltertem Humor. Mit herausragenden Wüstenaufnahmen, bewegenden Interviews und einem Blick hinter die Kulissen der Rallye-Welt gelingt großes Abenteuerkino.

Ich bin glücklich darüber, dass ich diese Abenteuer erleben kann und ich möchte die Erlebnisse mit Menschen teilen, die vielleicht selber nicht die Möglichkeit dazu haben. Ich lade euch ein, die Welt durch unsere Augen zu sehen.


Desert Camera - Cover Desert Camera ist der neue Abenteuerfilm von Bastian Brüsecke.

Den 88 Minuten langen Film bekommt man als Downloadversion sowie auf DVD und Blu-ray über die Internetseite www.motoventure.de.

Die Hauptsprache des Films ist Englisch. Der Sprecher ist aber auch in Deutsch anwählbar und zusätzlich lässt sich zwischen, deutschem, französischem und italienischem Untertitel wählen.

Der Download kostet nur 15 €, die DVD 20 € und die Blu-ray 23 €. Nicht nur für Wüstenfans eine tolle Sache!



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