Bullitt SE RSD Viva

Bell Bullet – Kugel auf dem Kopf

aus Kradblatt 5/15
von Toralf Münch

Ausprobiert: Bell Bullet – Kugel auf dem Kopf

Bell BulletDer Bell Bullitt ist retro durch und durch. In erster Linie durch sein Äußeres, das an den „Bell Star“ aus den 70er Jahren angelehnt ist, aber auch innen ist alles recht puristisch gehalten.

Als ich ihn das erste Mal sah, musste ich mich entscheiden, finde ich ihn hässlich oder ist er so retro, dass es schon wieder geil ist. Ich habe mich für die 2. Variante entschieden. Ich habe aber auch gegenteilige Meinungen vernommen.
Im Lieferumfang des Helms sind das Bubble-Visier, ein normales Visier und ein Helm-Beutel enthalten. Ich hatte noch ein getöntes Visier für den Test zur Verfügung.

Die Helmschale ist aus einem Composite Fiberglas, innen sorgt expandiertes Polystyrol (EPS) für die Stoßabsorption. Das Gewicht liegt bei 1475 Gramm. Kein Leichtgewicht, aber auch nicht unmöglich schwer. Es gibt keine zentimeterdicken Polster oder viele Komfortfunktionen. Der Bullitt lässt sich von der Passform mit den X-Lite X-1003 oder X-802R vergleichen. Oben rum ganz gut, unten am Kinn leider etwas wenig Platz für mich – aber Helmgrößen sind ja sehr subjektiv.

Bullitt SE Barn FreshDirekt oberhalb des Visiers gibt es fünf runde Luftlöcher, die für die Belüftung der oberen Kopfhälfte sorgen. Ein Schlitz am Hinterkopf befördert die Luft nach draußen. Am Kinn gibt es eine von innen verschließbare Belüftung. Obwohl beide Visiere kein Pin-Lock besitzen beschlagen diese nicht. Beim Bubble-Visier sammelt sich mit der Zeit das Kondenswasser im unteren Bereich, stört aber nicht.

Die Visiermechanik hat bis auf die Position ganz oben keine Rastung. Wechseln lässt es sich nur mit Werkzeug, da die Halterung geschraubt ist. Betätigt wird das Visier links durch eine seitliche Lasche aus Leder. Interessantes Detail: komplett geschlossenen wird diese Lasche durch einen Magneten am Helm fixiert. Sehr gut ist das Sichtfeld, wo man nichts mehr vom äußeren Rahmen bemerkt.

Die Verarbeitung der Materialien wirkt sehr hochwertig. Alle Stellen mit Kopfkontakt sind aus braunem Velours, am Halskragen außen kommt Leder zum Einsatz. An den Ohren ist Platz für Kopfhörer vorgesehen. Das Innenfutter ist komplett herausnehmbar und waschbar. Der Riemenverschluss ist in sportlicher Doppel-D Ausführung.
Die Aerodynamik ist bis ca. 130 km/h auf der nackten Kawasaki Z 1000 sehr neutral. Bei höheren Geschwindigkeiten bemerkt man einen leichten und zunehmenden Auftrieb. Ich habe beide Visiere getestet, es hätte ja sein können, dass sich das Bubble-Visier anders verhält, dem ist aber nicht so.

Bullitt SE RSD VivaKommen wir zu den negativen Eigenschaften, denn die hat der Helm leider auch: Ich habe ihn im Frühjahr bei ständig unter 20 °C gefahren und dann war mir der Helm durchweg zu kalt. Es zieht von unten am Kinn nach oben und außen an den Augen entlang. Bei kalter Luft fangen so die Augen an zu tränen. Ein weiterer Punkt ist die Geräuschkulisse. Bereits ab 30 km/h hört man deutlich niederfrequente Windgeräusche, wie man es bei Kameraaufnahmen im Wind kennt. Und dieses Rauschen verstärkt sich mit steigender Geschwindigkeit immer mehr und es kommt ein höherfrequentes Pfeifen hinzu. Gehörschutz – vor allem auf Langstrecke – ist also empfehlenswert.

Fazit: Der Helm ist für wärmere Temperaturen und moderate Geschwindigkeiten geeignet. Nichts für kalte Tage oder fürs sportliche Landstraßensurfen. Er passt sicher gut zu vielen sportlichen Oldtimern und klassischen Youngtimern, die bei bestem Wetter für kürzere Strecken bewegt werden. Mit einem Straßenpreis von 479 Euro für die von mir gefahrene Special Edition (Standard 429 Euro) ist das schon eine Stange Geld für einen eingeschränkt nutzbaren Helm. Wer die Blicke auf sich ziehen will, der ist mit dem Helm aber sehr gut bedient.

P.S.: Wenn man sich mit dem Bubble-Visier und in heller Textilkombi im Spiegel sieht, dann denkt man unweigerlich an einen Astronauten kurz vorm Abflug …


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