aus Kradblatt 10/26 von Antonia Tepper

Ladys: start your Engines

Antonia ist 30 Jahre alt, kommt aus dem hohen Norden, aus Bordelum, quasi direkt an der Grenze zu Dänemark und unser Aufruf zum Mitmachen hat sie inspiriert, ihren ersten Beitrag zu verfassen. 

Mit der Yamaha Fazer ging es los. Auch heute noch ein tolles Motorrad, nicht nur für Anfänger.
Mit der Yamaha Fazer ging es los. Auch heute noch ein tolles Motorrad, nicht nur für Anfänger.

Mein langjähriger Partner hatte schon immer ein Faible für Motorräder und sprach monatelang davon, endlich einen Motorradführerschein machen zu wollen. Der Funke ist wohl alleine durch „davon reden“ übergesprungen und schon haben wir uns 2024 gemeinsam für den Motorradführerschein angemeldet. Gesagt, getan. 

Er hat sich eine Buell XB12S gekauft und ich wurde von ihm mit einer Yamaha Fazer, Baujahr 1998, überrascht. Diese Maschine stellte sich sehr schnell als das beste Einsteiger Motorrad raus. Also an alle Frauen: Good choice! Günstig im Unterhalt, leicht zu bedienen, weder zickig, noch kommt man mit ihr in Situationen die schwer einzuschätzen oder nicht korrigierbar sind. 

Es war nicht nur das gemeinsame Fahren, was es ausgemacht hat. Und hier zu aller erst: Der größte Dank geht an meinen Freund, der mir nicht nur das Motorrad fahren ermöglicht hat, sondern mich an die Hand genommen hat, als ich nicht mal wusste, wie man normale Werkzeuge richtig bedient und wohl nicht nur einmal dachte ich bin verwandt mit Alf, dem Außerirdischen vom Planeten Melmac. Das hätte nicht jeder getan und dafür bin ich unendlich dankbar.

Buell ist bekanntlich recht umfangreich, zickig und widerspenstig und eine geeignete Werkstatt zu finden, quasi unmöglich. Nur wenige Werkstätten reparieren diese Modelle und an Erfahrung fehlt es meistens. So fassten wir den Entschluss: Das kann man sich doch selber beibringen. 

Die 1997er Suzuki SRAD, ein echt sportliches Gerät.
Die 1997er Suzuki SRAD, ein echt sportliches Gerät.

Stunden, Tage, Wochen und Monate haben wir englische Anleitungen, Erfahrungsberichte und Websites gelesen und übersetzt. Es stellte sich schnell raus, dass ganze Moped muss überholt werden. Ich fing durch meinen Freund an zu lernen, zu verstehen und es zu lieben. Fing an Werkzeug richtig bedienen zu können. Vorher ohne zu wissen, dass es Zoll-Werkzeuge gibt und ganz ohne Wissen bezüglich Motoren und Elektronik. Nach und nach wurde ich besser. Wir wurden zu einem richtigen Team, welches von morgens bis abends in der Werkstatt saß. Ob 25 oder -10 Grad mit Heizlüftern, kein Wetter war zu schlecht um weiterzukommen. 

Die Buell haben wir in Eigenleistung komplett neu aufgebaut, den Kabelbaum getauscht, die Elektronik neu verkabelt, den Motor komplett zerlegt und etliche Teile getauscht, die wir vorher nach stundenlanger Suche im Ausland und über verschiedene Anbieter, sowohl privat als auch gewerblich bestellt haben. Darüber hinaus haben wir verstanden, wie die Software funktioniert, uns ein Programm gekauft und die komplette Software den Gegebenheiten angepasst. Heute steht sie in einem TOP-Zustand in der mittlerweile voll ausgebauten Schrauberhalle von meinem Freund, mit einigen anderen Projekten. Unter anderem einer GSX-R SRAD von 1997, die wir verunfallt gekauft und auch neu aufgebaut haben. 

Probesitzen bei Harley in Kiel - schick ist die Sportler S ja …
Probesitzen bei Harley in Kiel – schick ist die Sportler S ja …

Zu erzählen gibt es sicher noch, dass diese Maschine wohl dazu bestimmt war, mir als Anfänger zu zeigen, dass ich nicht Gott bin. Wohl eine der größten Tücken am Motorrad fahren: Denken, einem würde eh nichts passieren. Gesagt, getan: Mit der SRAD umgefallen, gegen den Zaun gekippt. Darunter war ich dann gefangen, bis mein Freund im Rückspiegel sah: „UPS, die Frau sitzt nicht drauf, sondern liegt darunter“, umkehrte und mich befreite. Passiert ist quasi nichts, außer in mir und danach sah ich die Welt ein kleines bisschen anders und mir wurde bewusst, unbesiegbar bin ich wohl doch nicht. Angst hatte ich keine, aber einen sehr gesunden Respekt.

2024 fuhren wir zu Harley nach Kiel. Mein Freund wollte eine Harley-Davidson kaufen. Wovon ich zu dem Zeitpunkt nicht so viel hielt, weil: typisch als blonde, 30-jährige, Anfängerin: Harley fahren nur alte Leute, hat wenig PS und ist klobig. 

Es wurde für ihn eine Low Rider S von 2024. Zuhause angekommen durfte ich eine Runde damit drehen und von da an, änderte sich mein Weltbild ein weiteres Mal. Noch nie in meinem Leben fühlte ich mich so frei, mein Grinsen war wohl von Hamburg aus sichtbar und nach meinem Freund habe ich die zweitgrößte Liebe gefunden: Harley-Davidson

An Weihnachten 2024 schenkte mein Freund mir eine Harley-Davidson Nightster Special, Modell 2024, auf der ich zuvor bei dem Kauf seiner Harley, ein einziges Mal saß und wusste: „Wenn eine Harley, dann diese.“ Einziges Manko, ich musste mich natürlich von meiner geliebten Fazer, getauft „Smiddi“, trennen. Ein wohl schweres Übel, was ich aber für den Neuzugang gerne in Kauf genommen habe. Er hat jetzt sicherlich ein schönes neues Zuhause. Für uns Frauen ist es ja bekanntlich „ein wenig“ schwerer sich von Dingen zu trennen – gerade dann, wenn sie auch noch einen Namen haben. 

… und dann kam Weihnachten. Was für ein tolles Geschenk!
… und dann kam Weihnachten. Was für ein tolles Geschenk!

Seither sind wir kaum aufzuhalten. Den Großteil der Umbauten haben wir selbstgemacht, uns selbst beigebracht und durch das Wissen meines Freundes: „Alles kein Problem.“ Der Plan: „Nicht wie jede andere Harley“. Die Nightster wurde von einem Zweisitzer, zu einem Einsitzer. Neuer Kennzeichenhalter, neue Blinker, neue Spiegel. Eine neue Auspuffanlage muss auch noch dran. Weg mit dem, was wir „Ofenrohr“ nennen und das leider Gottes fürchterlich klingt. 

Am Ende wurde ich also eines Besseren belehrt: Harley zu fahren ist wohl das geilste Gefühl der Welt und nicht nur was für alte Leute. Diese Art der Motoren ist anders. Das Gefühl: Unbeschreiblich. Zudem sieht sie zwar klobiger aus und wiegt in der Regel ein wenig mehr, aber mit der richtigen Technik und ein wenig Übung kriegt man sie auch rückwärts auf eine Auffahrt geschoben, ohne drunter zu liegen. Auch als Frau …

Das Fazit aus der Anekdote: Liebe Frauen, das was euch Motorrad fahren bietet, bekommt ihr nirgendwo anders. Ich habe lange blonde Haare, lange Fingernägel, bin Lehrerin in Dänemark auf einer kommunalen Gesamtschule. Also alles recht spießig und hätte nie gedacht und damit gerechnet, dass dies mein Ausgleich ist. Wir können alle immer schnell sagen, dass wir etwas nicht können, uns das Wissen oder die Fertigkeiten fehlen. Der springende Punkt ist, hat man das Glück einen Partner, Vater, Onkel usw. zu haben, der einem etwas beibringt: Nehmt es an, es wird euch verändern. Hat man das Glück nicht, ist das Internet heute wohl so entwickelt, dass man auch hier viel lernen kann. 

Zusammen auf zwei Harley-Davidson ans Meer. Klingt kitschig, macht aber sehr viel Spaß!
Zusammen auf zwei Harley-Davidson ans Meer. Klingt kitschig, macht aber sehr viel Spaß!

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